Mundspüllösungen: Krieg den Keimen

Mundspüllösungen Test

test 01/2003

Mit Mundspüllösungen zur perfekten Zahnhygiene? Wir haben 25 Produkte untersucht. Zur Vorbeugung sowohl gegen Karies als auch gegen Plaque empfehlen sich nur wenige.

Mundspüllösungen

Jeder erwachsene Deutsche hat 16 kariöse Zähne – statistisch betrachtet. Außerdem leidet jeder Zweite ab Mitte 30 an Parodontitis, einer entzündlichen Erkrankung des Zahnhalteapparats. Unbehandelt kann sie zum Verlust gesunder Zähne führen. Doch jeder kann selbst viel dazu beitragen, sein Gebiss zu erhalten. Neben gesunder Ernährung kommt es vor allem auf die Sorgfalt bei der Zahnpflege an. Verfechter der perfekten Mundhygiene setzen in erster Linie auf fluoridierte Zahnpasta und Zahnseide, aber auch auf Mundspüllösungen.

Diese Produkte sind nicht mit Mundwässern zu verwechseln, die meist nur frischen Atem versprechen. Mundspüllösungen verheißen mehr: Sie sollen Zahnbelag bekämpfen oder die Neubildung von Plaque hemmen. Auf den Verpackungen wird aber auch der Schutz vor Karies und Parodontitis oder ihrem möglichen Vorboten, der Zahnfleischentzündung (Gingivitis), ausgelobt, ebenso die Hemmung von Zahnstein. Andere Mittel sollen schmerzlindernd bei empfindlichen Zähnen wirken.

300 Bakterienarten

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Kinder unter sechs Jahren sollten keine Mundspüllösungen bekommen.

Wir haben 25 Produkte unter die Lupe genommen: 24 Zahn- und Mundspüllösungen, davon drei für empfindliche Zäh­ne und eine speziell für Kinder, außerdem ein Mundpflegekonzentrat. Vor allem interessierte uns die Einschätzung aus zahnmedizinischer Sicht. Rundum am besten schützen danach Chlorhexa­med Lösung 0,06% + F und Meridol. Sie beugen Karies, bakteriellen Zahnbelägen (Plaque) und Gingivitis gleichermaßen „gut“ vor. Bei der Kariesprophylaxe ist Meridol sogar „sehr gut“.

Wie Karies wird auch Parodontitis durch bakterielle Zahnbeläge verur­sacht. Sie entstehen dort, wo die Zähne nach dem Essen nicht ausreichend geputzt wurden. Da nistet auch der Übeltäter, der unter den etwa 300 verschiedenen Bakterienspezies in der Mundhöhle als Karies-Bakterium Nummer eins ausgemacht wur­de: Streptococcus mutans. Mithilfe anderer Bakterien vergärt er die mit der Nahrung aufgenommenen niedermolekularen Kohlenhydrate (meist Zucker) zu Säure. Die frisst sich dann langsam durch den Zahnschmelz – Folge ist das gefürchtete Loch im Zahn.

Für das Entstehen einer Parodontitis macht man 20 bis 30 Bakterienarten verantwortlich, die zur normalen Mundflora gehören. Warum diese Bakterien bei manchen Menschen zu Parodontitis führen, bei anderen nicht – das weiß die Wissenschaft noch nicht genau. Sicher ist nur: Ohne Plaque gibt es keine Parodontitis. Wer also gegen Karies und Parodontitis vorgehen will, muss den bakteriellen Zahnbelag entfernen.

Mit Fluorid gegen Karies

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Unter den kariesprophylaktischen Stoffen sind Fluoride die mit Abstand wirksamsten. Sie beugen Zahnschäden vor und können sogar beginnende Schwachstellen im Schmelz reparieren. Manche hemmen zusätzlich die Plaquebildung. Wichtig ist dabei vor allem die Art des Fluorids, die Konzentration und der pH-Wert. Die beste Wirkung in Mundspüllösungen wird der Kombination aus Aminfluorid und Zinnfluorid zugeschrieben. Sie besitzt neben sehr guten kariesprophylaktischen auch deutliche antimikrobielle Eigenschaften. Das kommt auch Menschen zugute, die zu Parodontitis neigen. Nur ein Produkt dieser Untersu­chung enthält diese Fluorid-Kombination: die Meridol Spüllösung.

Wirkungsvolle Mundspüllösungen soll­­ten nicht mehr als 200 bis 500 Milli­gramm Fluorid pro Liter enthalten, empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobe­wertung (BfR). Innerhalb dieser Grenzen ist ein höherer Fluoridanteil einem niedrigeren vorzuziehen. In den USA ist dieser Dosisbereich sogar vorgeschrieben. Der Grund für die Grenzwerte: Heutzutage nehmen wir Fluoride meist aus mehreren Quellen zu uns – aus Zahnpasten, oft aber auch aus Speisesalz und aus Mineralwasser. Zu viel Fluorid kann sich jedoch negativ auswirken: Bei jahrelangem Gebrauch kann massiv überdosiertes Fluorid krankhafte Knochenverdichtungen und dadurch Einengungen von Nerven zur Folge haben. Deshalb haben wir uns bei der Bewertung an den Grenzwerten des BfR orientiert.

Und in der Tat tun einige Anbieter des Guten zu viel. Dm/Dontodent und Rewe/Today überschreiten die Empfehlungen des Bundesinstituts für Risikobe­wer­tung, was wir negativ bewertet haben.

Gegen Plaque und Gingivitis

Als die einzige wahre „chemische Zahnbürste“ gilt Chlorhexidin (CHX) in Dosierungen von 0,2 und 0,12 Prozent. Es hat sich gegen alle Plaque-Bakterien als gut wirksam erwiesen. Doch so hoch dosierte Mundspüllösungen eignen sich nicht für den tägIichen Gebrauch. Sie können zu Geschmacksirritationen führen und die Zähne dunkel verfärben. Sie sollten nur vorübergehend auf Empfehlung des Zahnarztes benutzt werden.

Die Chlorhexamed-Mundspüllösung un­serer Untersuchung enthält nur 0,06 Prozent CHX und wirkt entsprechend schwächer. In gleichem Maße gehen auch die Nebenwirkungen zurück. Die manchmal auftretenden Zahnverfärbungen sind nur gering und durch professionelle Zahnreinigung problemlos zu entfernen. Das gilt auch für die leichten Verfärbungen, die sich nach regelmäßigem Benutzen von Meridol zeigen können. Hier ist es die Fluoridkombination, die neben sehr guter Kariesprophylaxe auch die Plaquebildung deutlich hemmt.

Colgate Plax Total Fresh Anti-Plaque ist ebenfalls gut wirksam gegen Plaquebakterien. Es enthält Triclosan/Copolymer, das allerdings in Kosmetika und Körperpflegemitteln nicht unumstritten ist. Aus Deos zum Beispiel ist Triclosan fast völlig verschwunden. Obwohl es in seiner akuten toxikologischen Wirkung recht gut untersucht ist und als risikoarm gilt, sind doch einige Fragen ungeklärt: Beispielsweise greift Triclosan in das Entgiftungssystem der Leber ein. Hersteller von Mundspüllösungen und Zahnpasten rechtfertigen den Einsatz von Triclosan mit entsprechenden Expertisen. Danach ist bei den Konzentrationen von Triclosan in Mundspüllösungen ein Risiko für die Benutzer auszuschließen.

Auch die Listerine-Mundspüllösungen enthalten Substanzen, die nachweislich eine deutliche Wirkung auf Plaque haben. Diese Produkte schmecken allerdings – vorsichtig ausgedrückt – gewöhnungsbedürftig. Die eingesetzten ätherischen Öle können bei Dauergebrauch Allergien hervorrufen.

Das trifft auch auf die ätherischen Öle im Mundpflege-Konzentrat „Nur ein Tropfen“ zu. Für den Nutzen dieses Produkts in Hinblick auf Plaque und Gingivitis fehlt außerdem ein ausreichender wissenschaftlicher Nachweis. Das gilt nicht nur für „Nur ein Tropfen“ aus dem Drogeriemarkt, sondern auch für das gleichnamige, in der Rezeptur fast identische Arzneimittel, das es als „medizinisches Mundwasserkonzentrat“ in jeder Apotheke zu kaufen gibt. Dort ist es allerdings oft deutlich teurer.

Andere Wirkversprechungen

Einige der untersuchten Mundspüllösungen enthalten Substanzen, die die Zahnsteinbildung hemmen sollen. Wer hier zu Problemen neigt, dem sei jedoch eher empfohlen, eine entsprechende Zahnpasta zu benutzen. Die zahnsteinhemmende Wirkung ist dort besser erforscht.

Eine wirkungsvolle Substanz zur Vorbeugung gegen Parodontitis gibt es nach wie vor nicht. Allein Triclosan/Copolymer wird eine gewisse, wenn auch geringe Bedeutung bei der Parodontitisprophylaxe zugeschrieben. Am aussichtsreichsten gegen Parodontitis ist noch immer größte Sorgfalt bei der Zahnreinigung mit Bürste und Zahnseide.

Mundspüllösungen für sensible Zähne enthalten meist Kaliumverbindungen. Bei täglichem Gebrauch können sie in der Tat schmerzlindernd wirken.

Nicht vor dem sechsten Geburtstag

Kinder sollten bis zum sechsten Geburtstag keine Mundspüllösungen benutzen. Bis zu diesem Alter besteht die Gefahr, die Lösung zu verschlucken. Die Folge kann „Mottling“ (Dentalfluorose) sein – zwar ungefährliche, aber ästhetisch störende Schmelzflecken auf den nachwachsenden Zähnen im sichtbaren Bereich. Mit sechs Jahren sind die Zähne dann so weit ausgebildet, dass diese Gefahr gebannt ist. Der therapeutische Nutzen sollte aber mit dem Kinder- oder Zahnarzt besprochen werden.

Auf jeden Fall sollten Kinder nur alkoholfreie Mundspüllösungen bekommen. Angebote dieser Art sind auf dem Vormarsch, nachdem auch das BfR empfohlen hat, auf Alkohol in Mundspüllösungen zu verzichten beziehungsweise den Gehalt genau zu deklarieren. Dabei dachten die Gesundheitsschützer nicht nur an Kinder, sondern auch an die Gefahr für trockene Alkoholiker. Den genauen Alkoholgehalt deklariert übrigens kein einziger Anbieter.

Die Zweifel der Zahnärzte

Mundspüllösungen eignen sich als zusätzliches Hilfsmittel zur Mundhygiene. Zahnärzte schätzen ihre Bedeutung nur als zweitrangig ein. Viel wichtiger ist es, die Zähne mit fluoridierter Zahnpasta zu putzen und die Zwischenräume mit Zahnseide zu reinigen. Wer zusätzlich fluoridiertes Speisesalz im Haushalt verwendet und zwei-, dreimal im Jahr zur Profireinigung zum Zahnarzt geht, kommt der perfekten Mundhygiene recht nahe. Und wer dann noch zusätzlich spülen möchte – bitteschön.

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