Heimtrainingsgeräte: Immer in Bewegung bleiben

Heimtrainingsgeräte Test

test 01/2003

Wer sich im Sommer und im Winter fit halten will, kann das auf einem Heimtrainer tun. Von den 18 getesteten Geräten bekamen 10 das test-Qualitätsurteil „gut“.

Heimtrainingsgeräte

Einfach in Bewegung bleiben, abnehmen, Ausdauer und Fitness trainieren – es gibt genug Gründe, sich ein Heimtrainingsgerät anzuschaffen. Nicht zu vergessen Patienten nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen, für die ein spezielles, kontrolliertes Aufbautraining wichtig ist.

Welches Gerät für wen?

Heimtrainingsgeräte Test
Quetschgefahr: Etwas zu geringer Abstand zwischen Pedalarm und Standfuß.

test hat Fahrrad- und Crosstrainer-Ergometer sowie Crosstrainer geprüft, die im Gegensatz zu den Ergometern keine Leistungsmessung haben. Weil die Füße auf Crosstrainern die Form einer Ellipse beschreiben (im Foto oben erkennbar), werden diese Geräte auch „Ellipticals“ genannt. Während die Bewegungsabläufe auf einem Fahrradergometer jedem Radler vertraut sind, ist die Dynamik eines Crosstrainers weitaus komplexer. Je nach Einstellung lassen sich Bewegungen ähnlich dem Wandern, Joggen, Skilanglauf oder Radfahren simulieren. Verstellbare Tritt­bretter auf den Pedalarmen bestimmen, wie die elliptische Beinbewegung ausfällt – flach wie beim Wandern oder eher rund wie bei einem Fahrrad. Gleichzeitig führen die Arme eine rhythmische Gegenbewegung aus. So kommen nicht nur die Beine, sondern der ganze Körper in Schwung.

Der Hauptunterschied zum Fahrradergometer besteht darin, dass der Benutzer auf dem Crosstrainer steht, also bei jedem Schritt sein Körpergewicht anhebt. Für stark übergewichtige Personen kann das Training auf einem Crosstrainer deshalb zu anstrengend sein.

Je nach Genauigkeit der Leistungseinstellung in Watt gibt es drei Klassen: von A für hohe Genauigkeit und zusätzliche Anforderungen an die Dauerhaltbarkeit bis zur Klasse C, die größere Abweichungen erlaubt. Auf die Einstufung ist aber nicht immer Verlass. Manchmal wird der Begriff Ergometer auch für weniger genaue Geräte verwendet, wie im Test bei dem C-Klasse-Gerät Hammer Emperor Ultra. Enttäuschend: Auch bei einigen A-Klasse-Geräten waren die Anzeigen und Einstellungen im Test nur durchschnittlich genau.

Warum stimmt die Pulsanzeige nicht?

Mangelnde Durchblutung des Ohrläppchens, Ohrlöcher, Schweiß oder das Pendeln des Kabels können die Übertragung der Pulswerte vom Ohrclip zum Trainingscomputer beeinträchtigen. Bei den Handpulsaufnehmern sind auch der Hautwiderstand, Bewegungen und unterschiedlicher Druck auf die Kontaktfläche Einflussfaktoren für Fehlmessungen, sodass die Geräte teilweise gar keine oder falsche Werte anzeigten. Dabei werden meist zu niedrige Messwerte angezeigt. Und das ist gefährlich, denn die Überbelastung des Trainierenden ist dadurch bereits programmiert.

Abhilfe ist möglich: Der Puls kann mit einem guten Pulsfrequenzmesser mit Brustgurt genauer kontrolliert werden. Die Computer einiger Heimtrainer empfangen auch die Werte von Brustgurten und ermöglichen so einen pulsgesteuerten Betrieb, auf der Basis einer zuverlässigen Pulsmessung. Brustgurt-Pulsaufnehmer sind bei verschiedenen Fabrikaten – zum Beispiel bei Kettler zum Preis von 55 Euro – als Zubehör erhältlich.

Nicht nur bei der Pulsmessung, auch bei der Wattanzeige wurden teilweise erhebliche Abweichungen festgestellt. Mit einem geeichten Messgerät für medizinische Tretkurbelgeräte konnten wir nachweisen, dass die zulässigen Abweichungen von zehn Prozent beziehungsweise fünf Watt bei Einstellungen unter 50 Watt zum Teil erheblich überschritten wurden. Wer aus gesundheitlichen Gründen nur bis zu einer vorgegebenen Leistung in Watt trainieren darf, riskiert im Vertrauen auf die Anzeige des Geräts eine Überbelastung.

Wohin mit dem Gerät?

Für einen Fahrradergometer sollten etwa vier, für einen Crosstrainer rund sechs Quadratmeter Fläche eingeplant werden, damit der Nutzer zu beiden Seiten auf- und absteigen kann. Mit Gewichten bis zu 75 Kilogramm lassen sich vor allem die Crosstrainer kaum tragen und trotz der Rollen schwer manövrieren. Stellt man das Ungetüm wegen Platzmangels auf dem trockenen Balkon oder im Keller auf, ist die Trainingsmotivation meist nach kurzer Zeit erloschen. In Wohnräumen, mit Blickrichtung auf das Fernsehgerät, etwa wenn die Tour de France oder der Berlin-Marathon über den Bildschirm flimmern, lässt es sich schon sehr viel angenehmer trainieren.

Welche Geräte sind unsicher?

Einige der geprüften Heimtrainer bergen Verletzungsrisiken. Weniger für den Trainierenden selbst als für Personen, die zu nah an einen Crosstrainer herantreten, um zum Beispiel auf die Computeranzeigen zu schauen. Bei einigen Geräten kann man dabei mit dem Fuß unter den Pedalarm geraten und ihn sich dort einklemmen. Besonders viele Quetsch- und Scherstellen fanden wir beim Horizon Endurance. Bei ihm liegt das Schwungrad vorn und die Pedalarme laufen hinten in offenen Kulissen.

Tipp: Benutzen Sie die Heimtrainingsgeräte nicht, solange sich kleine Kinder oder Haustiere im selben Zimmer befinden. Lassen Sie nach Möglichkeit kleine Kinder auch nicht allein in dem Zimmer, in dem der Heimtrainer steht. Er verleitet zum Spielen und Herumklettern.Besonders die Crosstrainer lassen sich dadurch mühelos in Bewegung setzen und stellen dann eine Gefahr für das Kind dar. Keines der geprüften Gerät hat eine Sperrklinke oder eine andere Sicherung, die vor unbefugter Inbetriebnahme schützt. Der Trainierende selbst sollte nicht barfuß oder in Pantoffeln auf das Gerät steigen. Sportschuhe mit griffigen Sohlen bieten einfach mehr Sicherheit.

Ein unsicheres Gefühl vermittelt der Quelle-Fahrradergometer, der beim Absteigen leicht kippelt. Vom Quelle Mars Elliptical kann man wegen der ungünstigen Geometrie bei schwungvollem Training sogar nach vorn herunterstürzen: test-Qualitätsurteil „mangelhaft“.

Welche Grundfunktionen die einzelnen Computer anzeigen, steht in der Tabelle. Wichtig sind Watt- und Umdrehungszahl, die Anzeige der Trainingsdauer und des Pulses, die natürlich stimmen muss. Die angegebene Wegstrecke ist zwischen den verschiedenen Geräten nicht vergleichbar, weil die Entfaltung nicht definiert ist. Entfaltung nennt der Fachmann beim Fahrrad die zurückgelegte Strecke pro Tretkurbelumdrehung, die je nach Gangstufe völlig anders ausfallen kann. Programme, mit denen sich unterschiedliche Strecken simulieren lassen, befriedigen vor allem den Spieltrieb und mögen die Trainingsmotivation verstärken, ein ständiger Wechsel der Belastung ergibt jedoch wenig Sinn. Wer erkennen will, ob seine Fitness Fortschritte macht, kann mit gleichmäßiger Belastung trainieren oder die Recovery-Funktion der Geräte nutzen.

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