Fitness-Studios: Zu wenig Betreuung
Trainieren, entspannen, wohlfühlen, gesund bleiben – solche Versprechen sollen auch Ungeübte und Leute über 40 ins Fitnessstudio locken. Werden sie wirklich qualifiziert beraten und betreut?
Gezielte Übungskonzepte, sorgfältig dosiert und auf Ihren Bedarf und Ihre Ziele abgestimmt, bringen Sie körperlich und seelisch ins Gleichgewicht.“ „Beratung wird bei uns größer als in anderen Studios geschrieben.“ „Für jedes Alter und jeden Geschmack bieten wir spezielle Kurse an.“ In vielen Fitnessstudios gibt es neben dem klassischen Gerätepark inzwischen auch Beweglichkeits- und Konditionstraining, Entspannungskurse und Trainingsprogramme gegen spezielle Beschwerden, zum Beispiel Rücken- oder Gelenkprobleme.
Mit solchen Angeboten und dem Versprechen hoher Betreuungsqualität durch professionelles Personal wollen die Sportstudios einen neuen Kundenkreis gewinnen. Innerhalb der letzten zehn Jahre ist das Durchschnittsalter der Mitglieder von Mitte 20 auf Mitte 30 gestiegen, und schon jetzt ist fast jeder zweite Trainierende über 40 Jahre alt. Für sie rückt die Gesundheit in den Vordergrund. Wer körperlich aktiv ist, hoffen sie, bleibt fit und gesund bis ins hohe Alter. Tatsächlich sind die Erkenntnisse der Medizin unbestritten: Ausdaueraktivitäten wie Radfahren oder Laufen trainieren den Kreislauf und schützen vor Herzkrankheiten. Und Krafttraining hat schon vor längerer Zeit die Bodybuilder-Ecke verlassen. Es stärkt nicht nur die Muskulatur, auch Bänder, Gelenke und Knochen profitieren von den Übungen.
Testarena München
Doch der Fitnessneuling kann meist nicht erkennen, ob Gesundheit drin ist, wo Gesundheit drauf steht. Auch kann er kaum beurteilen, wie qualifiziert Trainer und Kursleiter eines Fitnessstudios sind. Das Personal ist unterschiedlich ausgebildet. Manchen Studios reichen als alleinige Qualifikation eigene sportliche Aktivitäten des Trainers oder zwei- bis fünftägige Schulungen, andere beschäftigen Physiotherapeuten, Diplom-Sportlehrer oder Ärzte. Grund genug für die Stiftung Warentest zu prüfen, was die Kunden erwartet, die eins der vermeintlich hochwertigen Studios wählen. Unsere Testarena war München.
Knapp die Hälfte der Münchener Fitnessstudios will sich mit Gesundheit profilieren. Dort ließen wir unsere Tester zum Training antreten: Probetraining, Fitness-Check, individueller Trainingsplan und anschließende Teilnahme am Studioalltag standen auf dem Programm. Im Großen und Ganzen ist das Ergebnis erfreulich. Höchstleistungen erzielte zwar keiner der Kandidaten, doch immerhin vier Studios platzierten sich mit einem „Gut“ auf den vorderen Plätzen. Zwölf Studios schnitten „befriedigend“ ab, eins „ausreichend“ und eins sogar „mangelhaft“: das Fitnessstudio Rothof. Hier war die Betreuung in jeder Hinsicht so inakzeptabel, dass wir das schlechteste Qualitätsurteil vergeben mussten.
Die vier „guten“ Anlagen konnten mit gründlicher Beratung und aufmerksamer Betreuung Punkte sammeln. Bei den anderen Anbietern waren die Neulinge häufig von einem Termin zum nächsten völlig auf sich gestellt, weil die Trainer entweder nicht zu sehen oder nicht ansprechbar waren oder nicht auf Trainingsfehler reagierten.
Kern eines gesundheitsorientierten Trainingskonzepts sind das Probetraining, der Fitnesstest und der daraus abgeleitete Trainingsplan. Hier werden die Weichen für das weitere Training gestellt. Nicht umsonst werben die meisten der höherwertigen Studios mit diesen Leistungen um neue Kunden. Der Start verlief für unsere Tester noch recht positiv: Beim Probetraining schnitten neun Studios mit „gut“ ab, Fitness Forum und Fit&Fun konnten sogar ein „Sehr gut“ einheimsen. Das Probetraining inklusive Fitnesstest dauerte in der Regel eine, im GSC Schwabing sogar zwei Stunden. Nach einem kurzen Rundgang durch das Studio erklärten die Trainer wichtige Kraft- und Ausdauergeräte und zeigten, wie man sie bedient. Sowohl Kieser als auch Swiss verteilten die Kraftgeräteeinführung auf drei Termine – dort geht man vernünftigerweise davon aus, dass ein Anfänger sich nicht auf Anhieb merken kann, wie zehn Geräte zu bedienen sind.
Enttäuschend verlief vielfach der Fitnesstest. Nur Body Factory und GSC Schwabing waren „gut“. Vor dem Check erkundigten sich die Trainer der meisten Studios zwar nach der Motivation und den Trainingszielen der Kunden – zum Beispiel Gewichtsabbau, Konditionsaufbau, Rückenkräftigung – und nach schweren Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Problemen oder orthopädischen Beschwerden. Doch ein gründlicher Test – wir hatten einen standardisierten Ausdauer- und auch Krafttest erwartet – fand nur selten statt.
Geschätzt statt gemessen
Nur die Body Factory überprüfte in einem apparativen Messverfahren die Kraft von Rumpf, Armen und Beinen. Die anderen Studios und ihre Trainer sind offenbar überzeugt, dass sie die Kraft ihrer Kunden aus Erfahrung schon richtig einschätzen können, zum Beispiel beim Ausprobieren der verschiedenen Geräte. Doch wer kann schon auf Anhieb muskuläre Ungleichgewichte, zum Beispiel zwischen Bauch- und Rückenmuskeln oder zwischen den vorderen und rückseitigen Oberschenkelmuskeln erkennen. Mit einem falschen Krafttraining können jedoch Dysbalancen verstärkt oder neu aufgebaut werden.
Unverständlich ist, dass ausgerechnet beim Krafttrainingsspezialisten Kieser ein Test zum Erkennen von Dysbalancen nicht zum Standard gehört. Kieser bietet zwar für 35 Euro einen Krafttest an, weist Kunden aber nicht ausdrücklich darauf hin. Dieser Test misst allerdings nur, wie stark die Rückenmuskeln sind.
Ausdauerbelastung zu gering
Einen Ausdauertest bieten die meisten Gesundheitsstudios an. Denn nur wenn die Trainer die Kondition der Einsteiger ermitteln, können sie daraus konkrete Trainingsempfehlungen ableiten. Doch in der Regel war die Belastung beim Ausdauertest so gering, dass nur Hochrechnungen und damit ungenaue Rückschlüsse auf die Kondition möglich waren. Nur im Injoy dauerte der Test auf dem Fahrradergometer eine halbe Stunde, und die Probandin sollte bis an ihre persönliche Grenze gehen. Auch ermittelten die Studios die Herzfrequenz nicht immer mit einem Pulsmessgerät im Brustgurt. Ohrclip und Handpulssensoren messen jedoch ungenau, sie zeigen oft niedrigere als die tatsächlichen Werte an.
Häufig fehlte auch der Hinweis, dass beim Training an den Kardiogeräten immer die Herzfrequenz die Orientierungsmarke sein sollte, egal welche Ziele der Trainierende hat. Wer abnehmen will, sollte zum Beispiel nur mit mäßig erhöhtem Puls trainieren, und wer seine Ausdauerleistung verbessern will, sollte auf jeden Fall seine Überlastungsschwelle kennen – den Wert, den der Puls nicht überschreiten sollte.
Mit dem individuellen Trainingsplan fanden etliche Studios wieder den Anschluss an die Spitze: Dreimal „sehr gut“ für Body Factory, Elixia West und AJ’s und achtmal „gut“ konnten wir vergeben. Vorbildlich war der Plan der Body Factory. Für jeden Trainingstermin können die Trainingsdaten für Kraft und Ausdauer eingetragen werden. Für die Kraftgeräte gibt es Hinweise zu Gewichten, Wiederholungen und Sätzen sowie auf die einzustellende Sitzposition. Für das Ausdauertraining gibt Body Factory die Herzfrequenz für unterschiedliche Geräte an – niedrige fürs Fahrradergometer, etwas höhere für den Crosstrainer. Das ist gut so, denn die Gerätetypen belasten das Herz-Kreislauf-System unterschiedlich stark.
Fast alle gesundheitsorientierten Fitnessstudios versprechen ihren Kunden einen umfassenden und individuellen Trainingsservice. Ob das auch nach Vertragsabschluss und dem betreuungsintensiven Einstieg so bleibt, sollten unsere Tester anschließend im Studioalltag feststellen. In etwa der Hälfte der Studios waren durchschnittlich vier erkennbare Mitarbeiter vor Ort. In den anderen waren es weniger. Die Trainer hielten sich meist im Kraftbereich auf, oft auch an der Rezeption oder saßen in fröhlicher Runde zusammen, wie zum Beispiel einmal im Leo's. Im Munich Health war oft nur ein einziger Trainer gleichzeitig zuständig für die Rezeption, Getränkebar, den Ausdauerbereich im Erdgeschoss und den Kraftbereich im Obergeschoss. Im Rothof war der vermutlich einzige Trainer nur selten zu sehen.
Trainer unaufmerksam
In den meisten Studios machten die Trainer zu selten und nur unregelmäßig Rundgänge. Sie anzusprechen, war ohne weite Wege oft nicht möglich. Unsere Prüfer bemängelten vor allem, dass sie aktiv auf die Trainer zugehen mussten und nur selten ein Kontaktversuch von den Betreuern ausging. Vielleicht wollen viele Kunden in Ruhe gelassen werden. Es sollte für den Neuling aber zumindest die Möglichkeit geben, zu signalisieren, ob er Hilfe braucht. In den meisten Studios war es jedoch kaum möglich, auch nur Blickkontakt mit einem Trainer aufzunehmen.
Kein Wunder, dass nur wenige Trainer überhaupt bemerkten, dass unsere Tester fehlerhafte Übungen in ihr Kraftprogramm eingebaut hatten. Jedenfalls machten sie selten einen Korrekturvorschlag. Kuriose Situation im Elixia West: Hier machte ein Trainer unsere Probandin auf fehlerhafte Bewegungen anderer Sportler aufmerksam, korrigierte die Trainierenden aber nicht. Etwas besser waren die Ergebnisse, als die Tester ein unangenehmes Gefühl in der Brust während des letzten Ausdauertrainings schilderten. Dies hätte ein typischer Vorbote ernster Herzbeschwerden sein können, doch statt nachzufragen und eventuell einen Arztbesuch zu empfehlen, wiegelten viele Trainer eher ab. 13 von 18 Trainern empfahlen aber zumindest, mit niedrigeren Pulswerten zu trainieren, 3 von ihnen veränderten sogar den Trainingsplan entsprechend.
Die Betreuung kommt im laufenden Trainingsbetrieb der gesundheitsorientierten Sportstudios eindeutig zu kurz. Ist erst einmal ein Vertrag mit längerer Laufzeit abgeschlossen, wird der Kunde im Alltag meist allein gelassen. Bei unserem Test gab es nur wenige Hinweise auf eine kontinuierliche Betreuung. Dabei fielen vor allem zwei Studios positiv auf: Das Munich Health plant ein zehnteiliges Checkprogramm innerhalb der ersten Monate ein – unter anderem für Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, Ernährungsberatung. Im Body Up ist nach acht Trainingseinheiten ein Gespräch mit dem Trainer vorgesehen. Eine solche Standardisierung ist zu begrüßen. Auch andere Fitnessstudios könnten sich damit fit machen.
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