Erkältungsmittel: Was wirklich hilft
Husten, Fieber, Kopfweh. Die Nase läuft, es kratzt im Hals: Medikamente lindern Erkältungssymptome. Abwehren und heilen kann aber nur das Immunsystem.
Unter dem Elektronenmikroskop und in Computeranimationen kommen Viren in faszinierenden Formen und Farben daher – ein ganz eigener Kosmos bizarrer Partikel. Sie lösen, häufig mit Fieber, typische Erkältungskrankheiten aus – Atemwegsinfekte wie Schnupfen, Nebenhöhlen-, Mandel-, Rachenentzündung, Husten und Bronchitis.
Für Husten, Schnupfen & Co. sind vergleichsweise wenige Virenarten zuständig, etwa 200, unter anderem Corona-, Adeno- oder Rhinoviren. Schleimhäute der Atemwege bieten für ihre Attacken die beste Angriffsfläche: Ein Virus dockt dort an eine Zelle an, dringt ein, schleust ihr Erbgut in das des Wirts. Neue Viren werden produziert. Innerhalb weniger Stunden reagiert der Organismus bereits mit Erschöpfung und Krankheitssymptomen.
Viren haben keinen eigenen Stoffwechsel und sind deshalb schwer zu bekämpfen. Sie müssen von der Immunabwehr aus dem Feld geschlagen werden. Der Körper reagiert mit erhöhter Temperatur. Auch selbst kann man etwas tun. Erkältungsviren mögen Wärme und Hitze nicht. Ein heißes Bad, eine Schwitzkur kann bei ersten Anzeichen einer Erkältung – typisch sind Kratzen im Hals, Kribbeln in der Nase – dem Körper helfen.
Mit zunehmendem Alter treten Erkältungskrankheiten immer seltener auf. Denn das Immunsystem von Erwachsenen ist trainiert. Menschen jenseits der 60 Jahre sind im Schnitt sogar nur noch von einer Erkältung pro Jahr betroffen.
Regeln für Kinder
Bei Kindern werden dagegen bis zu zehn unkomplizierte grippale Infekte im Jahr noch als normal angesehen. Eltern brauchen sich also keine Sorgen zu machen, wenn ihr Kind alle vier bis sechs Wochen eine Schniefnase hat oder hustet. Das „Immuntraining“ hat sogar etwas Gutes.
Je nach Krankheitsverlauf muss natürlich angemessen gehandelt werden: Erkältungen sollten vorwiegend mit allgemeinen Maßnahmen wie warmen Bädern oder Schwitzkuren sowie mit Hausmitteln behandelt werden. Die Kinder brauchen vor allem (Bett-)Ruhe, Wärme und ausreichend Flüssigkeit. Bei hohem Fieber, Kurzatmigkeit oder „bellendem“ Husten oder wenn das fiebernde Kind nicht ausreichend trinkt, muss der Arzt kommen. Bei Grippeverdacht ohnehin.
Besser vorbeugen
Ihren Namen tragen Erkältungen nicht ohne Grund: Kühlt der Körper durch frostige Temperaturen, kalte Nässe, Feuchtigkeit oder Zugluft aus, kann das Abwehrsystem Viren schlechter bekämpfen. Unterkühlung fördert eine Infektion.
Gute Methoden zum Abhärten sind warmkalte Wechselduschen am Morgen (mit kalt beenden). Auch Rezepte von Pfarrer Kneipp werden geschätzt:
- Trockenbürstenmassagen (im Uhrzeigersinn zum Herzen hin),
- Wassertreten (zwei Minuten mit warmen Füßen im Storchengang in der Badewanne durch kaltes Wasser laufen),
- kalte Kniegüsse (den Wasserstrahl von den Außenseiten des Fußes über die Wade, Kniekehle und die Innenseite des Unterschenkels zum Fuß zurückführen).
Wenn Erkältungen grassieren, gilt:
- Oft Hände waschen, Händeschütteln vermeiden. Ein bis zum Mund hochgezogener Schal schützt vor Tröpfcheninfektionen, Handschuhe verhindern Virenübertragung an Haltegriffen in Bahn, Bus.
- Keine überhitzten Räume. Trockene Nasenschleimhaut begünstigt Infektionen.
Immunstimulantien
Sie sollen die Immunabwehr stärken. Symbioflor 1 (Enterococcus faecalis) zum Beispiel besteht aus einer Zubereitung von Bakterien, die zu den Streptokokken gehören. Sie sollen das Immunsystem unspezifisch reizen, damit vermehrt Abwehrzellen gebildet werden. Bisher vorliegende Studien reichen aber noch nicht aus, um die therapeutische Wirksamkeit bei immer wiederkehrenden Atemwegsinfekten abschließend bewerten zu können: „mit Einschränkung geeignet“.
Echinacea: Extrakte aus Kraut oder Wurzel des Sonnenhuts (Echinacea) sollen die Schleimhäute unempfindlicher gegenüber Krankheitserregern machen, die Aktivität des Immunsystems anregen. Sinnvoll ist es, das Mittel bereits bei allerersten Krankheitsanzeichen einzunehmen. Eine neuere Studie zieht allerdings diese Empfehlung in Zweifel. Auch eine vorbeugende Wirkung vor Infekten konnte dort nicht gezeigt werden. Ein abschließendes Urteil ist derzeit nicht möglich.
Umckaloabo: Der Wirkmechanismus von Pelargoniumextrakt ist weitgehend unklar. Experimentelle Befunde zeigen, dass die Anbindung von Krankheitserregern an die Schleimhaut erschwert wird. Das Mittel soll zudem schleimlösend wirken, die Aktivität des Immunsystems anregen. Um-ckaloabo ist jetzt nur noch für die akute Bronchitis zugelassen – nicht bei Mandelentzündung, Entzündung von Nase und Rachen oder der Nasennebenhöhlen. Umckaloabo ist zur Therapie von Atemwegsinfekten „wenig geeignet“, die therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen. Hat sich eine bakterielle, eitrige Entzündung der Bronchien, Nasennebenhöhlen oder Mandeln festgesetzt, helfen Antibiotika (siehe „Eitriger Schnupfen“).
Vorsicht, Kampfer
Einreiben und Inhalieren: cineol-, kampfer-, pfefferminzöl- und mentholhaltige Präparate dürfen Sie bei Säuglingen und Kleinkindern keinesfalls im Bereich von Nase und Mund anwenden. Sie können Verkrampfungen der Stimmritze, des Kehlkopfs und der Atemwege und damit Atemnot auslösen! Kinder dürfen damit nicht inhalieren.
Pulmotin, Transpulmin Balsam / Inhalator, Stas Erkältungssalbe, Wick Inhalierstift, Wick VapoRub enthalten Kampfer: Achten Sie strikt darauf, dass sie für Kinderhände unerreichbar aufbewahrt werden. Kampfer kann bei Einnahme in großen Mengen schwere Nervenschäden bis hin zu Krampfanfällen und Koma auslösen.
Erkältungsbäder
Erkältungsbäder von Pinimenthol, Klosterfrau oder Kneipp können bei Schnupfen und Husten das Atmen erleichtern. Sie sind zur unterstützenden Behandlung mit Einschränkung geeignet. Vorsicht: Das Kneipp Erkältungsbad Spezial und das Pinimenthol Erkältungsbad enthalten Kampfer. Bei Säuglingen und Kleinkindern unter zwei Jahren dürfen Sie Bäder mit ätherischen Ölen nicht anwenden.
Ätherische Öle zum Einreiben und Inhalieren, Erkältungsbäder und Erkältungstees können die Krankheitsdauer einer Erkältung zwar nicht wesentlich beeinflussen, aber Beschwerden lindern und die eventuelle Behandlung mit Medikamenten unterstützen. Allerdings sollte die Zusammensetzung der Mittel übersichtlich sein – mehr als drei Kombinationspartner sind nicht sinnvoll.
Erkältungstees mit Lindenblüten, Weidenrinde oder Quendelkraut sind Präparate wie H&S Lindenblüten, Sidroga Lindenblüten, Bad Heilbrunner Erkältungs-Tee N, Sidroga Erkältungstee N, H&S Erkältungstee. Es liegen keine ausreichend aussagekräftigen Studien zur Wirksamkeit vor. Sinnvoll bei Erkältungen: ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Achtung: Wenn Sie Asthma haben, sollten Sie bestimmte Tees wegen darin möglicherweise enthaltener Salizylate nicht trinken: so Bad Heilbrunner Erkältungs-Tee N oder Sidroga Erkältungstee N.
Kinder sollten lediglich Lindenblütentee bekommen. Weidenrindehaltiger Tee ist wegen des unangenehmen Geschmacks und der Gerbstoffe, ein Tee aus Mädesüßblüten (Sidroga Erkältungstee N) wegen der darin möglicherweise enthaltenen Salizylate nichts für Säuglinge und kleinere Kinder.
Anthroposophische, homöopathische, traditionell angewendete Mittel: Zu den meistgekauften gehören zum Beispiel Plantago Bronchialbalsam, Weleda Ferrum phosphoricum comp., Contramutan–Präparate, Gripp-Heel, Hanotoxin M, Influex, metavirulent, Resistan, toxi-loges. Sie sind nach unseren wissenschaftlichen Kriterien nicht zu beurteilen, da hier andere Kriterien als in der Schulmedizin gelten. Anders ist dies bei Arzneien gegen Erkältungssymptome, von denen wir hier (auch) geeignete oder mit Einschränkung geeignete im Preisvergleich zeigen.
Schmerz- und Fiebermittel
Azetylsalizylsäure (ASS), Parazetamol und Ethenzamid lindern Schmerzen, senken Fieber, dämpfen Entzündungen. Hinweis: Frauen scheiden ASS dosisabhängig langsamer aus als Männer. Sie sollten darum eine zweite Dosis des Medikaments frühestens nach sechs bis zehn Stunden einnehmen. Ausgenommen sind hier Frauen, die mit der „Pille“ verhüten. Sie können die zweite Dosis im Abstand von vier bis acht Stunden einnehmen.
Generell gilt, dass Kinder unter 12 Jahren kein ASS einnehmen sollten, vor allem wenn sie einen Virusinfekt wie Grippe oder Windpocken haben. ASS kann ein Reye-Syndrom mit schweren Leber- und Hirnschäden auslösen.
Bei Parazetamol, dem Wirkstoff der Wahl für Kinder, müssen die Dosierungsangaben unbedingt beachten werden. Viele Eltern meinen, sie müssten bei Kindern Fieber sofort entgegenwirken, und warten nicht ab, bis das einmal gegebene Parazetamol gewirkt hat, sondern geben eine weitere Dosis. Es dauert gut eine Stunde, bis die fiebersenkende Wirkung einsetzt. Parazetamol frühestens nach vier bis sechs Stunden erneut geben.
„Grippemittel“ wie Aspirin Complex, Grippostad Gute Nacht-Saft, Doregrippin, Wick DayMed Erkältungs-Kapseln für den Tag, Wick MediNait, Wick DayMed Erkältungs-Getränk für den Tag, Grippocaps sine, Grippostad C kombinieren Wirkstoffe. Solche Präparate werden von uns als „wenig geeignet“ bewertet. Besser ist es, einzelne Wirkstoffe gezielt einzusetzen. Kindern sollten generell keine „Grippemittel“ gegeben werden.
Schnupfen: Sprays, Tropfen mit gefäßverengenden Wirkstoffen vom Typ Xylometazolin gegen die verstopfte Nase nur kurz einsetzen, um Gewöhnung zu vermeiden. Eine unproblematische Alternative: die Nasendusche. In Apotheken gibt es dazu verschiedene Produkte und Präparate.
Husten: Sekretlösende Mittel wie Ambroxol, Azetylzystein sollen das Abhusten erleichtern. Azetylzystein verflüssigt das Sekret. Guaifenesin erhöht das Schleimvolumen. Wichtig: ausreichend trinken. Gegen Reizhusten sind „Hustenstiller“ mit Clobutinol geeignet (siehe Tabellen).
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