Arzneimittel gegen Heuschnupfen: Nicht reizen lassen

Arzneimittel gegen Heuschnupfen Test

test 05/2003

Pollenallergiker müssen sich nicht unnötig quälen. Lästige Symptome sind dank wirksamer Medikamente zumindest zu lindern. Heuschnupfengeplagte sollten aber mehr tun: Drohendem Asthma vorbeugen.

Arzneimittel gegen Heuschnupfen

Fast jeder fünfte Deutsche reagiert allergisch auf Pollen – Tendenz steigend. Wenn Bäume, Gräser und Sträucher blühen, beginnt für Pollenallergiker die Leidenszeit. Sie müssen ständig niesen, die Nase läuft. Einige leiden unter tränenden, juckenden und geröteten Augen. Anderen kribbelt es zusätzlich im Ohr, kratzt es im Hals oder juckt es im Rachen.

Pollen gehören zu den häufigsten Auslösern eines allergischen Schnupfens. Der Pollenkalender auf Seite 95 zeigt, wann welche Allergene fliegen: Zurzeit sind es Birke, Buche, Eiche und Eibe. Der Volksmund nennt diese Plage Heuschnupfen. Ganzjährig können aber auch Hausstaubmilben, Pilzsporen oder Tierhaare für eine Triefnase, Hautausschlag und rote Augen sorgen. Ursache des Heuschnupfens ist eine Fehlreaktion des Immunsystems: Aus bisher unbekannten Gründen bekämpft es harmlose Eiweißanteile des Blütenstaubs wie gefährliche Stoffe oder Krankheitserreger. Dabei setzt das Abwehrsystem eine Kaskade von Entzündungsreaktionen in Gang. Beteiligt ist unter anderem das Gewebshormon Histamin.

Die Anlage für eine Allergie ist meist erblich bedingt. Die Bereitschaft erhöht sich, wenn der Körper schon in den ersten Lebensmonaten artfremdes Eiweiß (so zum Beispiel aus Kuhmilch) verarbeiten muss. Häufige Infektionen früh in der Kindheit scheinen dagegen vor Allergien zu schützen. Studien an der Berliner Charité haben gezeigt, dass Kinder, die schon mit einem Jahr eine Kindertagesstätte besuchten, ein deutlich weniger allergieanfälliges Immunsystem haben als solche, die länger daheim blieben.

Erst Heuschnupfen, dann Asthma

Arzneimittel gegen Heuschnupfen Test

Eine Pollenallergie kann in jedem Lebensalter zum ersten Mal auftreten. Bei einem Schnupfen, der „aus heiterem Himmel“ ohne weitere Erkältungszeichen auftaucht, über Wochen anhält oder sich Jahr für Jahr zwischen Februar und August zur gleichen Zeit erneut einstellt, sollte man deshalb stets eine Allergie als mögliche Ursache in Betracht ziehen. Ein Besuch beim Arzt – am besten mit der Zusatzbezeichnung „Allergologie“, meist sind das Hautärzte – verschafft Klarheit.

Heuschnupfen sollte niemand auf die leichte Schulter nehmen: Er ist nicht nur lästig, sondern eine ernst zu nehmende Krankheit, besonders wenn er regelmäßig auftritt und länger anhält. Problematisch ist vor allem, wenn die Beschwerden tiefer rutschen, vom Nasen-Rachen-Raum auf die Bronchien übergreifen.

Gefährlicher „Etagenwechsel“

Arzneimittel gegen Heuschnupfen Test
Pollen (pink) unter dem Elektronenmikroskop.

Bei 40 Prozent der Heuschnupfen-Patienten kommt es innerhalb von acht Jahren zu einem solchen „Etagenwechsel“. Wer unter „Pollenasthma“ leidet, hat ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko, ganzjährig an Asthma zu erkranken.

Allergiker, die nicht nur die Symptome des Heuschnupfens bekämpfen, sondern das Übel an der Wurzel packen möchten, sollten eine Hyposensibilisierung erwägen. Damit können sie auch dem Asthmarisiko vorbeugen.

Welche Medikamente helfen

Allergischer Schnupfen kann im akuten Fall aber auch vorbeugend behandelt werden. Wer zwei Wochen vor dem erwarteten Pollenflug beginnt, Cromoglizinsäure in Form von Nasenspray und Augentropfen anzuwenden, kann die Symptome des Heuschnupfens meist deutlich verringern. Der sehr gut verträgliche Wirkstoff beeinflusst jedoch akute Beschwerden nicht. Dagegen wirken Antihistaminika meist innerhalb von einer Stunde. Rezeptfreie Antihistaminika zum Einnehmen sind Cetirizin und Loratadin. Beide Wirkstoffe gehören zur zweiten Generation der Antihistaminika und machen nur wenig oder kaum noch müde.

Auch verschreibungspflichtige Nasensprays mit Glukokortikoiden (Präparatenamen in Klammern) können Beschwerden deutlich lindern:

  • Beclometason (Beclomet Nasal Aqua Orion, Beclorhinol aquosum, Beconase Aquosum)
  • Budesonid (Pulmicort Topinasal)
  • Flunisolid (Syntaris)
  • Fluticason (Flutide Nasal)
  • Mometason (Nasonex)
  • Triamcinolon (Nasacort)

Die Wirkstoffe treten nur in geringen Mengen via Nasenschleimhaut in den Blutkreislauf über. Dennoch sind sie bei Langzeitanwendungen nicht frei von Nebenwirkungen, wie sie auch bei kortisonhaltigen Tabletten auftreten können. Sie sollten deshalb erst angewendet werden, wenn andere Mittel nicht ausreichend helfen.

Problemfelder

Die Antihistaminika Azelastin und Levocabastin in Augentropfen oder Nasensprays sind weniger geeignet als Antihistaminika zum Einnehmen, da sie selber Allergien auslösen können. Das gilt auch für Konservierungsstoffe in einigen Tropfen.

Der Wirkstoff Terfenadin, ein Antihistaminikum zum Einnehmen, kann schwere Herzrhythmusstörungen auslösen. Abzuraten ist von abschwellenden Nasentropfen oder Augentropfen. Sie dürfen nur kurzfristig angewendet werden. Ein Heuschnupfen geht aber nicht schnell vorüber, sondern dauert meist länger als eine Woche.

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