Arzneimittelfälschungen: Mehr Sicherheit für Patienten
18.02.2011
Das Europäische Parlament will Patienten besser vor Arzneimittelfälschungen schützen – mit Sicherheitscodes auf Medikamentenpackungen und Sicherheitslogos für Online-Apotheken. Die Maßnahmen sind beschlossen, treten aber frühestens in 18 Monaten in Kraft. test.de sagt, wie sich Verbraucher heute schon schützen können.
Lukrativer als Heroinhandel
Seit einigen Jahren tauchen in der Europäischen Union mehr und mehr gefälschte Arzneimittel auf. Gehandelt werden sie vor allem über das Internet, vereinzelt gelangen sie aber auch in Vor-Ort-Apotheken. Das Geschäft mit den Pseudo-Pillen scheint sich noch mehr zu lohnen als der Drogenhandel. Ein Kilo gefälschtes Viagra bringt laut Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände auf dem Schwarzmarkt 90 000 Euro – fast doppelt soviel wie ein Kilo Heroin. Doch werden längst nicht mehr nur Lifestyle-Medikamente wie dieses Potenzmittel gefälscht, sondern zunehmend auch lebensnotwendige Arzneimittel, etwa gegen Krebs oder HIV. Möglicherweise enthalten sie Verunreinigungen, vielleicht auch zu viel, zu wenig, gar keinen oder den falschen Wirkstoff. Dann ist die Einnahme im besten Falle wirkungslos, im schlimmsten Fall lebensgefährlich.
Kennzeichen für Medikamente und Online-Apotheken
Deshalb sollen EU-Bürger fortan besser vor gefälschten Arzneimitteln geschützt werden. Das Europaparlament verabschiedete diesen Mittwoch ein entsprechendes Gesetz. Demnach sollen verschreibungspflichtige Arzneimittel und rezeptfreie Medikamente mit hohem Fälschungsrisiko einen Sicherheitscode auf der Verpackung tragen, der die Echtheit bestätigt und beim Verkauf in der Apotheke überprüft wird. Zum anderen sollen die EU und ihre Mitgliedsstaaten im Internet Register mit vertrauenswürdigen, also behördlich genehmigten Versandapotheken einrichten. Diese sollen zudem durch ein einheitliches Sicherheitslogo auf der Website für Verbraucher aus der ganzen EU erkennbar sein. Doch handelt es sich bei all diesen Maßnahmen um Zukunftsmusik. Denn der Rat der Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten muss dem neuen Gesetz noch zustimmen. Und dann bleiben für die Umsetzung 18 Monate Zeit.
Schon heute seriöse Versender erkennen
Doch schon heute können sich Verbraucher schützen: Das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (Dimdi) bietet bereits ein Register und ein Sicherheitslogo für behördlich zugelassene Versandapotheken (www.dimdi.de). Die meisten davon befinden sich in Deutschland, einige auch in europäischen Nachbarländern wie Holland. Grundsätzlich gelten Versender aus außereuropäischen Ländern als unsicher. Insgesamt gewinnen Internetapotheken in Deutschland zunehmend an Kunden. Binnen eines Jahres hat sich die Zahl derer, die Medikamente über das Internet beziehen, um fast 30 Prozent auf neun Millionen erhöht. Das teilte der Branchenverband Bitkom heute in Berlin mit.
Tipps
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Prüfung. Auch wenn Sie eine Online-Apotheke für seriös halten, sollten Sie sich deren Website vorm Bestellen genau anschauen. Es muss dort ein Impressum mit der vollständigen Adresse, dem Namen des verantwortlichen Apothekers sowie der zuständigen Aufsichtsbehörde und Apothekerkammer geben, ferner eine Beratungs-Telefonnummer und allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB).
Test Vor-Ort- und Versandapotheken: Selten gut beraten (test 05/2010) - Sicherheit. Achten Sie auch darauf, dass das Bestellen über eine verschlüsselte Verbindung erfolgt (SSL-Verfahren, dabei erscheint "https" in der Adresszeile des Browsers).
- Illegal. Meiden Sie Online-Shops, die Ihnen verschreibungspflichtige Medikamente ohne Rezept verschicken wollen oder anbieten, ein Rezept zu besorgen. Denn das ist nach deutschem Recht eindeutig kriminell und eine Gefahr für Ihre Gesundheit.
- Sonderheft. Das test Spezial Medikamente nennt die besten preiswerten Arzneimittel für 32 wesentliche Anwendungsgebiete, ermöglicht die richtige Auswahl an Wirkstoffen und Präparaten auf einen Blick.– von Allergie bis Wundbehandlung. Sie erhalten Einkauftipps für den sich wandelnden Markt der (Versand)Apotheken und zum Ordern von Arzneimitteln im Internet, damit Sie Preisvorteile nutzen und Risiken vermeiden können.
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