Kreditkarten: Vorsicht vor dem Reiseschutz
21.06.2011
Die Zeiten, in denen Kreditkarten nur zum Bezahlen und Geldabheben da waren, sind längst vorbei. Die Herausgeber von Gold- und Premium-Karten werben mit Zusatzleistungen etwa für Reisende, darunter oft Versicherungen. Solche Karten kosten oft 50 bis 80 Euro im Jahr. Finanztest hat untersucht, ob sie sich rechnen.
Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuelleren Test: Kreditkarten
Kreditkarte besser ohne Extras
Viele Gold- und Premium-Karten enthalten Versicherungen für Reisende, etwa eine Reisekranken-, Reiserücktritt- und -abbruchversicherung. Finanztest hat sowohl solche als auch einfache Kreditkartenangebote ohne Zusatzleistungen getestet, insgesamt 42 Angebote von 20 Herausgebern. Fazit: Zum Bezahlen und Geldabheben eignen sich alle. Das Ergebnis für den Versicherungsschutz ist aber ernüchternd: Für die meisten Kunden ist eine günstige Karte unter 35 Euro Jahresgebühr ohne Extras die bessere Wahl. Die wichtigen Reiseversicherungen gibt es in separaten Verträgen zu besseren Bedingungen.
Nur eine Reisekrankenversicherung geeignet
Von den geprüften Versicherungen zu einer Kreditkarte war nur eine einzige „geeignet“: die Reisekrankenversicherung zur VR-Goldcard der Berliner Volksbank, die es nur für Kunden gibt, die ihr Girokonto bei dieser Bank führen. Allerdings kostet die Karte stolze 70 Euro im Jahr. Günstiger fährt, wer die VR-Classiccard für 25 Euro im Jahr nimmt und einen separaten Auslandsreisekrankenschutz abschließt. Der kostet für eine ganze Familie nicht einmal 20 Euro.
Die Mängel im Versicherungsschutz
Bei allen anderen Karten ist der Versicherungsschutz lückenhaft. Einige Kartenanbieter verlangen vom Kunden einen Selbstbehalt bis zu 20 Prozent, wenn der Versicherer zahlen muss. Da kann es zum Beispiel richtig teuer werden, falls der Kunde eine bereits gebuchte Reise wieder stornieren muss. Selbst die Kreditkarten, die von klassischen Reiseanbietern herausgegeben werden, bieten keinen guten Reiseschutz. Die Vertragsbedingungen für die Reiseversicherungen bei Kreditkarten sind oft veraltet. Bei den Einzelpolicen haben die Versicherer dagegen viele der kritisierten Klauseln längst durch verbraucherfreundliche Regeln ersetzt:
Test Auslandsreise-Krankenversicherung (Finanztest 04/2011)
Test Reiserücktrittskosten-Versicherungen (Finanztest 12/2010)
Auf die Kosten achten
Vor allem Menschen, die eine Kreditkarte nur gelegentlich zum Bezahlen und Geld abheben nutzen, sollten sich nicht von der Werbung mit Versicherungen oder anderen Extras locken lassen. Für sie zählen nur die Jahresgebühr und die Kosten, die beim Einsatz der Kreditkarte entstehen. Die Banken berechnen üblicherweise eine Geldautomatengebühr und – außerhalb der Euroländer – zusätzlich beim Abheben und Bezahlen eine Auslandseinsatzgebühr. Für das Abheben von Bargeld am Automaten verlangen die meisten Kartenherausgeber zwischen 1 und 4 Prozent vom Betrag, mindestens jedoch 2,50 Euro bis 7,50 Euro. Die Auslandseinsatzgebühr schlägt mit zusätzlich bis zu 2 Prozent zu Buche. Reisende können sparen, wenn sie eine Karte wählen, die diese Kosten gering hält oder gar ganz darauf verzichtet.
Die Kostenfalle
Finanztest rät Kunden zur Vorsicht, wenn Anbieter ihre Kreditkarte sehr stark mit den Schlagworten kostenlos, größere Flexibilität oder mehr finanzielle Freiheit bewerben. Sie sollten prüfen, ob es nicht eine der Karten ist, mit denen sie im Dauerkredit landen, weil immer nur ein Teilbetrag vom Konto abgebucht wird und sich das auch nicht abstellen lässt. Der Fachbegriff ist „Revolving Credit“. Die Banken bauen auf die Unkenntnis und Trägheit der Kunden, die nicht jeden Monat selbst das Kreditkartenkonto sofort durch Überweisung ausgleichen. Besonders tückisch sind Bargeldabhebungen mit der Mastercard Gold der Advanzia Bank. Die Bank berechnet keine Gebühren, aber sofort 25,9 Prozent Zinsen – so lange, bis der Kunde das Konto ausgeglichen hat.
Zusatzeinnahmen
Die Valovis Commercial Bank mit ihrer premium Mastercard und die Targobank berechnen eine Extra-Gebühr, wenn Kunden ihre Kreditkarten in Ländern außerhalb der Euro-Länder einsetzen. Sie berechnen einen Aufschlag von 1 Prozent oder 2 Prozent auf den Wechselkurs zusätzlich zu den Auslandseinsatz- und Geldautomatengebühren. Wer seine Karte oft außerhalb der Euro-Teilnehmerländer einsetzt, nimmt besser ein anderes Angebot.
Noch Fragen zum Thema: Chat auf test.de
Alle Fragen zum Thema Kreditkarten, richtiger Mix der Urlaubskasse und Geldabheben im Ausland beantworten die Finanztest-Experten Kerstin Backofen, Betina Chill und Uwe Döhler am Mittwoch, den 29. Juni, zwischen 13 und 14 Uhr im Chat. Stellen Sie jetzt schon Ihre Fragen.
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