Dispozinsen: Banken kassieren ab

Dispozinsen Test

14.09.2010

Bankkunden ahnen oft nicht, wie viel Banken für die Über­ziehung des Giro­kontos kassieren. Finanz­test hat eine Übersicht mit Dispo­zins­sätzen von fast 1 000 Banken erstellt. Ergebnis: Die aller­meisten Banken verlangen trotz historisch niedrigem Zins­niveau 11 Prozent und mehr. Ein neues Gesetz könnte die Dispo­zinsen weiter steigen lassen.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuelleren Test: Dispozinsen

Dispozinsen

Saftige Zinsen üblich

Finanztest hat 992 Banken nach der Höhe ihrer Dispozinsen befragt, mehr als jemals zuvor. Dazu zählen die überregionalen Groß- und Direktbanken ebenso die regionalen Sparda- und PSD-Banken, die 431 Sparkassen und die jeweils 250 größten und 250 kleinsten der 1 154 Volks- und Raiffeisenbanken. Ergebnis: Zinssätze von 11 Prozent und mehr sind in der Branche nach wie vor üblich. Die Spitzenreiter der Untersuchung des vergangenen Jahres sind wieder vorne: Die Targobank, ehemals Citibank, verlangt bei einem ihrer fünf Kontomodelle 16,99 Prozent Dispozinsen. Die Santander Consumer Bank nimmt 16,98 Prozent, wenn der Kunde mit mehr als 1 000 Euro verschuldet ist. Die Ausreiser im positiven wie negativen Sinn finden Sie in den Ergebnissen kompakt. Auch die vollständige Übersicht mit allen 992 geprüften Banken steht auf test.de zur Verfügung.

Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken besonders dreist

Anders als Targobank und Santander Consumer Bank verlangen die meisten Institute einen einheitlichen Zinssatz – und langen so bei allen Kunden zu. Teuer sind vor allem ländliche Institute. Im Test verlangen 21 Spar­kassen, Volks- und Raiffeisen­banken einen Dispo­zins von 14 Prozent und mehr (s. Karte). Doch das ist vermutlich nur die Spitze des Eisbergs: 153 Spar­kassen und 286 Volks- und Raiffeisen­banken verweigerten die Auskunft. Jetzt sind Sie gefragt. Helfen Sie den, verschwiegenen Instituten auf die Schliche zu kommen. Finanztest hat dazu einen Leseraufruf geschaltet.

Banken kommen günstig an Geld

Vieles spricht dafür, dass die Banken die Dispozinsen deutlich senken könnten. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins im Zuge der Finanzmarktkrise von 4,25 Prozent im Oktober 2008 auf ein historisches Tief von 1 Prozent im Mai 2009 gesenkt. Dort steht er bis heute. Der Leitzins gibt an, zu welchem Mindestzinssatz sich die privaten Geldhäuser bei der Europäischen Zentralbank Geld leihen können. Die Zinssätze für Kredite, die Banken sich untereinander geben, sind ebenfalls rapide gefallen. Beim Dispo rührt sich derweil wenig, die Banken geben die Leitzinssenkung nicht vollständig weiter.

Millionenschaden für Kunden

In Deutschland steht etwa jeder sechste Bankkunde mit seinem Konto im Minus, wie die Gesellschaft für Konsumforschung berichtet. Das läppert sich: Die Bundesbank gibt das Volumen der Überziehungskredite für Mai dieses Jahres mit 41,6 Milliarden Euro an – davon machen die Dispokredite den Löwenanteil aus. Gemessen an dieser Summe kostet jeder Prozentpunkt an Zinsen, den die Banken kassieren, die Bankkunden 416 Millionen Euro im Jahr – ein gutes Geschäft für die Banken.

Gesetz könnte Situation verschärfen

Im Juli hat der Bundestag die Ver­brau­cherkreditrichtlinie der Europäischen Union in deutsches Recht gegossen. Die Banken müssen nun für ihre Dispozinsen einen Referenzzins nennen – etwa den Leitzins der EZB. Die Idee: Nur wenn der Referenzzins steigt, darf auch der Dispozins nach oben klettern. Die Banken können also nicht mehr willkürlich an der Zinsschraube drehen. Doch wie der Leitzins sind auch viele andere der gängigen Referenzzinsen derzeit im Keller. Ausgerechnet jetzt bestimmen die Banken den Abstand zwischen Dispozinssatz und Referenzwert. Bankkunden drohen so noch höhere Zinsen. Denn steigen die Referenzwerte aus ihren Tief, dürfen auch die Dispozinssätze steigen.

Es geht günstiger

Doch der Test zeigt auch: Niedrigere Zinsen sind möglich. Direktbanken sind oft günstiger, vorneweg die Deutsche Skatbank mit einem Zinssatz von 6 und die DAB Bank mit 6,95 Prozent. Die regionalen PSD-Banken sind mit Dispozinssätzen ab 7,92 Prozent bei der PSD-Bank in Braunschweig ebenfalls günstig. Die PSD-Banken verlagern in Geschäft zunehmend ins Internet und ähneln so den Direktbanken. Das spart Kosten. Ein Filialnetz ist aber keine Ausrede für hohe Zinsen. So verlangt die Stadtsparkasse Schwedt einen Dispozins von 9 Prozent für alle Konten. Bei der Volksbank Euskirchen zahlen die Kunden 9,34 Prozent. Die Institute gehören zu den wenigen Filialbanken im Test, die einen Zinssatz von weniger als 10 Prozent verlangen. Sie zeigen den Preistreibern: Es geht auch günstiger.

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