12.10.2005

Laborverfahren

Laborverfahren suchen in Körperflüssigkeiten wie Blut und Urin nach Bestandteilen, die von Krebszellen stammen könnten.

Zellen sind lebende Strukturen, die ständig Nährstoffe, Salze, Hormone und Wasser aufnehmen und im Gegenzug laufend Produkte ihres Stoffwechsels in den Körper ausscheiden. Transportmedium für all diese Stoffe ist die Flüssigkeit zwischen den Zellen, die im Gewebe als Lymphe gesammelt und letztlich ins Blut eingespeist wird. Deshalb lassen sich im Blut eines Menschen zumindest Spuren von fast allen Stoffwechselprodukten finden, die in seinem Körper entstehen. Labormediziner können heute mehr als 100 dieser Inhaltstoffe mit chemischen Methoden nachweisen. Darunter sind einige Bestandteile, die Hinweise auf einen Tumor geben können, wenn ihre Konzentration ansteigt.

Allerdings weist die Konzentration von Blutbestandteilen schon bei gesunden Menschen eine große individuelle Spannbreite auf: Labormediziner helfen sich, indem sie Referenzbereiche festlegen. Meist ist dieser als der Bereich definiert, innerhalb dessen 19 Messwerte bei 20 untersuchten Personen liegen. Diese Definition ist aber streng genommen willkürlich: Liegt ein Laborwert außerhalb des Referenzbereichs, ist das nur selten ein direkter Beweis für das Vorhandensein einer Krankheit, sondern in der Regel erst einmal Anlass für weitere Untersuchungen.

Funktionsweise

Blut enthält drei große Gruppen von Bestandteilen. Die erste Gruppe sind im Wasser gelöste Stoffe wie Zucker und Salze. Diese können meist durch einfache chemische Reaktionen nachgewiesen werden. Sie spielen für die Krebsfrüherkennung jedoch keine Rolle.

Die zweite Gruppe sind Blutzellen: die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die verschiedenen Typen weißer Blutzellen (Leukozyten) und die für die Blutgerinnung mit verantwortlichen Plättchen (Thrombozyten). Zahl und Anteil der Zelltypen können durch automatische Analyseverfahren bestimmt werden. Die Untersuchung der Blutzellen ist Teil der Diagnose – bei Blutkrebs ist das offensichtlich: Die meisten Leukämien lassen zum Beispiel den Anteil einer Zellgruppe der weißen Blutzellen am Blutbild massiv ansteigen, oder manche Blutzellen weisen charakteristische Veränderungen auf, die mit dem Blick durch ein Mikroskop entdeckt werden können.

Die dritte Gruppe der Blutbestandteile sind Proteine und Hormone. Sie werden meist indirekt durch chemische Reaktionen nachgewiesen. Aufbereitete Blutproben werden mit passenden Reagenzien, beispielsweise Antikörpern, vermischt, die ein bestimmtes Protein oder Hormon gezielt erkennen und sich daran anheften. Diese aus Reagenz und körpereigenem Stoff gebildeten Komplexe führen zur Entstehung von Farbstoffen. Anhand der Intensität der Färbung, die mit empfindlichen Messgeräten erfasst werden kann, lässt sich die Konzentration des Bestandteils im Blut ausrechnen. Doch gerade bei der Messung von Proteinen weisen solche Nachweisreaktionen eine gewisse Schwankungsbreite auf. Das führt dazu, dass die Bestimmung ein und desselben Blutwerts von Labor zu Labor durchaus unterschiedlich ausfallen kann, insbesondere wenn die Labore Nachweisreagenzien verschiedener Hersteller verwenden.

In diese Gruppe gehören auch die Krebs- oder Tumormarker. Dabei handelt es sich meist um Proteine oder Teile von Proteinen, die im Zusammenhang mit dem Krebswachstum produziert werden. Dies geschieht entweder direkt in den Krebszellen oder in benachbartem Gewebe. Diese Stoffe können im Körper auch von völlig gesunden Zellen als Reaktion etwa auf Verletzung oder Reizung freigesetzt werden. Deshalb gibt es bislang keinen Krebsmarker, der Krebs mit völliger Sicherheit nachweisen oder ausschließen kann. Häufig werden Krebsmarker erst nach einer Krebsdiagnose bestimmt. Dann kann ihr Konzentrationsverlauf einen Hinweis geben, ob eine Therapie erfolgreich war und ob ein Tumor erneut zu wachsen beginnt.

Bei der Untersuchung von Urin werden verschiedenen Aspekte untersucht. Zum einen können gelöste Stoffe wie Eiweiß, Nitrit, Traubenzucker (Glukose) oder Säuren nachgewiesen werden, zum anderen auch Blutzellen wie rote und weiße Blutkörperchen. Zur Analyse von Urin werden ähnliche Methoden eingesetzt wie bei der Blutuntersuchung.

Risiken

Die Entnahme von Urin ist gefahrlos, bei einer Blutentnahme kann es in seltenen Fällen zu Entzündungen an der Einstichstelle kommen. Weitergehende Risiken werden bei der Anwendung einzelner Tests beschrieben.

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