19.01.2009

Hautkrebs

Selbstkontrolle

Allgemeines

Bei der Selbstkontrolle soll regelmäßig die gesamte eigene Hautoberfläche, einschließlich der Übergänge zu Schleimhäuten inspiziert werden.

Durchführung

Die Selbstkontrolle der Haut kann ohne besondere Schulung erfolgen. Zur Begutachtung kann man einen Spiegel verwenden oder jemanden um Hilfe bitten. Ziel der Suche sind alle drei häufigen Hautkrebsarten: Basalzellkrebs, Stachelzellkrebs und Melanome. Farbveränderungen und Größenzunahme, selten auch Blutungen und Juckreiz sind verdächtige Zeichen. Zur Erkennung eines verdächtigen Pigmentmals dient die ABCDE-Regel.

Störeinflüsse

Vor allem Personen mit vielen Leberflecken können kaum über mehrere Monate oder Jahre hinweg nachvollziehen, ob und wie sich ein einzelnes Pigmentmal verändert hat.

Treffsicherheit

Die Selbstkontrolle der Haut wird zwar seit einigen Jahrzehnten von Ärzten zur Früherkennung von Hautkrebs empfohlen, allerdings gibt es bislang keine ausreichenden Erprobungen, wie gut Freiwillige tatsächlich in der Lage sind, verdächtige Hautveränderungen zu erkennen. Auch die wichtigen Fragen, wie oft die Selbstuntersuchung gefährliche Tumore übersieht und wie oft sie einen falschen Krebsverdacht auslöst, sind daher nicht verlässlich zu beantworten. Eine grobe Orientierung geben die Fehlerraten des Hautchecks durch Hausärzte, auch wenn mit einer höheren Zahl an Fehlalarmen gerechnet werden muss. Die folgenden Zahlen müssen daher mit Zurückhaltung beurteilt werden.

Wie oft liefert die Untersuchung falsche Befunde?

Hautkrebs ist aus Sicht des Einzelnen recht selten. In bisherigen internationalen Früherkennungskampagnen wurden bei einer bis vier von 1 000 Personen, die sich freiwillig haben untersuchen lassen, ein Melanom entdeckt, die Mehrzahl mit sehr guten Heilungschancen. Hausärzte finden nach den Daten einer australischen Studie die Mehrzahl dieser Tumore, machen aber etwas häufiger Fehler als Hautärzte (siehe unter „Kontrolle durch den Hautarzt“). Das liegt daran, dass Allgemeinmediziner offenbar größere Schwierigkeiten haben, zwischen Krebs und gutartigen Pigmentmalen zu unterscheiden. Es ist zu vermuten, dass Laien noch größere Schwierigkeiten bei der Beurteilung haben.

Hochgerechnet auf 1 000 Männer und Frauen müssen bis zu 340 Personen, die von einem Hausarzt untersucht werden, damit rechnen, dass es einen auffälligen Befund gibt, der sich schließlich als Fehlalarm herausstellt. Insgesamt ist also ein geäußerter Verdacht nur bedingt zuverlässig: Nach Abschätzung der US-Experten kommen im schlechtesten Fall selbst bei einer ärztlichen Untersuchung deutlich mehr als 100 nichtbösartige Befunde auf ein entdecktes Melanom.

Zur Zahl der falsch-negativen Befunde – also der Fälle, bei denen ein malignes Melanom übersehen wurde – gibt es nur sehr spärliche Informationen. Diese deuten darauf hin, dass im besten Fall nur einer von 20 bösartigen Befunden, im schlechtesten Fall einer von vier solcher Befunde übersehen wird.

Konsequenzen

Wer bei der Selbstkontrolle eine verdächtige Hautveränderung findet, sollte den Flecken einem Arzt zeigen. Vor allem bei einem Verdacht auf ein Melanom wird der Arzt meist ein so genanntes Auflichtmikroskop zu Hilfe nehmen, um den Flecken vergrößert zu begutachten. Zusätzlich kann er mithilfe von Ultraschall die Dicke des Males abschätzen. Letztlich wird die sichere Diagnose aber erst nach operativer Entfernung des Pigmentmals durch eine Untersuchung des Gewebes gestellt.

Nutzen

Das Ziel der Selbstkontrolle ist es, das Risiko zu verringern, an Hautkrebs zu sterben. Dabei steht das Melanom im Mittelpunkt. Es tritt zwar wesentlich seltener auf als Basaliome und Spinaliome, ist aber häufiger tödlich. Ob die Selbstkontrolle in der Lage ist, das Risiko zu verringern, an einem Melanom zu sterben, ist bislang nicht in zuverlässigen Studien erprobt. Der wissenschaftliche Nachweis ist auch nicht einfach, weil Melanome eine relativ seltene tödliche Krebsart sind. Unter 10 000 Personen im Alter von 60 Jahren sterben 5 bis 10 innerhalb von zehn Jahren an dem Tumor. Also selbst wenn sich 10 000 Personen regelmäßig selbst untersuchen, können nur maximal 5 bis 10 durch die Selbstkontrolle einen Krebs so frühzeitig erkennen, dass er geheilt werden könnte. Derzeit planen australische Ärzte, den Nutzen der Selbstkontrolle an über einer halben Million Freiwilligen zu erproben, die Studie wird aber vermutlich erst nach 2010 Ergebnisse liefern.

Solange muss man auf weniger zuverlässige Abschätzungen zurückgreifen. Eine davon haben US-amerikanische Ärzte Mitte der 1990er-Jahre veröffentlicht. Sie haben 650 bereits an einem Melanom erkrankte Patienten gefragt, ob und wie oft sie ihre Haut in der Vergangenheit kontrolliert hatten. Dieselben Fragen haben sie gesunden, zufällig ausgewählten Männern und Frauen aus der Bevölkerung gestellt. Nach den Ergebnissen dieser Befragung haben sich die Personen, die an einem tödlichen Melanom erkrankten, nur etwa ein Drittel so oft selbst kontrolliert wie gesund gebliebene Personen. Das spricht dafür, dass die Selbstkontrolle tatsächlich das Risiko verringern kann, an einem Melanom zu sterben. Allerdings lässt die Studie die Möglichkeit offen, dass sich die Hautkrebsopfer noch durch andere Eigenschaften – etwa durch den Umgang mit der Sonne – von den Vergleichspersonen unterschieden haben, sodass dieser Vergleich nicht als sicherer Beweis dafür gelten kann, dass die Selbstkontrolle die Heilungschancen verbessert. Insgesamt ist der Nutzen der Selbstkontrolle daher mit mittlerer Zuverlässigkeit belegt.

Risiken

Durch das Verfahren

Die Selbstkontrolle der Haut ist gefahrlos.

Durch die Folgen des Testergebnisses

Oft liegen die Risiken eines Früherkennungstests nicht in der Untersuchung selbst, sondern in den negativen Konsequenzen, die sich aus dem Befund der Untersuchung ergeben. Man muss davon ausgehen, dass es durch die Selbstkontrolle immer wieder zu falschen Verdachtsbefunden kommt. Wie oft diejenigen, die ihre Haut regelmäßig untersuchen, mit einem falschen Verdacht zum Arzt gehen, ist jedoch offen. Meistens können Verdachtsbefunde zwar durch nichtinvasive Untersuchungen abgeklärt werden, allerdings müssen einige Patienten damit rechnen, dass ein falscher Verdacht erst nach dem Herausschneiden eines Pigmentmals ausgeräumt werden kann. Dazu sind in der Regel aber nur kleine Operationen unter örtlicher Betäubung nötig, die fast immer komplikationslos und mit kleinen Narben verheilen, sodass ernsthafte Schäden selten sind.

Ein weiteres Problem der Früherkennung sind die Überdiagnosen. Manche Experten vermuten, dass mit der intensivierten Früherkennung von Melanomen auch vermehrt Gewebeveränderungen gefunden und als bösartig beurteilt werden, die aber dennoch nie durch Symptome oder Beschwerden aufgefallen wären, weil sie sehr langsam oder gar nicht wachsen. Ein Hinweis auf die Existenz solcher Überdiagnosen ist, dass sich zwar die Zahl der Neuerkrankungen vervielfacht hat, aber die Zahl der Melanom-Todesopfer praktisch gleich geblieben ist. Da alle kleinen Tumore durch eine Operation mit örtlicher Betäubung entfernt werden können, sind die unmittelbaren Folgen dieser Überdiagnosen jedoch eher gering. Daher raten viele Experten dazu, bei der Entfernung von verdächtigen Befunden eher großzügig zu sein, als das Risiko einzugehen, einen Tumor nicht frühzeitig genug zu entfernen. Mangels wissenschaftlicher Studien sind die indirekten Risiken der Selbstkontrolle aber nicht abschätzbar.

test-Bewertung

Ob die Selbstkontrolle der Haut die Heilungschancen bei Hautkrebs erhöht, ist mangels zuverlässiger Studien bisher nicht sicher belegt, aber die vorhandenen Hinweise sind „bedingt zuverlässig“. Die Kontrolle der Haut ist gefahrlos, wie häufig falsche Befunde oder Überdiagnosen sind, ist nicht abschätzbar. Die Abwägung von Nutzen und Risiken fällt daher eher negativ aus. Die Selbstkontrolle ist zur Früherkennung von Hautkrebs nur wenig geeignet.

Kosten

Es fallen keine Kosten an.

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