19.01.2009

Hautkrebs

Kontrolle durch den Allgemeinarzt

Allgemeines

Allgemeinärzte haben als Hausärzte am häufigsten zu Patienten Kontakt, die nicht unbedingt selbst ihre Haut kontrollieren. Auch wenn sie nicht auf die Erkennung von Hautkrankheiten spezialisiert sind, haben sie deshalb häufiger als andere Ärztegruppen Gelegenheit zur Früherkennung von Hautkrebs: Dazu muss der Arzt die gesamte Hautoberfläche inspizieren, einschließlich der Übergänge zu Schleimhäuten.

Durchführung

Der Hausarzt untersucht die Haut mit dem Ziel, alle drei häufigen Hautkrebsarten zu entdecken, also Basalzellkrebs, Stachelzellkrebs und Melanome. Zur Erkennung eines verdächtigen Pigmentmals dient die ABCDE-Regel.

Störeinflüsse

Wenn der Arzt fachlich und technisch sorgfältig vorgeht, ist die Untersuchung unempfindlich gegen Störeinflüsse.

Treffsicherheit

Die Kontrolle der Haut durch Hausärzte wird zwar in Deutschland seit Anfang der 1970er-Jahre zur Früherkennung von Hautkrebs empfohlen, allerdings gibt es bislang nur wenig gute Erprobungen, wie zuverlässig Hausärzte tatsächlich in der Lage sind, verdächtige Hautveränderungen zu identifizieren. Besonders intensiv sind die Früherkennungsanstrengungen in Australien, wo Melanome fünf- bis zehnmal häufiger sind als in Deutschland. Australische Ärzte haben 1998 die Treffsicherheit von 31 speziell in der Hautkrebserkennung geschulten und 32 nicht geschulten Allgemeinärzten verglichen. Die Ärzte mussten unter 15 bis 20 Versuchspersonen, die zumindest einen verdächtigen Leberfleck hatten, diejenigen herausfinden, die tatsächlich an einem Melanom erkrankt waren. Aus dieser Studie lassen sich die folgenden Angaben zur Treffsicherheit ableiten. Allerdings dürfte die diagnostische Leistung der Ärzte im Alltag eher schwächer ausfallen.

Wie oft liefert die Untersuchung falsche Befunde?

Hautkrebs ist aus Sicht des Einzelnen recht selten. In bisherigen internationalen Früherkennungskampagnen wurden bei einer bis vier von 1 000 Personen, die sich freiwillig haben untersuchen lassen, ein Melanom entdeckt, die Mehrzahl davon mit sehr guten Heilungschancen. Hausärzte finden nach den Daten der australischen Studie die Mehrzahl dieser Tumore, machen aber etwas häufiger Fehler als Hautärzte (siehe unter „Kontrolle durch den Hautarzt“). Allgemeinmediziner haben offenbar größere Schwierigkeiten, zwischen Krebs und gutartigen Pigmentmalen zu unterscheiden. Hochgerechnet auf 1 000 Männer und Frauen müssen bis zu 340 Personen damit rechnen, dass es einen auffälligen Befund gibt, der sich dann als Fehlalarm herausstellt. Insgesamt ist also ein geäußerter Verdacht alles andere als zuverlässig: Nach Abschätzungen von US-Experten kommen im schlechtesten Fall deutlich mehr als 100 falsche Befunde auf ein entdecktes Melanom.

Konsequenzen

Wenn ein Hausarzt eine verdächtige Hautveränderung findet, wird er den Patienten normalerweise an einen Hautarzt (Dermatologen) zur genaueren Diagnose und eventuellen Behandlung überweisen. Weitere Untersuchungen laufen dann ab wie im Abschnitt „Selbstkontrolle“ beschrieben.

Nutzen

Ob der Hautcheck durch einen Allgemeinarzt in der Lage ist, das Risiko zu verringern, an Hautkrebs zu sterben, ist bislang nicht in zuverlässigen Studien erprobt. Der Nutzen ist deshalb nicht abschätzbar. Allerdings muss man davon ausgehen, dass die Bilanz nicht schlechter ausfällt als die der Selbstuntersuchung der Haut.

Risiken

Durch das Verfahren

Die Kontrolle der Haut durch den Hausarzt ist gefahrlos.

Durch die Folgen des Testergebnisses

Bei der Kontrolle der Haut durch einen Hausarzt kommt es ähnlich wie bei der Selbstkontrolle immer wieder zu falschen Verdachtsbefunden und möglicherweise zu Überdiagnosen. Da alle kleinen Tumore durch eine Operation mit örtlicher Betäubung entfernt werden können, sind die unmittelbaren Folgen dieser Überdiagnosen jedoch eher gering. Daher raten viele Experten dazu, bei der Entfernung von verdächtigen Befunden eher großzügig zu sein, als das Risiko einzugehen, einen Tumor nicht frühzeitig genug zu entfernen. Insgesamt sind die durch einen Befund bedingten Risiken nicht abzuschätzen.

test-Bewertung

Ob die Kontrolle der Haut durch einen Hausarzt die Heilungschancen bei Hautkrebs erhöht, ist mangels zuverlässiger Studien bisher nicht sicher belegt, aber die vorhandenen Hinweise sind "bedingt zuverlässig". Die Kontrolle der Haut ist gefahrlos. Wie häufig falsche Befunde oder Überdiagnosen sind, ist nicht abschätzbar. Die Nutzen-Risiken-Abwägung fällt daher eher negativ aus. Die Kontrolle der Haut durch einen Allgemeinarzt ist zur Früherkennung von Hautkrebs nur wenig geeignet.

Kassen- oder Wahlleistung

Im Jahr 2008 wurde das Programm der gesetzlichen Krankenkassen zur Früherkennung von Hautkrebs intensiviert. Frauen und Männer ab 35 Jahre können alle zwei Jahre bei speziell geschulten und zertifizierten Hautärzten oder Allgemein- und Hausärzten eine standardisierte Ganzkörperuntersuchung in Anspruch nehmen. Diese Untersuchung soll nicht nur Melanome, sondern auch Basaliome und Spinaliome entdecken. Wenn ein Hausarzt eine Auffälligkeit vermutet, überweist er den Patienten an einen Hautarzt, der dann die Ganzkörperuntersuchung wiederholt und eventuell weitere Untersuchungen übernimmt.

Kosten

Die Ganzkörperuntersuchung bei einem zertifizierten Haut- oder Hausarzt ist für diejenigen, die bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sind, alle zwei Jahre kostenlos.

Wird die Kontrolle der Haut als private Leistung in Anspruch genommen, kann ein Arzt bei Frauen zwischen 18 und 43 Euro (GOÄ-Ziffer 27), bei Männern zwischen 16 und 38 Euro (GOÄ-Ziffer 28) berechnen.

Situation in Österreich

Die Untersuchung der Haut durch den praktischen Arzt ist Bestandteil der kostenlosen Gesundheitsvorsorge in Österreich, die jede Person ab dem 19. Lebensjahr einmal jährlich in Anspruch nehmen kann.

Weitere Angebote