19.01.2009
Tumormarker CA19-9 und CEA
Allgemeines
Tumormarker sind Eiweißstoffe (oder Teile davon), die normalerweise nur in Spuren im Blut gesunder Menschen nachweisbar sind. Wenn ihre Konzentration ansteigt, kann das ein Hinweis auf eine Gewebestörung in einem Organ sein. Zum Nachweis werden Blutproben in einem Labor aufgearbeitet und mit Antikörpern versetzt, die das Protein erkennen und durch einen Farbstoff markieren (siehe auch Abschnitt „Grundlegende Methoden“ unter „Laborverfahren“).
CA19-9 ist ein Bestandteil von Proteinen, die von Schleimhautzellen freigesetzt werden. CEA ist die Abkürzung für carcinoembryonales Antigen. Der Name weist darauf hin, dass es vor allem von Tumoren und während der Embryonalentwicklung hergestellt wird. Bei gesunden Menschen ist es ein normaler Bestandteil der Schleimhaut von inneren Organen und von Drüsen, im Blut ist es nur in Spuren nachweisbar. Manchmal lassen jedoch Tumore wie Dickdarmkrebs und Brustkrebs die CEA-Konzentrationen im Blut ansteigen.
Mehrere Hersteller bieten Nachweisverfahren für diese beiden Tumormarker an. Je nach Test können sich die Werte, ab wann ein Ergebnis als auffällig bezeichnet wird, deutlich unterscheiden. CA19-9-Werte gelten bis 37 Einheiten pro Milliliter (U/ml) im Blutserum oder Blutplasma als normal, für CEA liegt die Obergrenze je nach Methode zwischen 1,5 und 5 Mikrogramm pro Liter (μg/l).
Durchführung
Für die Bestimmung von Tumormarkern muss ein Arzt eine Blutprobe nehmen und an ein Labor einschicken.
Störeinflüsse
Blutproben sollten innerhalb von 24 Stunden ausgewertet werden, weil sie nur begrenzt haltbar sind. Das Messergebnis ist abhängig von der verwendeten Methode, sodass Tests von verschiedenen Herstellern zu abweichenden Ergebnissen führen können. Bei Probanden mit der seltenen Blutgruppenkonstellation Lewis-a/b-negativ ist eine Bestimmung von CA19-9 nicht möglich.
Treffsicherheit
Tumormarker werden seit Mitte der 1980-Jahre als Methode zur Früherkennung von Darmkrebs überprüft. Grundlage ist die Beobachtung, dass die durchschnittlichen Werte bei Darmkrebspatienten höher liegen als bei gesunden Menschen. Allerdings gibt es Patienten mit Darmkrebs, bei denen die Werte niedrig sind. Ebenso gibt es gesunde Menschen, die erhöhte Werte haben. Für die Tumormarker CA19-9 und CEA lassen sich aus diesen Studien folgende Angaben zur Treffsicherheit ableiten.
Wie oft liefert die Untersuchung falsche Befunde?
In Europa sind von 1 000 Männern und Frauen zwischen 45 und 75 Jahren etwa zehn an einem unerkannten Darmkrebs erkrankt. Experten gehen davon aus, dass die Bestimmung von CA19-9 oder CEA etwa drei Viertel dieser Tumore übersieht. Zu einer Belastung können erhöhte Messwerte führen, die sich hinterher als Fehlalarm herausstellen: Wenn der Wert eines Tumormarkers erhöht ist, ist das meist durch harmlose Gewebeveränderungen oder gutartige Erkrankungen verursacht. US- Experten gehen davon aus, dass die Messung von CEA bei etwa 100 von 1 000 Personen einen erhöhten Wert ergibt, der sich nicht als Krebs bestätigt. Zu CA19-9 gibt es keine eigenen Abschätzungen, Experten gehen aber von einer ähnlichen Rate aus. Die relativ hohe Zahl an Fehlalarmen sorgt dafür, dass sich letztlich nur wenige Befunde als richtig herausstellen: Insgesamt kommen etwa 50 falsche Verdachtsdiagnosen auf einen tatsächlich entdeckten Darmkrebs.
Konsequenzen
Wenn ein Tumormarker erhöht ist, ist das kein sicherer Beweis für Darmkrebs, sondern nur ein Hinweis auf eine mögliche Erkrankung. CA19-9- oder CEA-Werte können beispielsweise auch durch gutartige Entzündungen in Leber, Lunge, Bauchspeicheldrüse oder im Magen-Darm-Trakt ansteigen, bei Frauen können die Werte auch während der Regelblutung und Schwangerschaft erhöht sein. Hinzu kommt, dass auch andere Krebsarten wie zum Beispiel Brust-, Leber-, Magen- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs einen der beiden Marker ansteigen lassen können. Da erhöhte Werte weder von CA19-9 noch CEA spezifisch für eine bestimmte Erkrankung sind, können die Tumormarker nicht einmal als ein eindeutiger Hinweis auf Darmkrebs dienen. Ein erhöhter Wert kann im Extremfall zur Folge haben, dass man von seinem Arzt „auf den Kopf gestellt wird“, um die Ursache zu finden oder eine bösartige Ursache auszuschließen. Dann wird nicht nur der Darm untersucht, sondern die Suche schließt auch weitere innere Organe wie Lunge und Magen ein. Dabei können Untersuchungen wie Röntgen oder Ultraschall, die im Abschnitt „Grundlegende Methoden“ beschrieben sind, bis hin zur Darmspiegelung nötig werden.
Nutzen
Ob die Bestimmung von Tumormarkern das Risiko verringert, an Dickdarmkrebs zu sterben, ist bislang nicht in zuverlässigen Studien untersucht und angesichts der geringen Treffsicherheit sehr unwahrscheinlich. Insgesamt ist nicht abschätzbar, ob die Messung der Tumormarker CA19-9 oder CEA das Risiko verringert, an Darmkrebs zu sterben.
Risiken
Durch das Verfahren
Die Risiken einer Blutabnahme sind klein.
Durch die Folgen des Testergebnisses
Bei der Bestimmung von Tumormarkern kommt es immer wieder zu falschen Verdachtsbefunden: Nur etwa eine von 50 Auffälligkeiten stellt sich tatsächlich als Tumor heraus, die anderen sind Fehlalarme, die zumindest eine Zeit lang Angst auslösen können. Das bedeutet, dass bei einem auffälligen Befund fast immer weitere Untersuchungen zur Abklärung nötig sind, die ihre eigenen Risiken mit sich bringen.
test-Bewertung
Die Bestimmung der Tumormarker CA19-19 und CEA soll das Risiko senken, an Darmkrebs zu sterben. Ob die Untersuchung dies leistet, ist nach derzeitigem Wissen nicht abzuschätzen. Die direkten Risiken des Tests sind gering. Allerdings birgt die Untersuchung ein recht hohes Risiko an falschen Verdachtsbefunden. Die Abwägung von Nutzen und Risiken fällt somit eindeutig negativ aus. Gleichzeitig muss man erhöhte Risiken in Kauf nehmen. Die Bestimmung der Tumormarker CA19-9 und CEA ist zur Früherkennung von Darmkrebs nicht geeignet.
Kassen- oder Wahlleistung
Die Bestimmung von Tumormarkern ist keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Sie wird von vielen Ärzten als private Leistung angeboten.
Kosten
Für die Bestimmung von Tumormarkern fallen nach der Gebührenordnung der Ärzte (GOÄ) zwei Honorare an: Für Beratung und Blutabnahme kann der behandelnde Arzt zwischen 12 und 25 Euro (GOÄ-Ziffern 1 und 250) abrechnen. Hinzu kommt das Honorar für den Laborarzt. Für die Bestimmung von CA19-9 liegt das Honorar zwischen 17 und 21 Euro (GOÄ-Ziffer 3 902.H3), für die Bestimmung des CEA liegt es zwischen 15 und 17 Euro (GOÄ-Ziffer 3 905.H3).
Situation in Österreich
Der Test auf Tumormarker im Stuhl ist kein Bestandteil der kostenlosen Gesundheitsvorsorge in Österreich. Ist ein solcher Test medizinisch begründet, so werden die Kosten dafür von den Kassen übernommen. Für Privatleistungen können Ärzte in Österreich mit den Patienten das Honorar frei vereinbaren. Ein Anhaltspunkt: Die Wiener Gebietskrankenkasse zahlt Ärzten für die Bestimmung von CA19-9 10,39 Euro, für CEA 6,52 Euro.
