19.01.2009
Immunologische Tests
Allgemeines
Neben chemischen Verfahren zum Nachweis von Blut im Stuhl werden auch so genannte immunologische Methoden angeboten, die mithilfe von Antikörpern gezielt einen Eiweißbestandteil des roten Blutfarbstoffs des Menschen nachweisen können (siehe auch Abschnitt „Grundlegende Methoden“ unter „Laborverfahren“).
Durchführung
Immunologische Stuhltests gibt es in der Apotheke zur Selbstanwendung und -auswertung oder sie werden vom Arzt mitgegeben und ausgewertet. Zu Hause streicht man wie bei einem herkömmlichen Stuhltest mit einem kleinen Spatel eine oder mehrere Stuhlproben auf Testbriefchen oder füllt sie in ein Teströhrchen. Die benutzten Testbriefe oder -röhrchen werden dann entweder entsprechend der Anleitung mit einer Testlösung versetzt oder einem Arzt zur Auswertung gegeben.
Störeinflüsse
Wenn der Test auf Blut im Stuhl hinweist, muss nicht unbedingt eine Blutung im Darm der Grund dafür sein. Blut im Stuhl kann auch aus einem Magengeschwür oder aus harmlosen Hämorrhoiden stammen oder bei Frauen eine Verunreinigung durch die Regelblutung sein. Immunologische Tests reagieren nicht auf tierisches Blut aus Fleisch und auf andere Nahrungsbestandteile, die chemische Tests stören können. Man braucht deshalb an den Tagen vor und während des Tests seine Ernährung nicht umzustellen.
Treffsicherheit
Der immunologische Nachweis von verborgenem Blut im Stuhl wird seit Anfang der 1990er-Jahre als Alternative zu chemischen Verfahren erprobt. In einigen Studien wurden beide Varianten direkt verglichen. Diese Studien liefern allerdings keine einheitlichen Schlussfolgerungen, ob eine der beiden Varianten der anderen überlegen ist. Aus diesen Studien lassen sich die folgenden Angaben zur Treffsicherheit ableiten.
Wie oft liefert die Untersuchung falsche Befunde?
In Europa sind von 1 000 Männern und Frauen zwischen 45 und 75 Jahren etwa zehn an einem unerkannten Darmkrebs erkrankt. Der immunologische Stuhltest ist nach bisherigen Abschätzungen etwas zuverlässiger als der Haemoccult-Test. Immunologische Tests übersehen etwa ein Drittel der heranwachsenden Darmtumore, während es bei chemischen Tests etwa zwei Drittel sind. Doch auch beim immunologischen Stuhltest gibt es viele Gründe, warum der Test „auffällig“ ausgehen kann, ohne dass man einen Darmtumor oder einen gefährlichen Polypen im Darm trägt. Nach den vorhandenen Studien müssen von 1 000 Männern und Frauen, die den Test machen, bis zu 80 damit rechnen, dass er ein positives Ergebnis zeigt, ohne dass hinterher ein Tumor gefunden wird. Die relativ hohe Rate sorgt dafür, dass sich letztlich nur eine Minderheit der Befunde als richtig herausstellt: Insgesamt kommen auf einen tatsächlich entdeckten Darmkrebs mindestens zehn falsche Verdachtsdiagnosen.
Konsequenzen
Wenn ein Stuhltest einen Hinweis auf Blut liefert, dann ist das Anlass für weitere Untersuchungen, um die Ursache zu finden. In der Regel schlägt der Arzt dann eine Spiegelung des gesamtes Dickdarms vor, die Koloskopie. Wenn bei diesen Untersuchungen eine verdächtige Veränderung entdeckt wird, folgen weitere Untersuchungen wie sie im Abschnitt „Koloskopie“ unter „Konsequenzen“ beschrieben sind.
Nutzen
Für den chemischen Stuhltest haben Studien übereinstimmend gezeigt, dass er das Risiko an Darmkrebs zu erkranken und zu sterben, spürbar verkleinern kann (siehe unter „Stuhltest“). Weil aber immunologische Stuhltests eher seltener Tumore zu übersehen scheinen, kann man davon ausgehen, dass sie einen vergleichbaren Nutzen wie chemische Stuhltests haben – auch wenn der Nutzen bislang nicht sicher durch eigene Studien bewiesen ist. Einen Vorteil bieten immunologische Tests vor allem für diejenigen, die vor einem Test nicht ihre Ernähung umstellen wollen. Der Nutzen immunologischer Tests gilt als mit mittlerer Zuverlässigkeit belegt.
Risiken
Durch das Verfahren
Die Entnahme einer Stuhlprobe ist risikolos.
Durch die Folgen des Testergebnisses
Wenn nach einem Stuhltest ein Verdacht auf Krebs besteht, hat das meist weitere Untersuchungen zur Folge. Die wichtigste ist die große Darmspiegelung, bei der es in seltenen Fällen zu schwerwiegenden Komplikationen kommen kann. Insgesamt sind daher die mit einem immunologischen Stuhltest verbundenen Risiken als erhöht zu bewerten.
test-Bewertung
Ziel eines immunologischen Tests zum Nachweis von Blut im Stuhl ist es, das Risiko zu verringern, an Darmkrebs zu sterben. Außerdem kommt bei dieser Methode die Hoffnung hinzu, durch das Erkennen und Entfernen von Vorstufen auch die Entstehung eines Tumors zu verhindern. Es gibt nur eingeschränkt verlässliche Belege, dass die Untersuchung bei Personen zwischen 45 und 75 Jahren diesen Nutzen hat. Der Test übersieht zwar offenbar weniger Tumore als chemische Stuhltests, aber der Vorteil wird durch eine höhere Rate von Fehlalarmen relativiert. Insgesamt sind die mit dem Test verbundenen Risiken erhöht. Die Abwägung von Nutzen und Risiken fällt gerade noch positiv aus. Immunologische Tests zum Nachweis von verborgenem Blut im Stuhl sind für Frauen und Männer zwischen 45 und 75 Jahren zur Früherkennung von Darmkrebs mit Einschränkung geeignet.
Kassen- oder Wahlleistung
Die Kosten für immunologische Tests zum Nachweis von verborgenem Blut werden nicht von den Krankenkassen übernommen, nur der chemische Stuhltest ist Bestandteil des Krebsfrüherkennungsprogramms der gesetzlichen Krankenversicherung. Wer einen immunologischen Test bevorzugt, muss die Kosten selbst tragen.
Kosten
Ein Arzt kann nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) für einen einzelnen immunologischen Stuhltest zwischen 10 und 13 Euro (GOÄ-Ziffer 3 747) abrechnen. Hinzu kommen Honorare für Beratung. Immunologische Stuhltests, die man zu Hause selbst auswerten kann, kosten etwa 20 Euro.
Situation in Österreich
Der immunologische Stuhltest ist kein Bestandteil der kostenlosen Gesundheitsvorsorge in Österreich. Die Wiener Gebietskrankenkasse weist dazu keinen Tarif aus, Ärzte können in Österreich für Privatleistungen das Honorar mit den Patienten frei vereinbaren.
