19.01.2009
Stuhltest
Allgemeines
Blutreste im Stuhl können ein Hinweis darauf sein, dass im Darm ein blutender Tumor oder ein größerer Polyp heranwächst. Zwar werden Blutzellen im Darm zerstört, doch einige Bestandteile werden weitgehend unverdaut mit dem Stuhl ausgeschieden. Einige Firmen haben unterschiedliche Verfahren entwickelt, die solche Bestandteile im Stuhl nachweisen können (siehe auch „Immunologische Tests auf verborgenes Blut im Stuhl“). Der am häufigsten angewendete Test ist der so genannte Haemoccult-Test. Er beruht darauf, dass auch der Blutfarbstoff Häm mit dem Stuhl ausgeschieden wird. Der Farbstoff ist mit bloßem Auge nicht zu erkennen, kann aber durch eine chemische Reaktion nachgewiesen werden. Dazu wird eine Stuhlprobe auf ein mit farblosem Guajac-Harz getränktes Filterpapier aufgetragen und mit einer Entwicklerlösung (Wasserstoffperoxid) versetzt. Wenn die Stuhlprobe Häm enthält, wird Sauerstoff freigesetzt, der mit dem Guajac-Harz reagiert: Es verfärbt sich blau. Diese Tests sind so eingestellt, dass sie erst reagieren, wenn pro Tag etwa 20 Milliliter Blut in den Darm gelangen, das ist etwa das Zehnfache der normalen Menge. Häm ist recht stabil, sodass auch einige Tage alte, getrocknete Stuhlproben noch getestet werden können.
Durchführung
Man erhält vom Arzt Testbriefchen oder Stuhlröhrchen. Zu Hause entnimmt man mit einem kleinen Spatel seinem Stuhl eine erbsengroße Probe, streicht sie entweder auf Felder der Testbriefchen oder füllt sie in das Röhrchen ein. Die Proben sollen dabei nicht mit Wasser in Kontakt kommen. Diesen Vorgang wiederholt man bei zwei weiteren aufeinander folgenden Stuhlgängen. Die insgesamt drei benutzten Testbriefe oder -röhrchen werden dann dem Arzt zur Auswertung übergeben.
Störeinflüsse
Wenn sich das Testfeld verfärbt, muss nicht unbedingt eine Blutung im Darm der Grund dafür sein. Blut im Stuhl kann auch aus einem Magengeschwür oder aus Hämorrhoiden stammen oder bei Frauen eine Verunreinigung durch die Regelblutung sein. Außerdem kann auch tierisches Blut aus Lebensmitteln wie Fleisch, Leber oder (Blut-)Wurst dazu führen, dass der Test positiv ausfällt. Hinzu kommt, dass manche Obst- und Gemüsesorten Enzyme besitzen, die ebenfalls Wasserstoffperoxid spalten. Dazu gehören Meerrettich, Brokkoli, Blumenkohl, Radieschen, Bananen und Kirschen. Auch Mineralien wie Eisen und Jod sowie verschiedene Medikamente lösen eine Verfärbung des Tests aus.
Diese Vielzahl an Störmöglichkeiten deutet schon an, dass das Ergebnis des Stuhltests nicht sicher ist und immer erst durch weitere Untersuchungen bestätigt werden muss. Einige Experten raten dazu, bestimmte Lebensmittel, Medikamente und Mineralpräparate drei Tage vor und während des Tests zu meiden.
Treffsicherheit
Der Nachweis von verborgenem Blut im Stuhl gehört zu den besterprobten Methoden der Krebsfrüherkennung. Seit Anfang der 1980er-Jahre haben mehrere hunderttausend Männer und Frauen zwischen 45 und 80 Jahren in Dänemark, England, Frankreich, Schweden und den USA an insgesamt sieben Studien teilgenommen, deren Teilnehmern über mehrere Jahre zwischen zwei- und elfmal kostenlose Stuhltests angeboten wurden. Ein übereinstimmendes Ergebnis der Studien ist, dass der Stuhltest nicht von allen Kandidaten gleich gut akzeptiert wurde: Manche haben keine einzige Untersuchung ausgelassen, andere haben den Test nur einmal abgegeben, ein Drittel der Eingeladenen hat überhaupt keinen Test absolviert. Zusammenfassend lassen sich aus diesen Studien folgende Angaben zur Treffsicherheit ableiten.
Wie oft liefert die Untersuchung falsche Befunde?
In Europa sind von 1 000 Männern und Frauen zwischen 45 und 75 Jahren etwa zehn an einem unerkannten Darmkrebs erkrankt, etwa ein Drittel trägt gutartige Polypen im Darm. Der Stuhltest ist nicht besonders verlässlich: Nach den Ergebnissen der Studien übersieht er etwa zwei Drittel dieser Darmtumore. Hinzu kommt, dass es viele Gründe gibt, warum der Stuhltest positiv ausfallen kann, ohne dass man einen Darmtumor oder einen auffälligen Polypen im Darm trägt (siehe auch unter „Störeinflüsse“). In Europa müssen etwa 50 von 1 000 Teilnehmern damit rechnen, dass der Test ein positives Ergebnis zeigt, ohne dass hinterher Darmkrebs gefunden werden kann. Die relativ hohe Rate sorgt dafür, dass sich letztlich nur eine Minderheit der Befunde als richtig herausstellt: Insgesamt kommen etwa zehn falsche Verdachtsdiagnosen auf einen tatsächlich entdeckten Darmkrebs.
Konsequenzen
Wenn ein Test einen Hinweis auf Blut im Stuhl liefert, ist das Anlass für weitere Untersuchungen, um die Ursache zu finden. In der Regel schlägt der Arzt dann eine Spiegelung des gesamtes Dickdarms vor, die Koloskopie. Wird bei diesen Untersuchungen eine verdächtige Veränderung entdeckt, folgen weitere Untersuchungen wie sie im Abschnitt „Koloskopie“ unter „Konsequenzen“ beschrieben sind.
Nutzen
Der Stuhltest kann das Risiko verringern, an Darmkrebs zu sterben. Nach den Ergebnissen bisheriger Studien müssen von 1 000 Männern und Frauen ab 45 Jahre etwa 7 bis 8 damit rechnen, in den nächsten 13 Jahren an Darmkrebs zu sterben. Wenn alle 1 000 in diesem Zeitraum an einem Screeningprogramm teilnehmen, dann könnte das auf die gesamte Bevölkerung bezogen 1 bis 2 Leben retten. Insgesamt ist der Nutzen des Tests zum Nachweis von verborgenem Blut im Stuhl mit hoher Zuverlässigkeit belegt.
Risiken
Durch das Verfahren
Die Entnahme einer Stuhlprobe ist gefahrlos.
Durch die Folgen des Testergebnisses
Wenn ein Stuhltest einen Verdacht auslöst, hat das meist weitere Untersuchungen zur Folge. Die wichtigste ist die große Darmspiegelung, bei der es in seltenen Fällen zu schwerwiegenden Komplikationen kommen kann.
Bedeutsamer ist, dass der Stuhltest bis zu 7 von 10 Darmtumoren übersieht, weil sie nicht bluten. Deshalb kann man bei einen unauffälligen Test nicht sicher sein, dass kein Darmkrebs heranwächst. Diese hohe Fehlerrate ist der Grund, weshalb viele Ärzte zur Früherkennung von Darmkrebs andere Methoden wie die Darmspiegelung bevorzugen. Insgesamt sind die mit dem Test auf verborgenes Blut im Stuhl verbundenen Risiken als erhöht zu bewerten.
test-Bewertung
Ziel der Früherkennung mit einem Test auf Blut im Stuhl ist es, das Risiko zu verringern, an Darmkrebs zu sterben. Außerdem kommt bei dieser Methode die Hoffnung hinzu, durch das Erkennen und Entfernen von Vorstufen auch die Entstehung eines Tumors zu verhindern. Für chemische Tests gibt es gute Belege, dass sie bei Personen zwischen 45 und 75 Jahren diesen Nutzen haben. Die Untersuchung selbst birgt gewisse Risiken, vor allem falsche Befunde, die zu weiteren Untersuchungen führen. Dennoch fällt die Abwägung noch positiv aus. Chemische Tests zum Nachweis von verborgenem Blut im Stuhl sind für Frauen und Männer zwischen 45 und 75 Jahren zur Früherkennung von Darmkrebs mit Einschränkung geeignet.
Kassen- oder Wahlleistung
Ein Test zum Nachweis von verborgenem Blut im Stuhl ist Bestandteil des Krebsfrüherkennungsprogramms der gesetzlichen Krankenversicherungen. Frauen und Männer haben zwischen 50 und 55 Jahren Anspruch auf einen Test pro Jahr. Mit 55 Jahren können sie zwischen zwei Alternativen wählen: Entweder machen sie alle zwei Jahre einen kostenlosen Stuhltest, oder sie lassen insgesamt zweimal eine Darmspiegelung vornehmen: das erste Mal ab 55 Jahre, das zweite Mal ab 65 Jahre.
Kosten
Ein Arzt kann nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) für einen einzelnen Stuhltest zwischen 3 und 5 Euro abrechnen (GOÄ-Ziffer 3 650). Wenn er den Test im Paket mit weiteren Früherkennungsuntersuchungen der Kassen einsetzt, liegen die Kosten bei Männern zwischen 16 und 38 Euro (GOÄ-Ziffer 28), bei Frauen zwischen 18 und 43 Euro (GOÄ-Ziffer 27).
Situation in Österreich
Der Stuhltest ist Bestandteil der kostenlosen Gesundheitsvorsorge in Österreich. Er kann von allen Personen, die das 19. Lebensjahr vollendet haben, einmal jährlich in Anspruch genommen werden. Für Privatleistungen können Ärzte in Österreich mit den Patienten das Honorar frei vereinbaren. Ein Anhaltspunkt: Die Wiener Gebietskrankenkasse zahlt Ärzten für einen Test 1,31 Euro.
