19.01.2009

Dickdarmkrebs

Koloskopie

Allgemeines

Bei der Koloskopie (große Darmspiegelung) wird der gesamte Dickdarm vom After bis zum Blinddarm mithilfe eines speziellen, etwa 1,5 Meter langen Endoskops (siehe Abschnitt „Grundlegende Methoden“ unter „Endoskopie“), das Koloskop genannt wird, untersucht. Solch ein Koloskop ist ein biegsamer, etwa fingerdicker Schlauch, an dessen Spitze sich eine Lichtquelle befindet. Die Bilder aus dem Inneren des Darms werden entweder von einer kleinen Kamera aufgenommen und auf einen Bildschirm übertragen oder die Sicht ist direkt durch ein Glasfaserkabel möglich. Die Spitze des Endoskops kann ein geübter Arzt gezielt steuern. Ist die Darmschleimhaut an einer Stelle auffällig verändert, kann er mit einer kleinen Zange, die durch das Endoskop geführt wird, Gewebeproben (Biopsien) entnehmen. Größere Polypen können mithilfe einer elektrischen Schlinge entfernt werden.

Durchführung

Eine Darmspiegelung ist mit einigem Aufwand verbunden. Damit der Arzt die Darmwand problemlos sehen kann, muss der Dickdarm zuvor gründlich von Speise- und Stuhlresten befreit werden. Die Vorbereitung beginnt drei Tage vor der Untersuchung mit dem Verzicht auf schwerverdauliche Speisen. 24 Stunden vor der Untersuchung muss man ganz auf Essen verzichten. Stattdessen trinkt man ein starkes Abführmittel zusammen mit drei bis vier Litern Flüssigkeit, bis man nur noch eine klare Flüssigkeit ausscheidet.

Kurz vor der Untersuchung erhält der Patient eine Venenkanüle, durch die bei Bedarf Beruhigungs- oder Schmerzmittel gespritzt werden können. Falls es Komplikationen gibt, können über diese Kanüle auch direkt Notfallmedikamente verabreicht werden.

Die Spiegelung selbst dauert zwischen 20 und 30 Minuten. Die Untersuchung beginnt damit, dass der Arzt den Enddarm mit dem Finger abtastet. Dann wird der Darm mit Luft oder Kohlendioxid etwas aufgepumpt. Anschließend wird die Spitze des Koloskops durch den After eingeführt und Stück für Stück den gesamten Dickdarm entlang bis zum Blinddarm vorgeschoben. Dort beginnt dann die eigentliche Untersuchung: Während der Arzt das Endoskop langsam wieder zurückzieht, betrachtet er die vorbeiziehende Schleimhaut. Eine Darmspiegelung ist zwar in der Regel nicht sehr schmerzhaft, allerdings empfinden manche Patienten das Vorschieben des Endoskops als sehr unangenehm. Die Mehrzahl der Untersuchten erhält deshalb ein starkes Beruhigungsmittel. Daher sollte man nach der Untersuchung noch zur Beobachtung in der Praxis bleiben und auch an diesem Tag kein Fahrzeug mehr lenken, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne festen Halt verrichten.

Störeinflüsse

Voraussetzung für eine vollständige Untersuchung ist ein gut ausgebildeter und geübter Arzt, der das Koloskop zielsicher bedienen kann. Wenn der Darm nicht vollständig entleert ist, verhindern Verdauungsreste, dass der Arzt die gesamte Darmschleimhaut in Augenschein nehmen kann. In etwa einem von zehn Fällen muss eine Untersuchung abgebrochen werden, bevor das Koloskop den Blinddarm erreicht, weil anatomische Besonderheiten das Vorschieben behindern oder der Patient sich so unwohl fühlt, dass ein Abbruch notwendig wird.

Treffsicherheit

Die große Darmspiegelung gilt bei den meisten Experten als beste Methode zur Untersuchung des Darms und ist der Maßstab, an dem sich alle andere Untersuchungsmethoden messen lassen müssen. Der Hauptgrund dafür ist die hohe Treffsicherheit.

Wie oft liefert die Untersuchung falsche Befunde?

In Europa sind von 1 000 Männern und Frauen zwischen 45 und 75 Jahren etwa zehn an einem unerkannten Darmkrebs erkrankt, mehr als 300 tragen gutartige Polypen im Darm. Experten gehen davon aus, dass bei einer Spiegelung weniger als einer von zehn Tumoren mit mehr als einem Zentimeter Größe übersehen wird. Höher ist das Risiko für flach wachsende Adenome und Krebse, die unter Umständen erst mithilfe einer Färbung sichtbar gemacht werden können. Die Koloskopie wird in Deutschland seit Ende 2002 Männern und Frauen ab 55 Jahre kostenlos zur Früherkennung angeboten. Im Rahmen dieses Programms wurden bei 6 von 1 000 Teilnehmern ein Darmkrebs entdeckt. Ein erfahrener Arzt kann zudem durch eine Darmspiegelung auch recht zuverlässig gutartige Veränderungen der Darmwand erkennen. Wenn er einen größeren Polypen findet, wird dieser sofort entfernt. Im Rahmen des deutschen Früherkennungsprogramms war das bei etwa 220 von 1 000 Frauen und bei 320 von 1 000 Männern der Fall.

Konsequenzen

Wenn bei der Koloskopie eine verdächtige Veränderung entdeckt wird, hängen die weiteren Schritte von Größe und Aussehen der Wucherung ab. Kleinere Polypen werden in der Regel direkt entfernt, bei bereits bösartig erscheinenden Geschwülsten wird zuerst eine Gewebeprobe entnommen, bevor entschieden wird, auf welche Weise sie entfernt werden. Ein Facharzt (Pathologe) untersucht dann, ob die entnommenen Polypen und Gewebeproben Krebszellen enthalten. Das Ergebnis dieser Untersuchungen bestimmt die weiteren Diagnoseschritte. Wenn der Polyp gutartig war, empfehlen Ärzte im Allgemeinen regelmäßige weitere Darmuntersuchungen. Wenn ein bösartiger Tumor gefunden wurde, sollen weitere Untersuchungen seine genaue Größe und Lage feststellen. Eingesetzt werden dabei meist Untersuchungen, die im Abschnitt „Grundlegende Methoden“ erläutert werden, wie Ultraschall, Computertomografie oder Magnetresonanztomografie.

Nutzen

Ziel der Früherkennung ist es, das Risiko zu verringern, an Darmkrebs zu sterben. Weil während einer Spiegelung auch Vorstufen von Darmkrebs entdeckt und entfernt werden können, soll diese Methode außerdem das Risiko verringern, dass man überhaupt an Darmkrebs erkrankt. Bislang gibt es jedoch keine zuverlässigen Studien, die überprüft haben, ob eine regelmäßige Darmspiegelung wirklich diesen Nutzen bringt. Dennoch sind die meisten Experten vom Nutzen überzeugt: Ein wichtiges Argument hierfür ist, dass Tests zum Nachweis von Blut im Stuhl tatsächlich Darmkrebs vorbeugen können. Experten führen den Nutzen solcher Stuhltests darauf zurück, dass sie bei einer Auffälligkeit zu einer Darmspiegelung führen, und diese dann zur frühen Entdeckung eines Darmtumors führt. Und daraus leiten viele Experten ab, dass die Darmspiegelung das Risiko, an Darmkrebs zu sterben, um 60 bis 70 Prozent verringern kann. Wenn man davon ausgeht, dass von 1 000 Männern und Frauen 4 bis 5 im Alter von 60 Jahren innerhalb der nächsten 10 Jahre an Darmkrebs sterben werden, dann würde die Darmspiegelung also 2 bis 3 Menschen vor dem Tod durch Darmkrebs bewahren. Angesichts der hohen Treffsicherheit der Darmspiegelung ist dieser Nutzen plausibel, allerdings ist er nur mit eingeschränkter Zuverlässigkeit belegt.

Risiken

Durch das Verfahren

Die Darmspiegelung ist eine invasive (in den Körper eindringende) Untersuchung mit gewissen Risiken. Die Vorbereitung des Darms für die Spiegelung, kann insbesondere für ältere Menschen sehr belastend sein. Das Einführen des Endoskops in den Darm ist trotz Gleit- und starker Beruhigungsmittel unangenehm. Beruhigungsmittel haben wiederum ihre eigenen unerwünschten Wirkungen: Die Medikamente steigern beispielsweise das Risiko von Herz-Kreislauf-Komplikationen. Im Rahmen des deutschen Koloskopie-Programms kam es bei 1 bis 2 Teilnehmern von 1 000 zu einem solchen Zwischenfall. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass mit ungenügend gereinigten Endoskopen Keime von einem Patienten auf den nächsten übertragen werden. Allerdings ist bislang unklar, wie viele Infektionen tatsächlich auf verunreinigte Koloskope zurückzuführen sind.

Schwere Komplikationen sind zwar selten, kommen aber gelegentlich vor, vor allem, wenn im Laufe einer Darmspiegelung auch Polypen entfernt werden. Dazu gehören starke Blutungen, die nicht durch lokale Medikamente gestillt werden können, oder Perforationen, bei denen die Darmwand mit der Spitze des Koloskops durchstoßen wurde. Im deutschen Koloskopie-Programm kam es bei 2 bis 7 Spiegelungen von 10 000 zu einer Verletzung, die die Einlieferung in ein Krankenhaus oder eine Operation am Bauchraum nötig machte. Insgesamt ist daher das mit der Untersuchung verbundene Risiko erhöht.

Durch die Folgen des Testergebnisses

Oft liegen die Risiken eines Früherkennungstests nicht in der Untersuchung selbst, sondern in den negativen Konsequenzen, die sich aus dem Befund der Untersuchung ergeben (siehe auch „Mögliche Nachteile“).

Eine Besonderheit der Darmspiegelung ist es, dass es sehr wenige falsche Verdachtsbefunde gibt. Deshalb ist die Darmspiegelung nur mit einem kleinen Risiko für weitere Untersuchungen verbunden, die sich später als unnötig herausstellen. Bei einer Koloskopie werden jedoch viele Polypen gefunden und entfernt, aus denen sich nie Krebs entwickelt hätte. Trotzdem wird Betroffenen zu regelmäßigen weiteren Darmspiegelungen geraten. Wie häufig bei Koloskopien Krebs gefunden wird, der nie zu Beschwerden geführt hätte, ist unbekannt. Insgesamt ist das durch Befunde ausgelöste Risiko nicht zuverlässig abschätzbar.

test-Bewertung

Ziel der Früherkennung ist es, das Risiko zu verringern, an Darmkrebs zu sterben. Außerdem kommt bei dieser Methode die Hoffnung hinzu, durch die Entfernung von Vorstufen auch die Entstehung eines Tumors zu verhindern. Auch wenn die Belege nur eingeschränkt zuverlässig sind, kann man davon ausgehen, dass die Koloskopie bei Personen ab 50 Jahre diesen Nutzen hat. Die Untersuchung selbst birgt gewisse Risiken. Falsche Befunde, die zu weiteren unnötigen belastenden Untersuchungen führen, sind allerdings selten. Insgesamt sind die Risiken dennoch als erhöht zu bewerten. Die Nutzen-Risiken-Abwägung fällt noch positiv aus. Die Koloskopie ist zur Früherkennung von Darmkrebs mit Einschränkung geeignet.

Kassen- oder Wahlleistung

Die Koloskopie ist Bestandteil des Krebsfrüherkennungsprogramms der gesetzlichen Krankenversicherung. Danach können Frauen und Männer zweimal eine Darmspiegelung vornehmen lassen, das erste Mal nach dem 55. Geburtstag, das zweite Mal ab 65 Jahre. Alternativ gibt es die Möglichkeit, ab 55 Jahre alle zwei Jahre einen Test zum Nachweis von Blut im Stuhl machen zu lassen. Wenn bei diesem Test Blut gefunden wird, ist die anschließende Darmspiegelung ebenfalls eine Kassenleistung.

Kosten

Ein Arzt kann nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) je nach Aufwand zwischen 87 und 202 Euro für eine Koloskopie (GOÄ-Ziffer 687) abrechnen. Wenn die Untersuchung nicht vollständig gelingt, darf die Rechnung nur über 52 bis 121 Euro lauten (GOÄ-Ziffer 688). Hinzu kommen Honorare zwischen 4 und 11 Euro für Beratungsleistungen (GOÄ-Ziffer 1) und zwischen 7 und 17 Euro, wenn stärkere Beruhigungsmittel gebraucht werden (zum Beispiel GOÄ-Ziffer 451).

Situation in Österreich

In Österreich können Personen ab 50 Jahre im Rahmen der kostenlosen Gesundheitsvorsorge eine Koloskopie in Anspruch nehmen. Ist die Koloskopie medizinisch begründet, werden die Kosten unbeschränkt von den Kassen übernommen. Für Privatleistungen können Ärzte in Österreich mit den Patienten das Honorar frei vereinbaren. Ein Anhaltspunkt: Die Wiener Gebietskrankenkasse zahlt Ärzten für eine Koloskopie 91,35 Euro.

Weitere Angebote