19.01.2009
Doppelkontrastuntersuchung
Allgemeines
Die Kolon-Doppelkontrastuntersuchung, auch Barium-Doppelkontrasteinlauf genannt, ist eine Röntgenuntersuchung des Dickdarms. Da der Darm auf einer herkömmlichen Röntgenaufnahme nicht gut von den umliegenden Organen zu unterscheiden ist, wird der Kontrast durch zwei Maßnahmen verbessert: Zum einen wird der Dickdarm mit Luft oder Kohlendioxid aufgepumpt, zum anderen erhalten die Personen ein Kontrastmittel, das den Darm von innen mit einem Film überzieht und so Details der Wandstruktur auf den Röntgenaufnahmen sichtbar macht. Als Kontrastmittel wird meist Bariumsulfat verwendet, manchmal auch ein jodhaltiges Mittel.
Auf den Röntgenaufnahmen werden Schleimhautveränderungen sichtbar, weil sie die gleichmäßige Verteilung des Kontrastmittels stören. Größere Polypen fallen als Füllungsdefekte auf, da die Wucherung als Loch im Kontrastmittelfilm auf der Darmwand erscheint. Auch Einengungen des Darmes (Stenosen), Geschwüre oder Aussackungen der Darmschleimhaut (Divertikel) und Verbindungsgänge zu anderen Organen (Fisteln) lassen sich mit der Doppelkontrastuntersuchung erkennen.
Damit die Darmwand beurteilt werden kann, muss der Darm komplett entleert und gereinigt sein. Die Untersuchung selbst dauert 20 bis 40 Minuten, Beruhigungs- oder Betäubungsmittel sind nicht nötig.
Durchführung
Vor einer Doppelkontrastuntersuchung muss der Dickdarm sehr gründlich von Speise- und Stuhlresten gereinigt werden, damit Veränderungen der Darmschleimhaut nicht durch Stuhlreste vorgetäuscht werden. 12 bis 24 Stunden vorher beginnt man damit, ein starkes Abführmittel zusammen mit drei bis vier Litern Flüssigkeit zu trinken. Mindestens sechs Stunden vor der Untersuchung sollte man ganz auf Essen verzichten. Das Kontrastmittel wird über einen Gummischlauch durch den After in den Darm eingespült und muss sich vor der Untersuchung einige Minuten verteilen. Dann wird der Dickdarm entfaltet, indem durch den After Luft oder Kohlendioxid eingepumpt wird. Etwa ein Viertel der Probanden empfindet die Doppelkontrastuntersuchung als unangenehm.
Störeinflüsse
Das häufigste Problem ist, dass der Darm nicht völlig gereinigt ist: Bei etwa jeder 10. bis 20. Doppelkontrastuntersuchung sind die Aufnahmen aufgrund größerer Mengen Stuhl so schlecht zu beurteilen, dass entweder die Röntgenuntersuchung wiederholt werden muss oder eine Darmspiegelung notwendig wird. Hinzu kommt, dass kleinere, vereinzelte Stuhlreste immer wieder mit Polypen verwechselt werden.
Treffsicherheit
Die Doppelkontrastuntersuchung ist eine selten eingesetzte Methode zur Früherkennung von Dickdarmkrebs. Meist kommt sie zum Einsatz, wenn ein Patient über Beschwerden klagt, aber eine Darmspiegelung vermieden werden soll. Aus den vorliegenden Untersuchungen lassen sich folgende Schätzungen der Treffsicherheit ableiten.
Wie oft liefert die Untersuchung falsche Befunde?
In Europa sind von 1 000 Männern und Frauen zwischen 45 und 75 Jahren etwa zehn an einem unerkannten Darmkrebs erkrankt. Bei der Doppelkontrastuntersuchung werden nach bisherigen Schätzungen ein Drittel bis die Hälfte der Polypen und Tumore mit mehr als einem Zentimeter Größe übersehen. Bei kleineren Veränderungen liegt die Fehlerrate vermutlich noch höher. Studien zeigen auch, dass Ärzte auf den Röntgenbildern immer wieder Schwierigkeiten haben, Krebs von harmlosen Veränderungen der Darmschleimhaut zu unterscheiden. US-Experten schätzen, dass es bei 100 bis 180 von 1 000 Personen zu einem verdächtigen Befund kommt, der sich hinterher nicht bestätigt. Die hohe Rate sorgt dafür, dass sich letztlich nur wenige Befunde als richtig herausstellen. Auch hier fehlen zuverlässige Zahlen, nach den bisherigen Abschätzungen kommen etwa 100 falsche Verdachtsdiagnosen auf einen tatsächlich entdeckten Darmkrebs oder größeren Polypen.
Konsequenzen
Wenn bei der Doppelkontrastuntersuchung eine verdächtige Veränderung entdeckt wird, schlagen Ärzte in der Regel eine große Darmspiegelung als nächste Untersuchung vor, um Größe und Typ der Veränderung zu bestätigen. Weitere Untersuchungen laufen dann ab wie im Abschnitt „Koloskopie“ beschrieben.
Nutzen
Bislang gibt es keine zuverlässigen Studien, die überprüft haben, ob eine regelmäßige Doppelkontrastuntersuchung das Risiko verringern kann, an Darmkrebs zu erkranken oder zu sterben. Das liegt auch daran, dass die Röntgenmethode kaum zur Früherkennung eingesetzt wird, sondern meist erst, wenn es aufgrund von Darmbeschwerden nötig erscheint. Aber auch dann wird im Allgemeinen direkt eine Darmspiegelung empfohlen, die Doppelkontrastuntersuchung ist lediglich eine zweitrangige Alternative. Der Nutzen der Doppelkontrastuntersuchung kann nicht abgeschätzt werden.
Risiken
Durch das Verfahren
Bei der Doppelkontrastuntersuchung kommt es durch die Röntgenstrahlung zu einer geringen Strahlenbelastung auch der Hoden und Eierstöcke, die etwa der bei einer Mammografie (siehe Abschnitt „Brust“) entspricht. Schwere Komplikationen während der Untersuchung sind selten: US-Experten schätzen, dass es bei einer von 10 000 Untersuchungen zu einem Zwischenfall kommt. Auch wenn diese Risiken damit geringer sind als bei der Darmspiegelung, ist das direkt mit der Untersuchung verbundene Risiko erhöht.
Durch die Folgen des Testergebnisses
Wenn bei einer Doppelkontrastuntersuchung ein Verdacht auftaucht, hat das meist weitere Untersuchungen zur Folge. Die wichtigste ist die Darmspiegelung, bei der es in seltenen Fällen zu schwerwiegenden Komplikationen kommen kann. Da die meisten Folgeuntersuchungen durch einen falschen Verdacht ausgelöst werden, sind die indirekten Risiken als erhöht zu bewerten.
test-Bewertung
Ziel einer Doppelkontrastuntersuchung des Darms ist es, das Risiko zu verringern, an Darmkrebs zu sterben. Außerdem kommt bei dieser Methode die Hoffnung hinzu, durch das Erkennen und Entfernen von Vorstufen auch die Entstehung eines Tumors zu verhindern. Ob die Methode dieses leistet, ist derzeit aufgrund fehlender Studien nicht abschätzbar. Die direkten und indirekten Risiken sind erhöht. Insgesamt fällt die Abwägung von Nutzen und Risiken negativ aus. Die Doppelkontrastuntersuchung ist zur Früherkennung von Darmkrebs nicht geeignet.
Kassen- oder Wahlleistung
Die Kosten einer Doppelkontrastuntersuchung zur Früherkennung von Darmkrebs werden nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Wegen der Strahlenbelastung fällt die Methode unter die Röntgenverordnung und darf Personen ohne Symptome oder besonderen Verdacht auch nicht privat oder als individuelle Gesundheitsleistung angeboten werden.
Kosten
Für eine Doppelkontrastuntersuchung kann ein Arzt laut Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) zwischen 81 und 147 Euro (GOÄ-Ziffer 5 166) in Rechnung stellen.
Situation in Österreich
Die Doppelkontrastuntersuchung ist kein Bestandteil der kostenlosen Gesundheitsvorsorge in Österreich. Ist die Untersuchung medizinisch begründet, so werden die Kosten dafür von den Kassen übernommen. Für Privatleistungen können Ärzte in Österreich mit den Patienten das Honorar frei vereinbaren. Ein Anhaltspunkt: Die Wiener Gebietskrankenkasse zahlt den Ärzten für eine Doppelkontrastuntersuchung 91,57 Euro.
