19.01.2009
Tumormarker CA15-3 und CEA
Allgemeines
Tumormarker sind Eiweißstoffe, die normalerweise nur als Spuren im Blut nachweisbar sind. Wenn ihre Konzentration ansteigt, kann das ein Hinweis auf eine Gewebestörung in einem Organ sein. Zum Nachweis werden Blutproben in einem Labor aufgearbeitet und mit Antikörpern versetzt, die das Protein erkennen und letztlich durch einen Farbstoff oder einen anderen Indikator markieren (siehe auch Abschnitt „Grundlegende Methoden“ unter „Laborverfahren“).
CA15-3 ist ein Protein, das unter anderem vom Drüsengewebe der weiblichen Brust freigesetzt wird. CEA ist die Abkürzung für carcinoembryonales Antigen. Der Name weist darauf hin, dass es vor allem von Tumoren und während der Embryonalentwicklung hergestellt wird. Bei Gesunden ist es ein normaler Bestandteil der Schleimhaut von inneren Organen und von Drüsen. Manchmal lassen Tumore wie Dickdarmkrebs und Brustkrebs die CEA-Konzentrationen im Blut ansteigen.
Mehrere Hersteller bieten verschiedene Nachweisverfahren für diese beiden Tumormarker an. Je nach Test können sich die Werte, ab wann ein Ergebnis als auffällig bezeichnet wird, deutlich unterscheiden. Die Obergrenze für „normale“ Werte liegt für CA15-3 zwischen 25 bis 40 Einheiten pro Milliliter (U/ml) im Blutserum oder Blutplasma, für CEA zwischen 1,5 bis 5 Mikrogramm pro Liter (μg/l).
Durchführung
Für die Bestimmung von Tumormarkern muss ein Arzt eine Blutprobe nehmen und an ein Labor einschicken.
Störeinflüsse
Blutproben sollten innerhalb von 24 Stunden ausgewertet werden, weil sie nur begrenzt haltbar sind. Das Messergebnis ist abhängig von der verwendeten Methode, sodass Tests von verschiedenen Herstellern zu abweichenden Ergebnissen führen können.
Treffsicherheit
Tumormarker werden seit Mitte der 1980er-Jahre als Methode der Früherkennung von Brustkrebs überprüft. Grundlage ist die Beobachtung, dass die durchschnittlichen Werte bei Brustkrebspatientinnen höher liegen als bei gesunden Frauen. Für die Tumormarker CA15-3 und CEA lassen sich aus diesen Studien folgende Angaben zur Treffsicherheit ableiten.
Wie oft liefert die Untersuchung falsche Befunde?
Das Risiko, dass in der Brust ein unentdeckter Tumorknoten heranwächst, hängt stark vom Alter der Frau ab. Bei 1 000 Frauen zwischen 50 und 70 Jahren müssen bis zu 9 Frauen damit rechnen, dass in einer Brust ein Tumor heranwächst, der durch Früherkennung gefunden werden könnte. US-amerikanische Experten gehen davon aus, dass die Bestimmung der Tumormarker mehr als drei Viertel dieser Tumore übersieht. Vermutlich werden kleine Tumore, die man bei der Früherkennung finden will, noch häufiger übersehen.
Das zweite grundsätzliche Problem der Bestimmung von Tumormarkern ist, dass sie bei einigen Frauen zu unnötigen Belastungen führt: Wenn der Wert eines Tumormarkers erhöht ist, dann ist das meist durch harmlose Gewebeveränderungen oder gutartige Erkrankungen verursacht. US-amerikanische Experten gehen davon aus, dass die Messung von CA15-3 bei etwa 90 von 1 000 Frauen einen erhöhten Wert ergibt, der sich dann nicht als Krebs bestätigt. Zu CEA gibt es keine eigenen Abschätzungen, Experten gehen aber von einer ähnlichen Rate aus.
Diese Ergebnisse führen zu dem Schluss, dass es sich nur bei einer Minderheit der Verdachtsfälle tatsächlich um Krebs handelt. Auch diese Rate haben US-Experten abgeschätzt: Insgesamt kommen durch die Bestimmung von CA15-3 oder CEA zwischen 50 und 100 ausgelöste Fehlalarme auf jeden entdeckten Brusttumor.
Konsequenzen
Wenn ein Tumormarker den Referenzbereich übersteigt, ist das noch kein Beweis für Brustkrebs. Schwangerschaft, Stillzeit und gutartige Brusterkrankungen können den Wert von CA 15-3 ebenso ansteigen lassen wie Rheuma oder Entzündungen von Leber, Lunge oder Bauchspeicheldrüse. Hinzu kommt, dass auch andere Krebsarten wie zum Beispiel Eierstock- oder Lungenkrebs die Werte erhöhen können. Ähnlich ist die Situation für CEA: Generell liegen die Spiegel dieses Stoffes im Blut bei Älteren und bei Raucherinnen etwas höher, auch Entzündungen in Leber, Lunge, Bauchspeicheldrüse oder Magen-Darm-Trakt lassen sie ansteigen. Außerdem können andere Krebserkrankungen wie zum Beispiel Dickdarm- und Lungenkrebs die CEA-Werte erhöhen.
Da also Werte außerhalb des Referenzbereiches weder bei CA15-3 noch bei CEA spezifisch für eine bestimmte Erkrankung sind, lässt die Messung dieser Tumormarker keinen eindeutigen Rückschluss zu, ob ein Brustkrebs heranwächst. Wenn ein Wert erhöht ist, kann das im Extremfall zur Folge haben, dass man von seinem Arzt „auf den Kopf gestellt wird“, um die Ursache zu finden oder eine bösartige Ursache auszuschließen. Dann wird nicht nur die Brust untersucht, sondern auch weitere innere Organe wie Lunge und Magen-Darm-Trakt werden einer genauen Untersuchung unterzogen. Dabei können dann Methoden wie Röntgen-, Ultraschalluntersuchungen bis hin zur Darmspiegelung nötig werden, siehe im Abschnitt „Grundlegende Methoden“.
Nutzen
Ob die Bestimmung von Tumormarkern das Risiko verringert, an Brustkrebs zu sterben, ist bislang nicht in zuverlässigen Studien untersucht und angesichts der geringen Treffsicherheit auch nicht zu erwarten. Bislang ist nicht abschätzbar, ob die Messung der Tumormarker CA15-3 oder CEA das Risiko verringert, an Brustkrebs zu sterben.
Risiken
Durch das Verfahren
Die Risiken einer Blutabnahme sind gering.
Durch die Folgen des Testergebnisses
Bei der Bestimmung von Tumormarkern kommt es zu sehr vielen falschen Verdachtsbefunden, die fast immer weitere Untersuchungen zur Abklärung nach sich ziehen.
test-Bewertung
Es kann nicht abgeschätzt werden, ob die Bestimmung von Tumormarkern das Risiko verringert, an Brustkrebs zu sterben. Bei der Untersuchung muss man erhöhte Risiken durch eine hohe Zahl an Verdachtsbefunden in Kauf nehmen. Die Abwägung von Nutzen und Risiken fällt somit eindeutig negativ aus. Die Bestimmung der Tumormarker CA 15-3 und CEA ist zur Früherkennung von Brustkrebs nicht geeignet.
Kassen- oder Wahlleistung
Die Bestimmung von Tumormarkern zur Früherkennung von Brustkrebs ist keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Sie kann als private Leistung in Anspruch genommen werden.
Kosten
Für die Bestimmung von Tumormarkern fallen nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) zwei Honorare an: Für Beratung und Blutabnahme kann der Arzt zwischen etwa 12 und 25 Euro abrechnen. Hinzu kommt das Honorar für den Laborarzt. Für die Bestimmung von CA 15-3 (GOÄ-Ziffer 3 901.H3) liegt das Honorar zwischen 26 und 30 Euro, für die Bestimmung des CEA (GOÄ-Ziffer 3 905.H3) zwischen 15 und 17 Euro.
Situation in Österreich
In Österreich ist die Untersuchung auf Tumormarker im Rahmen der kostenlosen Vorsorgeuntersuchung nicht vorgesehen. Bei begründetem Verdacht übernehmen die Kassen jedoch auch die Kosten dieser Untersuchung. Für Privatleistungen können Ärzte in Österreich mit den Patienten das Honorar frei vereinbaren. Ein Anhaltspunkt: Die Wiener Gebietskrankenkasse zahlt Ärzten für die Bestimmung des Tumormarkers CA15-3 7,01 Euro, für jene des Tumormarkers CEA 5,56 Euro.
