19.01.2009

Brustkrebs

Selbstabtasten

Allgemeines

Eine systematische Selbstuntersuchung der Brust besteht aus zwei Teilen: Zuerst inspiziert die Frau ihre Brüste im Spiegel, anschließend tastet sie die Brüste mit den Fingern ab. Eine geübte Frau kann Knoten ab einer Größe von etwa einem Zentimeter ertasten. Es gibt zahlreiche Broschüren, die das Abtasten erklären, manche Institutionen bieten auch Kurse an.

Durchführung

Bislang gibt es eine Vielzahl von Konzepten, wie sich eine Frau selbst abtasten soll, ohne dass es Vergleiche zwischen den Varianten gibt. Die Deutsche Krebsgesellschaft empfiehlt folgendes Vorgehen: Zu Beginn der Untersuchung stellt sich die Frau mit nacktem Oberkörper vor einen Spiegel. Sie kontrolliert von vorne und von den Seiten Form und Aussehen der Brust, zuerst mit in die Hüfte gestemmten, dann mit über den Kopf erhobenen Armen. Dabei soll sie vor allem auf Größenunterschiede, Unregelmäßigkeiten in der Kontur, auf Schwellungen, Rötungen und Entzündungen der Haut achten, die auf einen Tumor hinweisen könnten. Verdächtig sind auch eingesenkte oder unregelmäßig veränderte Brustwarzen. Anschließend tastet sie beide Brüste nacheinander mit wechselndem Druck von Zeige-, Mittel- und Ringfinger mit kreisenden Bewegungen ab. Dabei beginnt sie am Rand der Brust und bewegt sich zur Brustwarze hin. Zum Schluss presst sie die Brustwarze mit sanftem(!) Druck aus, um ungewöhnliche Absonderungen feststellen zu können.

Störeinflüsse

Bei jüngeren Frauen und bei Frauen, die bestimmte Hormonpräparate gegen Wechseljahrsbeschwerden einnehmen, ändert sich mit dem Hormonzyklus auch die Dichte und Struktur des Brustgewebes. Als günstiger Zeitraum für das Selbstabtasten wird die erste Zyklushälfte empfohlen, weil in der zweiten Zyklushälfte bei manchen Frauen deutlich tastbare, knotige Verhärtungen entstehen können, die aber normal sind. Wird in der zweiten Zyklushälfte ein Knoten ertastet, sollte die Untersuchung nach der nächsten Regelblutung wiederholt werden.

Treffsicherheit

Die Tastuntersuchung wird als Möglichkeit der Früherkennung für Frauen empfohlen, die Eigeninitiative ergreifen wollen. Seit Anfang der 1960er-Jahre ist die Untersuchung immer wieder in Studien an Frauen meist zwischen 40 und 65 Jahren erprobt worden. Daraus lassen sich folgende Angaben zur Treffsicherheit ableiten.

Wie oft liefert die Untersuchung falsche Befunde?

Das Risiko, dass in einer Brust ein unentdeckter Tumorknoten heranwächst, hängt stark vom Alter der Frau ab. Bei 20-jährigen Frauen erkranken pro Jahr etwa 3 von 100 000 Frauen an Brustkrebs, bei 40-Jährigen sind es etwa 110 von 100 000, bei 60-Jährigen etwa 250 von 100 000. Insgesamt kann man davon ausgeht, dass von 1 000 Frauen zwischen 50 und 70 Jahren bis zu 9 Frauen einen unentdeckten Tumor in der Brust haben. An ihrer eigenen Brust können durchschnittlich geübte Frauen offenbar nur ein bis zwei von zehn vorhandenen Tumoren selbst ertasten, die Rate steigt möglicherweise bei Frauen, die das Abtasten in speziellen Kursen trainiert haben.

Als Argument für die Selbstuntersuchung wird regelmäßig angeführt, dass die meisten Brusttumore von den Frauen selbst entdeckt werden. Das stimmt zwar, doch ist die Entdeckung im Allgemeinen ein Zufallsbefund etwa bei der Körperpflege. Selbst Frauen, die regelmäßig die Brustselbstuntersuchung praktizieren, entdecken in 9 von 10 Fällen ihren Tumor per Zufall und nicht während des Selbstabtastens.

Die Selbstuntersuchung führt immer wieder zu unnötiger Beunruhigung, genaue Zahlen sind aber unbekannt. Einen Hinweis gibt die bislang größte Erprobung des Selbstabtastens, die Ende der 1980er-Jahre unter Beteiligung von 260 000 Chinesinnen stattgefunden hat. Die Hälfte der Frauen sollte sich monatlich abtasten, die andere bekam keinen besonderen Ratschlag. Nach elf Jahren hatten beide Gruppen ziemlich genau gleich viele Brusttumore entdeckt. Allerdings haben die Frauen, die sich selbst abgetastet hatten, häufiger unnötige Untersuchungen absolvieren müssen: Von 1 000 Frauen, die sich selbst untersucht haben, haben sich im Laufe der Studien 27 an der Brust operieren lassen, um eine Gewebeprobe zu entnehmen. Von 1 000 Frauen, die sich nicht untersuchten, mussten nur 18 Frauen solch eine Biopsie über sich ergehen lassen.

Aus diesen Studienergebnissen ergibt sich, dass es sich nur bei einer Minderheit der beim Selbstabtasten gefundenen Knoten tatsächlich um Krebs handelt. Wie oft Frauen durch Selbstabtasten einen Fehlalarm auslösen, ist nicht genau untersucht.

Konsequenzen

Wenn eine Frau beim Selbstabtasten eine Auffälligkeit entdeckt, ist das noch kein Beweis für Brustkrebs, sondern nur ein Hinweis auf eine Gewebeveränderung. Eine Abklärung können dann nur weitere Untersuchungen durch einen Arzt bringen. Der wird in der Regel selbst eine Tastuntersuchung vornehmen und eventuell Ultraschall einsetzen oder eine Film-Mammografie veranlassen. Was weiter geschieht, hängt dann vor allem vom Befund der Röntgenuntersuchung ab.

Nutzen

Das Selbstabtasten hat wie alle Früherkennungsmethoden das Ziel, die Heilungschancen zu verbessern und so die Zahl der Frauen, die an Brustkrebs sterben, zu verringern. Tatsächlich haben Ärzte in mehreren Studien an zusammen über 300 000 Frauen erprobt, ob der Ratschlag das leisten kann. Das Ergebnis war durchweg enttäuschend: Frauen, die sich regelmäßig selbst untersucht haben, sind ebenso häufig an Brustkrebs gestorben wie Frauen, die auf die Selbstuntersuchung verzichtet haben. Insgesamt sind diese Studien ein recht zuverlässiger Beleg dafür, dass regelmäßiges Selbstabtasten nicht das Risiko verringert, an Brustkrebs zu sterben. Damit fehlt der entscheidende Grund, die Untersuchung zur Früherkennung zu empfehlen.

Risiken

Durch das Verfahren

Das Selbstabtasten ist risikolos.

Durch die Folgen des Testergebnisses

Bei der Tastuntersuchung kommt es immer wieder zu falschen Verdachtsbefunden, also Fehlalarmen, die zumindest eine Zeit lang Angst und weitere Untersuchungen auslösen können. Studien zeigen, dass bei Frauen, die sich selbst abtasten, Gewebeentnahmen etwa doppelt so häufig sind, ohne dass mehr Tumore gefunden werden oder die Heilungsrate gegenüber Frauen steigt, die sich nicht abtasten. Insgesamt werden die durch einen Befund bedingten Risiken deshalb als erhöht eingestuft.

test-Bewertung

Ziel des Selbstabtastens ist es, das Risiko zu verringern, an Brustkrebs zu sterben. Studien haben aber mit hoher Zuverlässigkeit widerlegt, dass Selbstabtasten die Heilungschancen verbessert. Gleichzeitig birgt die Methode ein erhöhtes Risiko unnötiger Folgeuntersuchungen. Die Abwägung von Nutzen und Risiko fällt insgesamt negativ aus. Das Selbstabtasten ist zur Früherkennung von Brustkrebs nicht geeignet.

Kassen- oder Wahlleistung

Frauen ab dem 30. Lebensjahr haben im Rahmen des Krebsfrüherkennungsprogramms der gesetzlichen Krankenversicherung einmal im Jahr Anspruch auf eine kostenlose Anleitung zum Selbstabtasten.

Kosten

Die Anleitung durch einen Arzt ist kostenlos, schriftliche Anleitungen werden von vielen Institutionen kostenfrei ausgegeben.

Situation in Österreich

Eine Anleitung zur Selbstuntersuchung kann beispielsweise im Rahmen der jährlichen, kostenlosen Gesundheitsvorsorgeuntersuchung erfragt werden.

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