19.01.2009
Digitale Mammografie
Allgemeines
Die digitale Mammografie ist eine Variante der Mammografie. Sie unterscheidet sich von der herkömmlichen Film-Mammografie dadurch, dass die Röntgenbilder in elektronische Signale umgewandelt werden. Diese digitalisierten Bilder können an einem Computermonitor beurteilt werden, außerdem lassen sie sich digital abspeichern und versenden. Die Technik ist im Vergleich zur Film-Mammografie weniger empfindlich gegen Über- und Unterbelichtung und liefert deshalb eine konstantere Bildqualität. Mitunter lassen sich deshalb Wiederholungsaufnahmen vermeiden und die Strahlenbelastung verringern.
Durchführung
Das Röntgen der Brust verläuft wie bei der Film-Mammografie.
Störeinflüsse
Für die digitale Mammografie gelten dieselben Qualitätsanforderungen wie für die Film-Mammografie.
Treffsicherheit
Das Maß für die Beurteilung der digitalen Mammografie ist die Film-Mammografie. In den vergangenen Jahren haben Forscher die Leistungsfähigkeit beider Röntgenuntersuchungen an über 50 000 Frauen miteinander verglichen. Diese Vergleiche zeigen, dass für digitalen Mammografie grundsätzlich dieselben Grenzen gelten wie für die Film-Mammografie.
Wie oft liefert die Untersuchung falsche Befunde?
Nach den bisherigen Studien kommt es bei der digitalen Mammografie etwa ebenso oft zu Fehlern und falschen Befunden wie bei der Film-Mammografie. Allerdings hängt die Fehlerrate spürbar von der Struktur des Brustgewebes ab. Bei Frauen nach den Wechseljahren bildet sich das Drüsengewebe in der Brust zurück, wenn sie keine Hormone nehmen. Die Brüste erscheinen auf Röntgenaufnahmen dann transparenter und weniger „dicht“. Nach den Daten einer großen US-amerikanischen Studie sind beide Mammografie-Varianten bei Frauen ab 50 Jahren etwa gleich treffsicher: Beide Verfahren übersahen in dieser Studie etwa 4 von 10 Brusttumoren.
Bei Frauen mit dichtem Brustgewebe verschiebt sich die Bilanz leicht zugunsten der digitalen Variante: Erfahrene Ärzte übersehen dann auf digitalen Bildern etwas seltener eine bösartige Veränderung.
Die digitale Mammografie verringert aber nicht das Risiko, dass eine Untersuchung einen falschen Alarm auslöst. Fehlbefunde, bei denen ein Arzt auf einem Röntgenbild eine verdächtige Stelle entdeckt, die sich dann nach weiteren Untersuchungen als harmlos herausstellt, kommen bei beiden Verfahren etwa gleich häufig vor. Von 100 Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren, die an dem derzeit im Aufbau befindlichen Früherkennungsprogramm für Brustkrebs teilnehmen, müssen etwa fünf mit einem falschen Befund rechnen. Betrachtet man diese Zahlen im Zusammenhang, dann kommen bei der digitalen Mammografie bei Frauen zwischen 50 und 69 Jahren letztlich etwa sieben falsche Verdachtsfälle auf einen entdeckten Tumor. Bei Frauen unter 50 Jahren liegt die Rate der falschen Befunde doppelt so hoch. Die Bilanz ist damit ebenfalls vergleichbar mit der Film-Mammografie.
Konsequenzen
Wenn bei einer digitalen Mammografie eine Auffälligkeit entdeckt wird, schließen sich dieselben Nachuntersuchungen an wie bei der Film-Mammografie.
Nutzen
Für die Film-Mammografie ist durch gute Studien nachgewiesen, dass sie das Risiko verringern kann, an Brustkrebs zu sterben. Allerdings kann man dieses Ergebnis nicht ohne weiteres auf die digitale Mammografie übertragen. Der Grund liegt darin, dass bei einer digitalen Mammografie ein Teil der Tumore übersehen wird, die mit der Film-Mammografie gefunden werden. Vor allem bei Frauen über 50 Jahre könnte es durchaus möglich sein, dass sich unter den Tumoren, die die digitale Mammografie übersieht, „heilbare“ Tumore befinden, deren Entdeckung die Film-Mammografie ihren Nutzen zu verdanken hat. Wegen dieser Unsicherheit wird bei Frauen über 50 Jahre der Nutzen der digitalen Mammografie nur als "mit mittlerer Evidenz belegt" bewertet. Bei Frauen unter 50 Jahren steht dieser Unsicherheit im Einsatz der digitalen Mammografie jedoch der Vorteil gegenüber, dass sie generell mehr Tumore als die Film-Mammografie entdeckt. Deshalb wird bei jüngeren Frauen der Nutzen der digitalen Mammografie als „mit hoher Evidenz belegt“ bewertet.
Risiken
Durch das Verfahren
Bei der digitalen Mammografie werden Röntgenstrahlen verwendet. Dabei liegt die Belastung bei modernen, gut eingestellten Geräten und gut ausgebildetem Personal unter der zulässigen Strahlenbelastung. Insgesamt ist das direkte Risiko durch die Röntgenstrahlung gering. Theoretisch könnte die digitale Mammografie die Strahlenbelastung im Vergleich zur Film-Mammografie verringern, ob sie das im Rahmen der Früherkennung wirklich tut, ist noch unklar.
Durch die Folgen des Testergebnisses
Die Risiken der digitalen Mammografie liegen weniger in der Untersuchung selbst, sondern in den negativen Konsequenzen, die sich aus dem Befund der Untersuchung ergeben. Dazu zählen wie bei der Film-Mammografie falsche Verdachtsbefunde, die weitere Untersuchungen nach sich ziehen sowie die Diagnose von Gewebeveränderungen, die ohne Früherkennung nie bemerkt worden wären, so genannte Überdiagnosen. Für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren wird das Risiko als gering beurteilt, für jüngere Frauen jedoch wegen der hohen Rate falscher Verdachtsbefunde als erhöht. Für Frauen über 70 Jahre sind die Risiken nicht abschätzbar.
test-Bewertung
Die digitale Mammografie wird insgesamt etwas skeptischer als die Film-Mammografie bewertet, da unsicher ist, ob sie im gleichen Ausmaß die Heilungsaussichten einer Frau verbessert. Das direkte Risiko, das mit der Untersuchung verbunden ist, ist gering. Die durch einen falschen Befund bedingten indirekten Risiken der digitalen Mammografie sind bei Frauen zwischen 50 und 69 Jahren ebenfalls gering. Bei jüngeren Frauen unter 50 Jahren sind zwar die Risiken durch falsche Befunde erhöht, dem steht aber eine bessere Treffsicherheit gegenüber. Für Frauen zwischen 40 und 69 Jahren ist die digitale Mammografie zur Früherkennung von Brustkrebs mit Einschränkung geeignet.
Für Frauen über 70 Jahre sind weder Nutzen noch Risiken abschätzbar, die Abwägung fällt somit negativ aus. Die digitale Mammografie ist für Frauen über 70 Jahre nicht geeignet.
Kassen- oder Wahlleistung
Im Rahmen des deutschen Früherkennungsprogramms dürfen auch digitale Geräte eingesetzt werden, wenn sie bestimmte Anforderungen erfüllen. Außerhalb dieses Früherkennungsprogramms verbietet die Röntgenverordnung, dass die digitale Mammografie zur Früherkennung eingesetzt werden darf.
Kosten
Für Frauen, die am deutschen Früherkennungsprogramm teilnehmen, ist eine digitale Mammografie in den Früherkennungszentren kostenlos. Für eine digitale Mammografie kann laut Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) neben den Kosten für eine Film-Mammografie (GOÄ-Ziffer 5 266) pro Seite zwischen 26 Euro und 48 Euro ein Zuschlag in Höhe von etwa 7 Euro für die digitale Untersuchung in Rechnung gestellt werden (GOÄ-Ziffer 5 298).
Situation in Österreich
Die digitale Mammografie ist kein Bestandteil der kostenlosen Gesundheitsvorsorge in Österreich. Ist die digitale Mammografie medizinisch begründet, so werden die Kosten dafür von den Kassen übernommen. Für Privatleistungen können Ärzte in Österreich mit den Patienten das Honorar frei vereinbaren. Ein Anhaltspunkt: Die Wiener Gebietskrankenkasse zahlt den Ärzten für eine digitale Mammografie 76,31 Euro.
