19.01.2009

Brustkrebs

Computerunterstützte Mammografie

Allgemeines

Die „computerunterstützte Mammografie-Auswertung“ (englisch: computer-aided detection, CAD) ist ein Zusatzverfahren zur Mammografie, das Fehlurteile bei der Beurteilung von Röntgenaufnahmen der Brust vermeiden helfen soll. Kernstück dieser Methode sind spezielle Computerprogramme, die für Krebs charakteristische Muster auf digitalisierten Röntgenbildern erkennen und Ärzte bei der Auswertung von Mammografien unterstützen sollen.

Durchführung

Zunächst werden meist herkömmliche Röntgenbilder angefertigt (siehe auch „Film-Mammografie“). CAD-Systeme kommen erst anschließend zum Einsatz. Zuerst werden die Röntgenfilme mit einem hochauflösenden Scanner zu einer Bilddatei digitalisiert. Danach werden die Daten von der speziellen Software des CAD-Systems nach Mustern abgesucht und auffällige Stellen farblich gekennzeichnet. Anschließend muss ein Arzt beurteilen, ob die markierten Bereiche tatsächlich verdächtig sind.

Störeinflüsse

Voraussetzung für den Einsatz von CAD-Systemen sind scharfe, technisch einwandfreie Mammografien, die den üblichen Qualitätsanforderungen genügen müssen. Beim Einscannen eines Bildes können feine Details verloren gehen.

Treffsicherheit

Systeme zur computerunterstützten Auswertung von Mammografien werden seit Mitte der 1990er-Jahre erprobt, doch bislang gibt es keine zuverlässigen Vergleiche, ob die Systeme wirklich die Fehlerrate verringern. Aus den bisherigen Studien lassen sich folgende Angaben zur Treffsicherheit abschätzen.

Wie oft liefert die Untersuchung falsche Befunde?

Maßstab für die Beurteilung eines CAD-Systems ist der Vergleich mit ausgebildeten Ärzten. In verschiedenen Tests an unterschiedlichen Gruppen von Frauen haben Ärzte umgerechnet auf 10 000 Frauen zwischen 30 und 50 Brusttumore entdeckt, beim Einsatz eines CAD-Systems waren es 1 bis 7 Tumore mehr. Allerdings handelte es sich bei den zusätzlich entdeckten Veränderungen vor allem um In-Situ-Karzinome, deren Gefährlichkeit umstritten ist. Im bislang größten Test an über 50 000 Frauen brachten CAD-Systeme keinen Vorteil. Insgesamt ist davon auszugehen, dass auch nach Einsatz derzeitiger CAD-Systeme etwa ein Viertel bis ein Drittel der gefährlichen Brusttumore nicht gefunden wird, die Fehlerrate also nicht spürbar verringert wird. Wegen dieser falsch-negativen Befunde kann man selbst bei einem unauffälligen Ausgang der Untersuchung nicht sicher sein, dass kein Krebs heranwächst.

Offenbar können CAD-Systeme auch nicht besser als Ärzte zwischen gutartigen und bösartigen Befunden unterscheiden. In verschiedenen Studien wurden mit beiden Verfahren zwischen 60 und 120 von 1 000 Frauen wegen eines "verdächtigen" Befundes zu weiteren Untersuchungen geschickt, der sich dann als Fehlalarm herausstellte. Insgesamt kommen nach den bisherigen Daten 20 bis 30 Fehlalarme auf einen entdeckten Tumor. Allerdings muss man bei dieser Bilanz beachten, dass sie aus den USA stammt. Dort stellen Ärzte wesentlich häufiger falsche Verdachtsdiagnosen als Ärzte in Europa.

Konsequenzen

Wenn mit Computerunterstützung eine Auffälligkeit entdeckt wird, schließen sich dieselben Nachuntersuchungen an wie bei einer Film-Mammografie.

Nutzen

Ziel des Einsatzes von CAD-Systemen ist es, die Heilungschancen von Brustkrebs zu verbessern und so die Zahl der Frauen, die an Brustkrebs sterben, zu verringern. Bislang ist unklar, ob die Ergänzung zur Mammografie durch CAD-Systeme die Bilanz verbessert. Auch wenn die Methode mehr Tumore entdecken sollte, muss das nicht bedeuten, dass damit die Heilungschancen der Frauen steigen. Dazu muss in Studien untersucht werden, welche Art von Tumoren in welchen Stadien gefunden werden. Insgesamt ist der Nutzen von CAD-Systemen zur Ergänzung der Mammografie bislang nicht abschätzbar.

Risiken

Durch das Verfahren

Bei einer Mammografie werden Röntgenstrahlen verwendet, die in sehr seltenen Fällen selbst Brustkrebs auslösen können (siehe „Film-Mammografie“). Der Einsatz von CAD-Systemen birgt keine zusätzlichen Risiken.

Durch die Folgen des Testergebnisses

Auch beim Einsatz von CAD-Systemen liegen die Risiken weniger in der Untersuchung selbst, als in den negativen Konsequenzen, die sich aus dem Befund der Untersuchung ergeben können. Dazu zählen wie bei der Film-Mammografie falsche Verdachtsbefunde, die weitere Untersuchungen nach sich ziehen und die Diagnose von Gewebeveränderungen, die ohne Früherkennung nie bemerkt worden wären, so genannte Überdiagnosen. Insgesamt werden die durch CAD-Systeme bedingten Risiken als gering eingeschätzt.

test-Bewertung

Bislang gibt es keinen Beleg dafür, dass der Einsatz von CAD-Systemen die Bilanz einer Film-Mammografie verbessert. Solange kein zusätzlicher Nutzen für die Frauen nachgewiesen ist, fällt die Abwägung von Nutzen und Risiken eher negativ aus. Diese Bewertung bezieht sich nur auf den Einsatz zusätzlicher Auswertungssysteme, nicht auf den Nutzen der Mammografie als solche. Das Verfahren ist zur Früherkennung von Brustkrebs nur wenig geeignet.

Kassen- oder Wahlleistung

Der Einsatz von CAD-Systemen ist keine Kassenleistung.

Kosten

Bislang gibt es keine Regelung, wie der Einsatz von CAD-Systemen im Rahmen der Früherkennung von Brustkrebs vergütet werden soll.

Situation in Österreich

Die Auswertung von Röntgenaufnahmen der Brust durch CAD-Systeme ist kein Bestandteil der kostenlosen Gesundheitsvorsorge in Österreich. Ist die computerunterstützte Auswertung medizinisch begründet, so werden die Kosten dafür von den Kassen übernommen. Für Privatleistungen können Ärzte in Österreich mit den Patienten das Honorar frei vereinbaren. Ein Anhaltspunkt: Die Wiener Gebietskrankenkasse zahlt Ärzten für eine solche Auswertung 110 Euro.

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