Winterreifen: Schwarz, breit, wasserscheu

Winterreifen Test

test 10/2003

Schon Kompaktautos ohne sportliche Ambitionen werden heute zunehmend extrabreit bereift. Wer Winterreifen dieser Formate aufzieht, handelt sich aber vor allem bei Nässe deutliche Nachteile ein.

Winterreifen

Wer die satte Optik extrabreiter Pneus schätzt, braucht darauf auch in der Wintersaison nicht zu verzichten. Erstmals prüften wir Winterreifen der Dimension 225/45 R17 V. Dazu die Standardgröße 195/65 R15 T, die teilweise auf den gleichen Fahrzeugen verwendet werden kann, was den direkten Vergleich ermöglicht. Außerdem waren 19 Kleinwagenreifen des Formats 185/60 R14 T im Test, darunter auch vier Ganzjahresreifen und drei Runderneuerte. Als Testwagen wurden Audi A4 Avants für die beiden größeren Dimensionen und VW Polos für die Kleinwagenreifen eingesetzt. Eine Auswahl weiterer Fahrzeuge, auf die die geprüften Reifengrößen passen, finden Sie in „Die Testreifen passen auf diese Autos“.

Erwartungsgemäß boten die Breitreifen mit ihren niedrigen Querschnitten – die Reifenflanken von 45er Reifen sind nicht einmal halb so hoch wie die Lauffläche breit – nur „befriedigenden“ Federungskomfort. Die Domäne der bis zu Tempo 240 schnellen Walzen ist die trockene Fahrbahn. Auf der Nordschleife des Nürburgrings bewiesen sie hohe Spurtreue und lagen im Schnitt eine Note besser als die 195 Millimeter breiten Standardreifen. Keine nennenswerten Unterschiede zeigten sich bei unseren Fahrversuchen indes auf Eis und Schnee. Hier bewiesen die 225er Breitreifen eine erstaunlich hohe Qualität. Bemerkenswert ist außerdem das leise Abrollgeräusch der getesteten Breitreifen.

Breite fahren „Wasserski“

Winterreifen Test
Audi A4-Avant als Testwagen für die 225er und die 195er Reifen.

Im Winter ist in unseren Landen die nasse Fahrbahn aber der häufigste Straßenzustand. Und hier erlebten die Breitreifen ein wahres Debakel: Alle sechs Fabrikate erhielten im Aquaplaningtest auf gerader Straße die Note „mangelhaft“. Vier davon zusätzlich auch noch beim Aquaplaningtest in Kurven. Grund für uns, das test-Qualitätsurteil abzuwerten: Vier Mal „ausreichend“ lautet die Bilanz und nur der Continental WinterContact TS 790 und der Dunlop SP Winter Sport M3 schafften gerade noch ein „Befriedigend“. Klare Em­pfehlung: In Regionen mit regenreichen Wintern ist dem Standardformat 195/65 R15 T der Vorzug zu geben. Diese Reifen lassen auch etwas mehr Raum im Radkasten, sodass problemlos Schneeketten aufgezogen werden können, was bei den Breitreifen nicht immer der Fall ist. Gerade bei tiefer gelegten Autos würden Schneeketten auf Breitreifen die Freigängigkeit behindern – vor allem der eingeschlagenen Vorderräder. Fahrzeughersteller empfehlen als M+S-Bereifung (M+S steht für Matsch und Schnee) meist etwas schmalere Formate. Die Bereifungsalternativen sind im Fahrzeugschein aufgeführt. Im Zweifel helfen der Reifenfachhandel oder die Autowerkstatt weiter.

Guter Standard

Winterreifen Test
Als Testwagen für die Dimension 185/60 R14 T wurden VW Polos eingesetzt.

Bei den Standardreifen der populären Dimension 195/65 R15 T kann der Kunde gleich zwischen sechs „guten“ Fabrikaten wählen. Im Endresultat hatte der Michelin Alpin A2 knapp die Nase vorn – nicht zuletzt wegen seiner guten Umwelteigenschaften. Der preiswerteste Rei­fen unter den fünf weiteren „guten“ war der Maloya Cresta 220 mit einem Stückpreis von 62 Euro. Aber auch die anderen Fabrikate sind mit 80 bis 90 Euro nicht einmal halb so teuer wie die 225er Reifen. Die schlagen mit rund 200 Euro pro Stück zu Buche. Alle Preise verstehen sich ohne Nebenkosten, die für Ventil, Montage, Auswuchten sowie gegebenenfalls für Altreifenentsorgung und Felgen entstehen.

Da es bei Reifen vor allem auf die Ausgewogenheit ankommt, wirkten sich herausragende Eigenschaften in einzelnen Prüfpunkten nicht unbedingt auf das Qualitätsurteil aus. So erreichten – trotz „sehr guter“ Wertung auf Schnee – der Pirelli Winter 190 Snowcontrol insgesamt nur ein „Befriedigend“ und der Marshal I`zen KW 15 nur ein „Ausreichend“. Sechs Reifen der Größe 195 wurden wegen Schwächen im Hauptprüfpunkt „Nasse Fahrbahn“ abgewertet. Insgesamt fiel in beiden Größen auf: Die Noten innerhalb der einzelnen Testabschnitte unterscheiden sich meist nur um eine Stufe.

Auch die beiden Ganzjahresreifen der Standardgröße schnitten „befriedigend“ ab: der Goodyear Vector 5 und der Nokian WR, der namentlich zwar ein Winterreifen ist (WR), auf der Nokian-Homepage aber ausdrücklich als Reifen für vier Jahreszeiten beworben wird.

Wirtschaftlichkeit zählt

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Mit einer Radwalze wird die Passstrecke vor den Testfahrten präpariert.

Besitzer von Kleinwagen oder älteren Kompaktwagen stellen besondere Anforderungen an ihre Autoreifen. Neben der Qualität schauen sie kritischer auf den Preis und die Haltbarkeit. Im Testfeld der 19 Kleinwagenreifen tauchen deshalb gleich vier Ganzjahresreifen und drei runder­neuerte auf. Für runderneuerte Reifen wird eine gebrauchte Karkasse verwendet, die nach gründlicher Auswahl, Überprüfung und Vorbehandlung mit einem frischen Laufstreifen aufgummiert wird. Das spart Rohstoffe und Energie, vermeidet Abfall und ermöglicht auch günstige Preise. Keiner der geprüften runderneuerten Reifen in der Größe 185/60 R14 T kostet mehr als 40 Euro. Ihr Profilbild entspricht dem des Continental WinterContact TS 780. Ganzjahresreifen sind dagegen meist nicht billiger als reine Sommer- oder Winterreifen. Sie ersparen aber die Kosten für einen Satz Felgen sowie zwei Mal pro Jahr für die Montage und Einlagerung. Und wer wenig fährt, nutzt diese Reifen effektiver, bevor sie altersbe­dingt – nach etwa sechs Jahren – an Haftung verlieren.

Michelin wieder vorn

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Aquaplaningtest: Das an einer Schiene geführte Auto beginnt zu schwimmen.

Auch in der Testgröße 185/60 R14 T schnitten mehrere Fabrikate ähnlich „gut“ ab. Und wie bei den 195ern hat auch hier der Michelin Alpin A2 die Nase vorn. Bester Ganzjahresreifen war der Goodyear Vec­tor 5. Nach der Abwertung wegen nur „befriedigender“ Qualität auf nasser Fahrbahn verpasste er allerdings mit der Note 2,6 haarscharf das test-Qualitätsurteil „gut“. Knapp dahinter folgen der deutlich preiswertere Hankook Centum H 720 sowie der Toyo Vario V1 und der Vredestein Quadrac 2.

Runderneuerte nicht weniger sicher

Und auch die drei runderneuerten Reifen erhielten am Ende das Qualitätsurteil „Befriedigend“. Am besten war der Rigdon M+S 178 mit der Note 2,9. Der lautere und weniger verschleißfeste Ökon MS 780 erreichte 3,1, der Condor Winter 4 nur die Note 3,3. Er schaffte auch unseren verschärften Schnelllauftest nicht. In solchen Fällen prüfen wir einen weiteren Reifen nach der etwas milderen DIN-Vorschrift. Diesen Test schaffte der Reifen. Deshalb lautet die Wertung „bedingt bestanden“ (siehe Tabelle).

Die oft geäußerte Befürchtung, runderneuerte Reifen wären bei hohem Tempo grundsätzlich weniger sicher, widerlegt dieser Test. Die beiden runderneuerten Reifen Rigdon und Ökon haben im Unterschied zum Condor selbst den verschärften Hochge­schwin­dig­keits­test klag­los verdaut. Andererseits machten da auch zwei Neureifen schlapp. Alle drei Hersteller, Ihle (Rigdon), Reiff (Condor) und Schwarz (Ökon) gehören dem Arbeitskreis Industrieller Runderneuerer AIR an, der sich auf Sicherheits- und Qualitätsstandards festgelegt hat.

Rechtzeitig kaufen

Winter ist nicht erst, wenn es schneit. Wegen ihrer speziellen Gummimischung haften Ganzjahres- und Winterreifen bei abnehmenden Temperaturen schon unter zehn Grad plus besser als Sommerreifen. Wer schon im Oktober umbereift, trifft diesen Temperaturbereich und findet im Reifenhandel noch eine breite Auswahl. Er vermeidet lange Wartezeiten und kann die neuen Reifen noch auf trockener Straße einfahren.

Die Preisrecherchen für unseren Test bestätigten erneut, dass Preisspannen von 30 Euro pro Reifen keine Seltenheit sind – bei den Breitreifen sogar über 70 Euro. Der Vergleich lohnt also. Weil zum Reifenpreis stets noch die erwähnten Nebenkosten hinzukommen, sollten Sie stets nach den Gesamtkosten fragen.

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