Sommerreifen: Die Straße fest im Griff
Kaum größer als eine Hand ist die Kontaktfläche zwischen einem Autoreifen und der Straße. Profil und Gummimischung müssen stimmen, um auf nasser und trockener Fahrbahn stets gut zu haften – auch bei hohem Tempo.
Die Zeiten, in denen Kleinwagen eher schwach motorisiert waren, sind längst vorbei. Für die GTI-Fraktion ist Tempo 200 keine magische Grenze mehr. Damit kein Missverständnis aufkommt: Hier soll niemand zum Rasen ermuntert werden. Klar ist aber: Autos mit höheren Fahrleistungen brauchen auch Reifen, die ein entsprechendes Sicherheitspotenzial aufweisen, um bis 210 Kilometer pro Stunde Haftung zu bieten und das Auto im Notfall schnell zum Stehen zu bringen.
In der Größe 185/60 R14 H, die zum Beispiel auf dem aktuellen Polo und Punto, aber auch auf älteren Kompaktwagen, zum Beispiel dem Golf III, montiert sind, traten im Test 16 Sommer- und ein Ganzjahresreifen an. Wir haben ihre Qualitäten auf nasser und trockener Piste geprüft. Schnelle, schwerere Mittelklasseautos sind oft mit V-Reifen bestückt, die bis zu 240 Kilometer pro Stunde schnell sein dürfen, wenn es die Wetter- und Verkehrslage erlauben. Aus diesem Segment untersuchten wir 14 Reifen der populären Dimension 195/65 R15 V, im Test montiert auf Audi A4 Avant.
Die Prüfungen auf nassen und trockenen Straßen wurden ergänzt durch die Komfortwertung. Da kam es auf den Federungskomfort und die Geräuschentwicklung der Reifen im Fahrzeuginnenraum an sowie die Umwelteigenschaften, die sich aus den Noten für Verschleiß, Rollwiderstand und Außengeräusch zusammensetzen.
Am wichtigsten waren uns die Fahr- und Bremseigenschaften bei Nässe. Nicht nur, weil das ein häufiger Straßenzustand ist, sondern auch, weil die Anforderungen an die Reifen hier deutlich höher sind als auf trockener Piste. Fünf Reifen lagen nach den Handlingtests, den Brems- und Aquaplaningversuchen und dem Befahren der bewässerten Kreisbahn punktgleich an der Spitze: der 185er Reifen Bridgestone New Turanza ER 70, die 195er Reifen Maloya Futura Sport V und Vredestein Sportrac 2 sowie Toyo Roadpro R 610 A in beiden Testgrößen. Bei sieben Reifen im Test führte das Ergebnis bei Nässe zur Abwertung des test-Qualitätsurteils, der Ganzjahresreifen Goodyear Eagle Vector EV-2 verpasste dadurch haarscharf die Note „gut“.
Um die Spurtreue bei hohen Geschwindigkeiten zu bewerten, fuhren wir die Reifen auf der Nordschleife des Nürburgrings. Die „grüne Hölle“ verlangte ihnen die letzten Reserven ab. Die 195er Hochgeschwindigkeitsreifen absolvierten den Rundkurs durchweg „gut“ bis „sehr gut“. Spitzenwerte lieferte der Fulda Carat Attiro, knapp gefolgt vom Goodyear Eagle NCT 5 und vom Dunlop SP Sport 01. Fulda und Dunlop liegen auch bei den 185ern Reifen vorn, teilen sich dort den Spitzenplatz aber mit Bridgestone, Hankook und Pirelli P6. Weniger bravourös verhielt sich auf trockener Piste der Barum Bravuris. Als einziger Reifen im Test verfehlte er hier sogar die Note „Gut“.
In der Komfortwertung galt es, zwei gängige Vorurteile zu überprüfen: Reifen mit niedrigerem Querschnitt federn schlechter und breitere Reifen sind lauter. Unser Test beweist, dass nur die erste These stimmt: Die breiteren Reifen mit 65er Querschnitt federn teilweise besser, sind aber oft sogar leiser als die schmaleren Reifen mit 60er Querschnitt. Eine deutliche Verbesserung zeigt sich im Vergleich zum Vorjahrestest, bei dem nur vier Fabrikate guten Komfort boten. Freilich waren das andere Dimensionen und Geschwindigkeitsklassen. Die Reifen waren zudem auf anderen Autos montiert. Im aktuellen Test ist der Goodyear Eagle NCT 5 der komfortabelste „gute“ 195er, während in der kleineren Größe nur einer, der Hankook Optimo K 406, die Hürde zum „Gut“ schaffte. Sowohl die Noten für die Federung als auch für das Innengeräusch waren oft um eine Stufe schlechter als bei den breiteren Reifen.
Umwelteigenschaften
Große Unterschiede in der Haltbarkeit offenbart der Verschleißtest der 185er Reifen. Der Ganzjahresreifen Goodyear Vector Eagle rechtfertigte durch seine lange Haltbarkeit den höheren Preis, während der billige Matador, aber auch der Dunlop am schnellsten an Profil verloren. Der Rollwiderstand der 185er ist ausgewogen niedrig, bei Lassa und Fulda etwas höher und beim Michelin als einzigem Reifen sehr niedrig. Die Außengeräusche lagen in dieser Gruppe durchweg im mittleren Bereich von „befriedigend“ bis „ausreichend“. In der Summe der Umwelteigenschaften reichte es neben dem Goodyear-Ganzjahresreifen nur noch beim Michelin Energy und Nokian NRH 2 zum „Gut“.
Geringer fielen die Unterschiede bei den 195er Reifen aus. In allen drei Kriterien lagen die Resultate zwischen „gut“ und „befriedigend“. Der Continental PremiumContact und der Michelin Energy erreichten in den Umwelteigenschaften eine „gute“ Note.
Schnelllauf meist bestanden
Eine anspruchsvolle Prüfung ist der Schnelllauftest auf dem Außentrommelprüfstand. Hier gehen wir mit der Höchstgeschwindigkeit um 10 km/h über den Nennwert hinaus. Die H-Reifen mussten also bis 220, die V-Reifen sogar bis Tempo 250 schadlos überstehen. Das erfreuliche Resultat: Mit Ausnahme des Pirelli P6 – der nur die Mindestanforderungen der Norm erfüllte – haben alle geprüften Reifen diesen Test ohne Einschränkung bestanden.
Einer für alle?
In den letzten Reifentests hat sich der Ganzjahresreifen Goodyear Vector 5 stets als gute Alternative zur Saisonbereifung herausgestellt. Doch mit der Geschwindigkeitskennziffer T war der Allrounder auch im Sommer nur bis Tempo 190 zugelassen. Im aktuellen Vergleichstest der bis zu 210 km/h schnellen H-Reifen musste nun ein H-Ganzjahresreifen seine Eignung beweisen. Der Goodyear Eagle Vector EV-2 verpasste am Ende ein „gutes“ test-Qualitätsurteil um Haaresbreite. Der Grund: Auf nasser Fahrbahn war er nur „befriedigend“.
Was sie kosten
Vergleicht man die mittleren Preise, kann ein Satz „guter“ 185er Sommerreifen 176 Euro (Hankook Optimo K 406), aber auch 292 Euro (Michelin Energy E3A) kosten. Dabei ist der im Vergleich zum Michelin um 40 Prozent preiswertere Hankook in einigen Prüfpunkten sogar besser als der teurere. Auch die Preise bei verschiedenen Händlern unterscheiden sich nach unseren Recherchen um bis zu 28 Euro pro Reifen. Vier neue 195er Pneus kosten für den Michelin Energy E3A 416 Euro. Als preiswerte Alternative empfiehlt sich der Maloya Futura Sport V für nur 264 Euro pro Satz. Der Vergleich bei Händlern offenbarte in dieser Reifengröße eine Preisspanne von bis zu 43 Euro pro Reifen.
Neben dem Reifenpreis fallen für die Montage, das Auswuchten, ein Ventil und die Altreifenentsorgung noch Nebenkosten an, die zwischen 8 und 15 Euro pro Rad betragen können. Unser Tipp: Fragen Sie stets nach dem Komplettpreis.
Aus logistischen Gründen bestücken Autobauer Neufahrzeuge oft mit Hochgeschwindigkeitsreifen, die aufgrund der Fahrleistungen gar nicht erforderlich wären. Ist der erste Satz Reifen abgefahren, kann man bei einem basismotorisierten Kleinwagen durchaus die preiswerteren T- statt teurer H-Reifen montieren. Für Fahrzeuge der unteren Mittelklasse ist wiederum der H-Reifen eine kostengünstigere Alternative zum V-Reifen. Stichprobenvergleiche ergaben einen Preisvorteil von bis zu 30 Euro pro Reifen. Welches Höchsttempo jeweils den Kennbuchstaben auf den Reifen zugeordnet ist, zeigt unsere Übersicht „Immer schneller“.
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