30.09.2005

Partnersuche: Im Netz der einsamen Herzen

Partnervermittlungs-Institute: Viel Geld für wenig Service

Partnersuche Test
Happy End eher fraglich. Klassische Partnervermittlungen sind vor allem teuer.

Auch klassische Partnervermittlungsinstitute finden noch ihr Publikum. Wir haben die Beratung von sieben An­bietern durch eine Frau und einen Mann getestet.

Wer teure Verträge verkaufen will, muss selbst etwas hermachen. Das traf auf die Münchner Vertreter von sieben großen Partnervermittlungsinstituten perfekt zu – alles selbstbewusste Frauen in den Vierzigern oder Fünfzigern. Eigene repräsentative Büroräume hat in München offenbar nur Christa Appelt. Andere empfingen in zeitweise angemieteten Büros oder in einer Hotellobby. Bei Fragen zur Karteigröße und den Erfolgsaussichten wurden die ansonsten redegewandten Damen plötzlich recht einsilbig. Ausweichende Antworten („Hauptsache der Richtige ist für Sie dabei“) waren hier die Regel. Was die Institute für Standardpreise von rund 2 500 bis weit über 6 000 Euro leisten wollen, ist dürftig. Letztlich verspre­chen sie nicht viel mehr, als Partnerprofile aus ihren Karteien weiterzureichen. Feste Tarife scheint nur Appelt zu haben. Sonst wurden den Testern unterschiedliche Preise und Rabatte genannt. Kassiert wird im Voraus, Ratenzahlungen wurden fast immer abgelehnt. Die ausgehändigten Verträge erwiesen sich als weitgehend inhaltsleer, wenn es um die Leistungen geht.

Akademikerkreis

Atmosphäre: Die Beratung fand in einem Wohnbüro statt. Nach einem anfänglich freundlichen Monolog der Beraterin wurde der Ton immer schärfer, um zu einem Vertragsabschluss zu kommen.

Arbeitsweise: Akademiker und Menschen in Führungspositionen sollen zusammen­­ge­führt werden. Ausgeschlossen sind körperlich und seelisch Behinderte. Unsere Testerin wurde als figürlich nicht passend abgelehnt.

Kosten: Zunächst wurden dem Tester 3 900 Euro genannt. Später 3 250 Euro für vier Monate und schließlich als Sonderpreis 850 Euro pro Monat. Alles plus Mehrwertsteuer.

Fazit: Macht auf elitär, übt psychischen Druck aus, teuer. Vertragsformulare wurden nicht herausgegeben.

Christa Appelt

Atmosphäre: Beratung in einem Büro mit angenehmer Atmosphäre, sachlich ohne Druck. Fragen waren eher allgemein. Einsicht in Partnerprofile mit Foto.

Arbeitsweise: Der Kunde erhält Profile mit Fotos von möglichen Partnern. Wenn beide einverstanden sind, bekommt der Mann die Telefonnummer der Frau. Die Treffen müssen selbst organisiert werden.

Kosten: Sechs Monate Laufzeit für 4 900 Euro oder unbegrenzte Laufzeit für 6 900 Euro.

Fazit: Wirkt vergleichsweise seriös, simples Verfahren, teuer. Einen Vertrag erhalten.

Ernestine

Atmosphäre: Beratung in einer Hotel­lobby. Den Testern wurden viele persön­liche Fragen gestellt, vor allem zum finan­zi­ellen Status.

Arbeitsweise: Der Kunde erhält etwa zehn Partnerprofile ohne Foto. Die Treffen müssen selbst organisiert werden.

Kosten: 3 500 Euro für etwa zehn Partner­vorschläge.

Fazit: Simples Verfahren, teuer. Vertrag konnte einmal kurz eingesehen werden.

Esprit

Atmosphäre: Beratung im Büro und im Garten des Privathauses. Freundlich und angenehm. Fragen zur Person. Einsicht in Partnerprofile.

Arbeitsweise: Es werden anhand von Partnerprofilen Vorschläge gemacht. Esprit organisiert das Treffen.

Kosten: 5 000 Euro für ein Jahr (Mann). 2 500 Euro für neun Monate (Frau).

Fazit: Wirkt vergleichsweise seriös, simples Verfahren, teuer. Verträge erhalten.

Regine Sabe

Atmosphäre: Beratung in einem Büro. Sachlich und ohne Druck. Einsicht in Partnerprofile.

Arbeitsweise: Profilerstellung anhand eines Persönlichkeitstests. Partnervor­schläge ohne Foto. Treffen muss selbst organisiert werden.

Kosten: 4 500 Euro für sechs Monate (Mann). 4 000 Euro unbegrenzt (Frau).

Fazit: Wirkt vergleichsweise seriös, teuer. Vertrag wurde nur einmal herausgegeben.

Sympathica

Atmosphäre: Beratung einmal in einer Hotellobby, einmal im Büro. Professionell und freundlich. Viele Fragen zur Person.

Arbeitsweise: Es werden Partnerprofile anhand eines Fragebogens erstellt. Treffen muss selbst organisiert werden.

Kosten: Unterschiedliche Angaben. 6 000 Euro für unbegrenzte Dauer, 3 900 Euro für drei Monate aktive Betreuung, 2 200 Euro für drei Vorschläge (Mann).

Fazit: Wirkt vergleichsweise seriös, teuer.

Vertrag wurde nur einmal herausgegeben.

Doris Wilk

Atmosphäre: Beratung in einer Hotellobby. Freundlich, viel Smalltalk.

Arbeitsweise: Es werden Partnerprofile erstellt. Kunden können Fotos freigeben. Treffen muss selbst organisiert werden.

Kosten: Mann: 3 500 Euro für unbegrenzte Betreuung. Frau: 5 800 Euro für ein Jahr oder 3 500 Euro für sechs Monate.

Fazit: Simples Verfahren, teuer. Vertrag wurde nur einmal herausgegeben.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Testtabelle: Partnervermittlungen

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