Autoversicherung: Neues Spiel, neues Glück
Die Autoversicherer führen eine neue Tarifstruktur ein. Sie legen Typklassen und Schadenfreiheitsklassen neu fest. Wer nicht zu viel zahlen möchte, sollte jetzt Preise vergleichen.
Dieses Jahr sollte sich wirklich jeder überlegen, ob er die optimale Autoversicherung hat. Denn viele Versicherer haben die neue Typklassenstruktur in der Kaskoversicherung eingeführt, die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft ihnen empfohlen hat. Andere werden sie bis Anfang 2004 noch einführen.
Das wirbelt das Preisgefüge kräftig durcheinander. Weil die Karten im Tarifpoker neu gemischt werden, sollten auch die Versicherungskunden nicht untätig bleiben. Die neue Struktur gilt zwar nur für neu abgeschlossene Teilkasko- und Vollkaskoversicherungen. Für alte Verträge gilt weiterhin die alte Typklassenstruktur. Trotzdem sollte jeder Versicherte, der schon eine Kasko hat, jetzt seinen Vertrag überprüfen.
Er kann sich von seinem Unternehmen ausrechnen lassen, ob er nach der neuen Typklassenstruktur weniger Beitrag für seine Teilkasko- oder Vollkaskoversicherung zahlen müsste. Wenn ja, kann er seinen Vertrag umstellen lassen. Ein Neuvertrag bedeutet aber auch immer neue Bedingungen.
In der Haftpflichtversicherung gilt keine neue Typklassenstruktur. Allerdings lohnt auch hier immer wieder ein Preisvergleich. Denn die Beitragsunterschiede sind riesig, wie unsere Beispiele auf den folgenden Seiten zeigen.
Um die Preise für alle vergleichbar zu machen, haben wir für unsere Tabellen einen Modellkunden gebildet. Für ihn haben wir das Beitragsniveau der Anbieter errechnet. Es zeigt, welche Unternehmen in unserem Test günstig oder teuer sind.
Ein niedriges Beitragsniveau sowohl in der Haftpflichtversicherung als auch in Haftpflicht plus Vollkasko bieten die Unternehmen Axa die Alternative, Huk 24, Huk-Coburg Allgemeine, deutsche internet und WGV Schwäbische Allgemeine. Ihre Angebote stehen allen Kunden offen.
Eine Frage des Typs
Die Typklasse hat großen Einfluss auf den Beitrag. Ist ein Fahrzeugmodell in viele und teure Unfälle verwickelt, gehört es in eine hohe Typklasse mit einem hohen Beitrag. Weil die Unfallstatistik sich aber ändert, erstellt die Versicherungswirtschaft jedes Jahr auf der Basis der Typklassenstruktur aktuelle Typklassenverzeichnisse. Jetzt gibt es also auch zwei solcher Verzeichnisse.
Aber auch die neue Typklassenstruktur wird in Zukunft immer wieder angepasst werden. Wird ein Automodell anders als bisher eingestuft, kann sich der Beitrag dafür ändern.
In der Haftpflichtversicherung gilt die alte Struktur weiter, das Verzeichnis wurde nur angepasst. 66 Prozent aller rund 13 000 Automodelle wurden so eingestuft wie im Vorjahr, bei den restlichen gab es Veränderungen. Der größte Teil davon wurde allerdings nur um eine Klasse nach oben oder unten umgestuft, nur 1,4 Prozent um zwei oder mehr Klassen. Beispielsweise verschlechterte sich der VW Passat Variant 2.4 V5 in diesem Jahr um drei Klassen.
Auch das alte Verzeichnis in der Kasko wurde angepasst. In der Vollkasko gab es bei fast jedem zweiten Modell Veränderungen. Meist ging es nur eine Klasse rauf oder runter. Gleich sechs Klassen schlechter wurde jedoch etwa der BMW X5 3,0i eingestuft.
In der Teilkasko gab es die meisten Veränderungen. 72,5 Prozent aller Modelle wurden umgestuft, auch hier die meisten nur um eine Klasse. Bei immerhin 23,3 Prozent der Modelle ging es aber um zwei Klassen oder mehr.
Eine Frage der Region
Die Versicherer registrieren auch, in welchen Regionen Deutschlands sie wie viel Geld in Haftpflicht und Kasko für die Regulierung von Schäden zahlen müssen. Eine Stadt, in der besonders viele Autos gestohlen werden, wird beispielsweise in der Teilkasko in eine hohe und teure Regionalklasse eingestuft. Denn die Teilkasko muss auch Diebstahlschäden regulieren.
In der Teilkaskoversicherung fahren die Würzburger am günstigsten. Denn hier müssen die Versicherer besonders wenig für die Regulierung von Schäden bezahlen. Von diesem Vorteil profitieren die Kunden.
Für die Vollkasko ist der Kreis Wesermarsch in Brake die günstigste Region. Der günstigste Zulassungsbezirk für die Haftpflicht ist der Kreis Elbe-Elster.
Fahren mit Rabatt
Eine sehr wichtige Rolle für den Beitrag in Haftpflicht und Vollkasko spielt die Zeit, die der Kunde unfallfrei gefahren ist. Die schadenfreien Jahre spiegeln sich in seiner Schadensfreiheitsklasse wider. Je höher die Klasse, desto höher ist der Rabatt auf den Beitrag. Wer künftig einen neuen Vollkaskovertrag abschließt, muss für den höchsten Rabatt länger unfallfrei fahren. Analog zur Haftpflicht gelten für neue Verträge in der Vollkasko künftig 25 statt bisher 18 Schadenfreiheitsklassen.
Erst nach mindestens 23 unfallfreien Jahren zahlt der Kunde dann nur noch 30 Prozent des Grundbeitrags. Bisher war dies schon nach 18 Jahren der Fall. Kunden, die 18 Jahre lang keinen Unfall von ihrem Versicherer regulieren lassen, zahlen künftig 40 statt 30 Prozent.
Rasant rückwärts
Für neue Kaskoverträge haben die Versicherer außerdem die sehr teure Schadenklasse M eingeführt. Wer dort eingestuft ist, zahlt 160 Prozent des Grundbeitrags. In diese Klasse kommt zum Beispiel ein Kunde, der einen Unfall mit seinem neuen Zweitauto hat. Bisher ist er in Schadenfreiheitsklasse 1/2 eingestuft und zahlt einen Vollkasko-Beitragssatz von 115 Prozent. Nach einem Unfall wird er in Klasse M zurückgestuft und muss einen Beitragssatz von 160 Prozent zahlen.
Eine schlechtere Schadenfreiheitsklasse macht den Beitrag oft gleich um mehrere Hundert Euro teurer. Ein Kunde, der nach 22 unfallfreien Versicherungsjahren einen Haftpflichtschaden verursacht, wird von der Schadenfreiheitsklasse 22 in die Schadenfreiheitsklasse 10 zurückgestuft. Statt wie bisher beispielsweise 362 Euro zu zahlen, muss er künftig einen Jahresbeitrag von 543 Euro aufbringen.
Wichtig für die Höhe des Beitrags sind auch der Beruf und das Alter des Fahrers sowie eine Reihe weiterer Kriterien (siehe Spalte „Das beeinflusst den Beitrag“ in der Tabelle „Jeder Kunde sollte prüfen“). Welcher Kunde von welchen Rabatten profitiert, entscheiden die Gesellschaften weitgehend in eigener Regie.
Manchmal kommt der Kunde aber selbst mit viel Rabatt nicht zu einem günstigen Beitrag, weil der Grundbeitrag des Versicherers sehr hoch ist. Deshalb sucht sich der Kunde besser zunächst Anbieter mit günstigem Beitragsniveau heraus und nimmt dann den, der ihm die meisten Rabatte gewährt.
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