Fahrrad-Federung: Der Klügere gibt nach
12.03.2012
Jedes Fahrrad federt. Selbst massives Stahlrohr gibt unter Belastung nach und federt wieder zurück, sobald der Druck nachlässt. Doch das sind Millimeter oder Bruchteile davon. Federgabeln und Hinterbaufederungen verschaffen den Rädern bis zu 20 Zentimeter zusätzlichem Raum zum Nachgeben. test.de erklärt, was es mit Fahrradfederungen auf sich hat.
Komfort durch dicke Reifen
Selbst Fahrräder ohne jede Federung im eigentlichen Sinne des Wortes federn - mehr oder weniger. Viel zusätzlichen Komfort können dicke Reifen vermitteln. Sie benötigen weniger Luftdruck und federn dadurch mehr und besser als dünnere Reifen. Dafür ist der Rollwiderstand höher.
Federung auch ohne Federn
Doch auch unabhängig von Reifen und Luftdruck sind auch ungefederte Fahrräder unterschiedlich komfortabel. Im direkten Vergleich ist der Unterschied deutlich spürbar: Wo sich das eine Rad bretthart anfühlt, fährt sich das andere deutlich weicher und komfortabler. Stahlrahmen und -gabeln sind in der Regel elastischer als solche aus Aluminium oder Carbon. Eine große Rolle spielt, wie stark die Sattelstütze nachgibt. Vor allem Anbieter hochwertiger sportlicher Fahrräder liefern ihren Kunden zusätzlichen Komfort, indem sie trotz hoher Belastbarkeit erstaunlich flexible Rohre aus Faserverbundmaterialien einsetzen.
Wo Nachgeben besser ist
Mehr oder weniger Nachgiebigkeit ist nicht besser oder schlechter. Entscheidend ist, was der Fahrer will und wo er unterwegs ist. Federung verringert die Kräfte, die bei Fahrbahnunebenheiten auf den Fahrer wirken. Allerdings: Wo immer Verformungen auftreten, geht Kraft verloren. Je nachdem, wo und in welche Richtung ein Fahrrad nachgibt, ändert sich das Fahrverhalten. Eine zu geringe Seitensteifigkeit kann dazu führen, dass ein Fahrrad sich bei höheren Geschwindigkeiten regelrecht zu schütteln beginnt. Federung kann allerdings auch schneller machen. Bei holperigem Untergrund sind passend gefederte Fahrräder effizienter unterwegs als starre. Die größten Federwege haben Freeride- und Downhill-Räder, die speziell für Sprünge und Abfahrten im Gelände konstruiert sind.
Wo Härte sich auszahlt
Klar: Der Einbau einer Federung macht Fahrräder schwerer und führt zu zusätzlichem Wartungsaufwand und Verschleiß. Wer ohne Federung fährt, spart Zeit und Geld und hat ein geringeres Risiko technischer Schwierigkeiten. Allerdings: Ein Mountainbike, City- oder Trekkingrad ganz ohne Federung zu finden, ist gar nicht so einfach. Federgabeln sind bei solchen Rädern so beliebt, dass viele Hersteller gar keine ohne mehr anbieten.
Flexibilität fürs Vorderrad
Standard an fast allen Fahrrädern jenseits von Renn- und Fitnessrädern: Federgabeln. Sie ermöglichen es dem Vorderrad, Fahrbahnunebenheiten auszuweichen und die sonst mit ihnen verbundene Erschütterung vom Fahrer fernzuhalten. Die meisten Federgabeln bestehen aus ineinander gesteckten Rohren, die gegeneinander federn. Technisch sind die Unterschiede dennoch gewaltig. Die Konstruktionen reichen von einfachen Stahlfedern über Kunststoffelastomere bis hin zu aufwendigen und kostspieligen Konstruktionen mit während der Fahrt verstellbarer Gasfederung und Öldämpfung. Die Anforderungen sind komplex: Federgabeln sollen so leicht wie möglich sein, so exakt wie möglich einfedern und sofort wieder in die Ausgangsposition zurückfedern ohne nachzuwippen. Um in ebenem Gelände oder bei Bergauffahrt keine unnötige Kraft zu verlieren, lassen sich viele Federgabeln vom Lenker aus während der Fahrt blockieren („Lockout“).
Sattel in Bewegung
Häufig sind vor allem an City- und Trekkingrädern auch gefederte Sattelstützen zu finden. Gebräuchlich sind Parallelogramm- und Teleskopfederungen. Den günstigeren Federweg haben Parallelogramm-Federungen. Sie geben leicht schräg nach hinten und unten nach, während Teleskop-Federungen nach vorne und unten und damit schräg zur Krafteinleitung einfedern. Technik, Kosten und Qualität sind wie bei Federgabeln höchst unterschiedlich.
Ausgleich auch am Hinterrad
Größtmögliche Federung bieten so genannte „Fullys“. Bei solchen voll gefederten Fahrrädern federt außer der Gabel auch das Hinterrad. Zahlreiche unterschiedliche Konstruktionen sind im Rennen. Entscheidender Unterschied sind wie bei allen anderen Federungen auch die Federwirkung, die Dämpfung und der Federweg. Die einfachste Lösung sind Eingelenk-Federungen. Das Hinterrad kann sich um einen Drehpunkt meist in der Nähe des Tretlagers bewegen und so Belastungen durch Fahrbahnunebenheiten ausgleichen. Um dem Hinterrad das Einfedern in Lastrichtung, also schräg nach hinten und oben, zu ermöglichen sind aufwendige Konstruktionen mit bis zu vier Gelenken auf dem Markt. Welche Konstruktion am günstigsten ist, hängt wiederum vom Einsatzzweck und von den Bedürfnissen des Fahrers ab.
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