Fahrradkauf
Die wichtigste Frage kann nur der Käufer selbst beantworten: Wo und wie er fahren will. Sie entscheidet darüber, welches Fahrrad sinnvoll ist. Außerdem wichtig: Größe, Körperproportionen und Gewicht. Erst mit diesen Informationen kann der Verkäufer ein gutes Rad erteilen.
Passform
Wichtigster Punkt und unabhängig vom Typ: Das Fahrrad muss zum Fahrer passen. Bei der Ermittlung der richtigen Rahmengröße helfen Faustformeln und Erfahrungswerte. Das Oberrohr muss so niedrig sein, dass der Fahrer es nicht berührt, wenn er es zwischen den Beinen hat. Der Lenker muss mindestens so weit vom Sattel entfernt sein, dass die Beine beim Fahren nicht an die Lenkstange stoßen. Wie aufrecht ein Radler sitzen möchte, ist eine Frage von Geschmack und Gewöhnung. Eine flache stark nach vorn geneigte Sitzhaltung bringt wegen des geringeren Luftwiderstands mehr Tempo. Komfortabler ist eine aufrechte Sitzhaltung.
Überschaubare Vielfalt
Alle Fahrräder haben einen Rahmen, zwei Räder, Sattel und Lenker. Das wars aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Für so ziemlich jeden Zweck gibt’s geeignete Fahrräder.
Cityrad
Im Fahrradhandel laufen sie sehr gut: Rund eine Million Cityräder verkaufen die Händler jedes Jahr - vor allen Dingen an Frauen und die „Generation 50 Plus“. City-Räder bieten eine bequeme und entspannte Sitzposition, ermöglichen mit dicken Reifen, Schutzblechen und Gepäckträger komfortable Fahrten durch den Alltag und gemütliche Ausflüge am Wochenende. City-Räder haben meist wartungsfreundliche Nabenschaltungen und fast immer eine mehr oder weniger raffinierte Federung. Im Cityräder-Test konnten allerdings nicht alle Modelle überzeugen: Einige gingen im Härtetest zu Bruch.
Trekkingrad
Das Reiserad für alle Fälle und mit rund anderthalb Millionen Stück pro Jahr der Renner in deutschen Fahrradläden. Es fährt sich auch in mäßigem Gelände gut, ist aber vor allem für die Straße gemacht. Dort ist es mit schlanken Rahmen, 28 Zoll-Rädern und mehr oder weniger schmalen Reifen erheblich flotter unterwegs als Cityräder und Mountainbikes. Der Untergrund sollte fest genug sein. Wer in richtig schweres Gelände fährt, kann mit Trekkingrädern leicht mal ausrutschen oder stecken bleiben. Besonders gut sind Trekkingräder für längere Touren und Reisen geeignet. Was im Trekkingrad-Test weiterhin rauskam: Mit der passenden Schaltung sind auch steile Berge kein Problem.
Mountainbike
Eigentlich vor allem für Gelände- und Berg-Fahrten gebaut: Sportler heizen damit auf holprigen Wegen über waldige Hügel. Gangschaltungen mit bis zu 30 Gängen und breitem Übersetzungsbereich ermöglichen es, auch steile Hänge hoch zu fahren. Stock und Stein überwinden Fahrer mit grob profilierten und dicken 26-Zoll-Reifen. Die Bremsen der Wald-und-Wiesen-Räder sind meist sehr leistungsstark. Zumindest das Vorderrad ist fast immer gefedert („Hardtail“), und bei so genannten „Fullys“ auch das Hinterrad. Viele Radler mögen Mountainbikes auch im Stadtverkehr. Kopfsteinpflaster, hohe Bordsteinkanten oder Straßenbahnschienen - alles kein Problem für die breiten Reifen. Doch Mountainbikes sind nicht immer so robust wie sie aussehen. Das zeigte unser Mountainbike-Test.
Rennrad
Rennräder sind Sportgeräte: Schnell, wendig und effizient. Die Sitzposition ist flach und nach vorne gestreckt, um dem Fahrtwind so wenig Widerstand wie möglich entgegen zu setzen. Was Rennfahrer nicht vorwärts bringt, das fehlt. Dazu gehören oft auch vorgeschriebene Teile wie Klingel und Reflektoren an Rädern und Pedalen. Fürs Licht gibts eine Sonderregel: Bei Rädern mit weniger als 11 Kilogramm Gewicht reicht aus, wenn der Fahrer Batterieleuchten zum Anstecken mit hat. Tagsüber müssen sie nicht am Rad sein.
Fitnessrad
Wer gern wirklich sportlich unterwegs ist, ohne gleich kompromisslos aufs Rennrad zu setzen, ist ein Kandidat fürs Fitnessrad. Basis für Fitnessbikes ist Rennradtechnik. Statt Rennlenker ist jedoch eine Lenkerstange montiert, die eine auch für weniger geübte Radler angenehme Sitzposition ermöglicht. Im Test Fitnessräder waren die teuersten Modelle auch die besten.
Faltrad
Fahren, Falten, Verreisen. Wer häufig mit Auto, Bahn oder Flugzeug unterwegs ist und am Reiseziel nicht auf sein eigenes Rad verzichten will, ist mit einem Faltrad gut bedient. Sie lassen sich im Handumdrehen auf Reisetaschenformat zusammenfalten. Möglich machen es kleine Räder und raffiniert klappbare Rahmen. Allerdings: Die kleine Bereifung schränkt die Vielseitigkeit ein. Außerhalb asphaltierter Straßen tun sich Fahrer und Rad schwer, und auch auf Asphalt rollen Falträder prinzipbedingt schlechter als Fahrräder mit größeren Rädern.
Fahrräder mit Elektro-Unterstützung
Alle Fahrradtypen gibt es inzwischen auch mit Elektro-Unterstützung. Energie aus dem Akku hilft dem Fahrer beim Treten. Bei zulassungs- und führerscheinfreien E-Fahrrädern ist bei 25 Stundenkilometern Geschwindigkeit Schluss mit Motor-Unterstützung. Bei manchem Rad ist der Akku allerdings schnell am Ende. Gerade mal 20 bis 25 Kilometer schaffte das konditionsschwächste Pedelec im Test Elektro-Fahrräder. Schlimmer noch: Bei einem Drittel der Räder waren die Bremsen zu schwach und bei drei Rädern hielt der Rahmen nicht. Das preiswerteste „befriedigende“ Pedelec im Test kostete 900 Euro, die drei guten deutlich über 2 000 Euro. Zusätzlicher Kostenpunkt: Ersatzakkus. Nach ungefähr 500 bis 1 000 Aufladungen sind die Stromspeicher verschlissen. Ein neuer kostet meist 500 bis 700 Euro.
Varianten und Spezialitäten
Das waren die wichtigsten und meistgefragten Fahrradtypen. Zusätzlich gibt es zahllose Varianten, Zwischen- und Mischtypen. Einige Beispiele: Wer die Effizienz auf die Spitze treiben will, braucht ein Liegerad. Die sind wegen des geringeren Luftwiderstands die schnellsten von Menschenkraft angetriebenen Fahrzeuge überhaupt. Mit strömungsgünstiger Vollverkleidung schaffen gut trainierte Fahrer auf ebener Strecke 80 und mehr Stundenkilometer. Sogar für Sandstrand und Tiefschnee gibt’s geeigntete Fahrräder. So genannte „Fat Bikes“ haben Extra-dicke Reifen und kurze Übersetzungen, so dass Radler auch bei tiefem, weichem Untergrund noch vorankommen. Wenn’s vor allem cool und stilvoll sein soll, ist vielleicht ein Cruiser richtig. Klar: Je weniger Exemplare von einem Rad produziert werden, desto teurer ist es. Spezielle Konstruktionen und edle Maßanfertigungen mit hochwertiger Ausstattung sind kostspieliger als mancher Kleinwagen.
Erprobung
Wer noch kein Fahrrad hatte, an dessen Abmessungen und Eigenschaften sich das neue orientieren kann, sollte unbedingt ausprobieren, mit welchem Rad er gut zurecht kommt. Allerdings: Eine Fünf-Minuten-Runde um den Block bringt wenig. Eine anständige Fahrradtour sollte es schon sein. Wenn der Fahrradhändler für eine solche kein Vorführrad zur Verfügung stellt, gibts vielleicht beim Fahrradverleih ein ausreichend ähnliches Modell. Zu beachten: Selbst bei gründlicher Erprobung kann sich ein Rad mit der Zeit als unpassend erweisen. Vor allem bei flotter Fahrweise ändern sich mit fortschreitender Gewöhnung und Übung oft noch die Anforderungen an die Sitzposition. Das Rad der Wahl sollte möglichst entwicklungsfähig sein und sich in jede Richtung anpassen lassen.
Technik
Fahrradtechnik ist im Grunde einfach, doch im Detail ausgesprochen kompliziert und heikel. Die Bezeichnungen für die wichtigsten Bauteile finden Sie in der Abbildung links. Im Extra-Special Fahrradtechnik erläutert erläutert test.de die wichtigsten Zusammenhänge und gibt einen Überblick über Schaltungs-, Bremsen- und Federungstypen.
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