Balsamico: Der große Bluff
03.06.2011
Balsamico aus Modena – das klingt nach südländischem Flair und kulinarischem Highlight für Salate und Soßen. Doch die „Aceto Balsamico di Modena“ brachten im Test faustdicke Überraschungen: Bei mehreren stammte die Essigsäure auch aus Zuckerrübe, Zuckerrohr oder Mais und nicht nur aus Weintrauben – einer der Gründe, warum das Testurteil 9-mal mangelhaft heißt.
Der Teuerste fällt durch
Selbst der teuerste Balsamico geht mit einem Mangelhaft aus dem Test: das edle 250-Milliliter-Fläschchen von Giuseppe Giusti, gekauft für rund 50 Euro bei Manufactum. Der Essig kommt sehr hochwertig daher, entpuppt sich im Labor aber als ärgerliche Mogelpackung: Die Essigsäure stammt nicht nur aus Weintrauben, sondern auch aus Zuckerrübe. Das ist verboten. Auch den Säuregehalt von 6 Prozent, ein Muss für Aceto Balsamcio di Modena, erreicht er nicht. Hinzu kommen beträchtliche Rückstände von Eisen, Zink und Blei.
Aldi, Byodo und Kattus mangelhaft
Dabei sind die Giustis eine der traditionsreichsten Herstellerfamilien in Modena, jener norditalienischen Kleinstadt, die Ursprungsort und bis heute Zentrum der Balsamicoherstellung ist. Neben Giusti sind acht weitere dunkle Essige betroffen, darunter drei Balsamico von Aldi sowie die von Byodo und Kattus. Sie nennen sich wie alle anderen 22 Dunklen im Test „Aceto Balsamico di Modena“, erfüllen die Anforderungen aber nicht. Seit 2009 ist die Bezeichnung in der Europäischen Union eine „geschützte geografische Angabe“ – die italienische Spezialität damit vor Nachahmern geschützt und mit Anforderungen verbunden.
Das EU-Siegel muss sein
Wer seinen Essig „Aceto Balsamico di Modena“ nennen möchte, muss das in einer Datenbank der EU-Kommission eintragen lassen und das Etikett mit dem blaugelben Siegel der „geschützten geografischen Angabe“ versehen. Es besagt: Mindestens eine Produktionsstufe lief im Ursprungsgebiet ab – hier in den Regionen Modena oder Reggio Emilia.
Die guten Sechs
Sechs der 22 dunklen Balsamessige schaffen es am Ende auf ein Gut: die der Markenhersteller Bertolli, Ponti von Feinkost Dittmann und Kühne für 4,80 bis 7 Euro pro Liter. Auch die Balsamicos von Rewe (2,90 Euro pro Liter), den Discountern Netto Marken-Discount und Lidl sind dabei. Die beiden Discounteressige kosten gerade einmal 85 Cent pro Halbliterflasche. Bei der Verkostung schneiden die dunklen Essige von Giusti, Antica Acetaia und Mazzetti am besten ab: Sie riechen fruchtig und nach Holz, sind sehr aromatisch und wirken lange nach. Auf die vorderen Plätze schaffen sie es wegen Schwächen in anderen Prüfpunkten aber nicht. Einigen Essigen fehlte jedes Aroma, und sie waren fehlerhaft: Das Aktionsangebot Acentino von Lidl schmeckte leicht muffig, der sehr dickflüssige Essig der Marke Vom Fass schmeckte bitter und stark nach angebranntem Karamell.
Nicht ohne Zusatzstoffe
Die meisten Balsamicos im Test kommen nicht ohne Zusatzstoffe aus. Das schaffen nur sechs, darunter die Bioessige von Byodo, Kaiser’s Tengelmann und Rapunzel. Seit 2010 dürfen Balsamico mit Biosiegel keine färbenden Mittel wie Karamell oder Zuckerkulör (E 150d) verwenden. Das Gros der konventionellen Balsamico verzichtet hingegen nicht auf Zuckerkulör. In Sachen Schadstoffe fallen ausgerechnet die Bioessige durch erhöhte Kupfergehalte auf. Kupfer wird als alternatives Pflanzenschutzmittel im Ökolandbau eingesetzt. Einen Grenzwert gibt es nur für Wein, die Gehalte in den Öko-Balsamicos lagen darunter. Gesundheitliche Folgen sind eher unwahrscheinlich: Der Konsum von Wein liegt meist höher als der von als Balsamessig.
[Update 08.07.2011] Der Hersteller Giusti macht geltend, dass die in die vergleichende Untersuchung einbezogenen Prüfmuster mit der Los-Kennzeichnung "L 9/12" aus der Zeit vor Inkrafttreten der Verordnung (EG) Nr. 583/2009 der Kommission von 3. Juli 2009 abgefüllt und in den Verkehr gebracht worden seien und hätten verkauft werden dürfen. [Ende Update]
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