Wildpilze: Pilz des Jahres 2003
23.09.2010
Sie sind die Orchideen oder die Punks unter den Pilzen: Die Saftlinge mit ihren bunten Hüten. Es gibt knallrote, rosafarbene, gelbe, violette, braune, graue, weiße und grüne. Der papageigrüne Saftling ist der Pilz des Jahres 2003: ausgewählt von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. Für den Kochtopf ist der exotische Pilz allerdings nicht geeignet.
Der Punk unter den Pilzen
Ein grüner Hut mit gelben Lamellen und einem tiefgrünen bis ocker-orangefarbenen Stiel. Der Pilz des Jahres 2003 ist ein bunter Exot. Der kleine Hut wird selten breiter als fünf Zentimeter. Der Stiel ist glatt. Bei Feuchtigkeit glänzen Hut und Stiel schmierig-schleimig. Im Alter verfärbt sich der Hut oft ins Gelbliche. Hygrocybe psittacina lautet der lateinische Name des papageigrünen Saftlings.
Indikator für gesunde Wiesen
Der papageigrüne Saftling ist ein Indikator für intakte Natur. Der Pilz wächst auf Magerrasen, alpinen Matten, in Dünen, Gärten und Parks. Hauptsache: ungedüngt und wenig genutzt. Gülle, Kunstdünger und Pestizide sind den Saftlingen ein Grauen. Auch die Bewirtschaftung der Wiesen stört den Pilz. Deshalb gilt: Wer dem papageigrünen Saftling begegnet, steht in einem ökologisch wertvollen Biotop.
Artenreich und unberührt
Solch unberührte Landschaften werden immer seltener. Auch der papageigrüne Saftling ist deshalb bedroht. Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie hat ihn zum Pilz des Jahres 2003 gewählt. Nicht zuletzt, um auf diese Bedrohung hinzuweisen. Wiesen und Weiden sind ein wichtiges Biotop. Neben anderen Saftlingen wachsen dort auch Rötlinge, Erdzungen, Boviste, Korallen- und Keulenpilze. Dazu kommen Kräuter und Gräser, die nur noch selten gedeihen. Viele Kriechtiere, Insekten und Mikroorganismen finden ihren Lebensraum in der Gesellschaft dieser Pilze.
Geheimnisvolle Liason mit Gräsern
Nur gut, dass sich der papageigrüne Saftling nicht zum Essen eignet. Richtig giftig ist er nicht – aber auch nicht genießbar. Wer den Pilz findet, sollte ihn stehen lassen. Genießen Sie den Moment in der unberührten Natur. Das intime Verhältnis der Saftlinge mit Kräutern und Gräsern ist übrigens rätselhaft. Auf anderen Kontinenten wächst der Pilz oft in Wäldern. Bei uns fast ausschließlich auf Wiesen. Die biologischen Zusammenhänge zwischen Pilzen und Gräsern sind bis heute nicht geklärt.
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