Solarstrom: Rendite bleibt hoch
Neue Solarstromanlagen lohnen sich trotz sinkender Vergütung. Steigende Strompreise machen auch den Eigenverbrauch rentabel.
Die Vergütung für Solarstrom sinkt. Hauseigentümer, die ab dem 1. Januar 2010 eine Solarstromanlage in Betrieb nehmen, bekommen für den erzeugten Strom 9 Prozent weniger Geld als bisher. Gleichzeitig sinken aber auch die Preise für die Solaranlagen – und zwar noch viel stärker als die staatliche Förderung.
Berechnungen von Finanztest zeigen: Bei den aktuellen Preisen werfen Solaranlagen auch 2010 eine ordentliche Rendite ab. An Standorten mit durchschnittlicher Sonneneinstrahlung können Eigentümer mit ihrer Investition über eine Laufzeit von knapp 21 Jahren 6,5 bis 7,3 Prozent Rendite pro Jahr erzielen.
Grundlage dieser Zahlen ist ein Anlagenpreis von 3 250 Euro pro Kilowatt (kW) Leistung und eine jährliche Stromausbeute von 850 bis 900 Kilowattstunden (kWh) pro kW. Mit einer günstigeren Anlage oder in sonnigen Regionen Süddeutschlands sind sogar zweistellige Renditen möglich.
Diese Rechnung berücksichtigt bereits Wartungskosten und Versicherungsbeiträge von anfänglich 1 Prozent der Investitionskosten sowie eine alterungsbedingte Abnahme der Stromausbeute.
Den Anlagenpreis hat Finanztest ohne Mehrwertsteuer angesetzt. Denn die beim Kauf gezahlte Mehrwertsteuer können sich Hauseigentümer sofort vom Finanzamt zurückholen. Dazu müssen sie ihren Betrieb beim Finanzamt anzeigen und eine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben (siehe Test Solarstromanlagen).
Eigenverbrauch lohnt sich
Noch besser sind die Ertragsaussichten für Anlagenbetreiber, die ihren Solarstrom nicht komplett ins Netz einspeisen, sondern einen Teil selbst verbrauchen.
Die Vergütung des Netzbetreibers beträgt dafür zwar nur noch 22,76 Cent pro Kilowattstunde. Doch dazu kommen die ersparten Ausgaben für den Strom, den sonst ein Versorger liefern müsste.
Bei Anlagen, die bereits 2009 ans Netz gingen, lohnt sich der Eigenverbrauch erst ab einem Strompreis von 21,42 Cent pro kWh. Für Hauseigentümer, die ihre Anlage 2010 installieren, ist der Eigenverbrauch dagegen schon ab einem Strompreis von 19,49 Cent pro kWh rentabel.
Viele Stromversorger verlangen bereits mehr. Und mit steigenden Strompreisen wird der Eigenverbrauch immer attraktiver. Die nächste kräftige Preiserhöhung haben etliche Unternehmen bereits zum Jahresbeginn angekündigt (siehe Meldung Solarstrom).
Neue Vergütungssätze
Ab 1. Januar gelten auch die neuen, geringeren Vergütungssätze für Solarstromanlagen, die ab diesem Stichtag in Betrieb genommen werden.
Für Wohnhäuser sind Anlagen mit einer Leistung unter 30 kW typisch. Ihre Betreiber bekommen für jede Kilowattstunde Strom, die sie ins öffentliche Netz einspeisen, nun 39,14 Cent. Vor dem Stichtag gab es 43,01 Cent. Wer einen Teil des Stroms selbst verbraucht, bekommt dafür vom örtlichen Netzbetreiber nur noch 22,76 Cent statt 25,01 Cent pro kWh.
Beides stecken die Anlagebetreiber locker weg. Wie bisher garantiert ihnen der Staat die Vergütungssätze im Jahr der Inbetriebnahme und in den 20 Folgejahren. Und viel stärker als die Vergütung rutschten die Preise für Solarmodule in den Keller.
Im vierten Quartal 2009 kosteten Komplettanlagen bis zu 100 kW Leistung mit Montage durchschnittlich nur noch 3 135 Euro pro kW (ohne Mehrwertsteuer), berichtet der Bundesverband Solarwirtschaft. Das waren rund 26 Prozent weniger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.
Nach einer Erhebung der Zeitschrift Photon bekamen Hauseigentümer im Oktober eine Anlage für rund 3 250 Euro pro kW. Dabei handelte es sich um Kleinanlagen mit einer Leistung unter 10 kW.
Weitere Kürzung in Sicht
Spätestens ab 1. Januar 2011 wird die Solarstromvergütung um weitere 9 Prozent gesenkt. Dieser Termin steht im Erneuerbare-Energien-Gesetz. Wahrscheinlich wird die Förderung aber schon früher gekappt.
Die Regierungsparteien wollen mit Verbraucherverbänden und der Solarbranche sprechen, um kurzfristig eine „Überförderung“ zu vermeiden. Viele Experten meinen, dass angesichts der gesunkenen Preise eine so hohe Vergütung für Solarstrom wie zurzeit nicht mehr nötig ist.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert, die Vergütung um 30 Prozent zu senken. Selbst der Bundesverband Solarwirtschaft sieht Spielraum, sie Mitte des Jahres 2010 um 5 Prozent zu verringern.
Es gilt daher als nahezu sicher, dass es für neu installierte Anlagen bereits im Laufe des Jahres weniger Geld geben wird. In der Branche rechnet man aber frühestens zum Sommer mit einer Gesetzesänderung. So bliebe Hauseigentümern noch ausreichend Zeit, sich die aktuellen Vergütungssätze für die nächsten 20 Jahre zu sichern.
Ob sie mit einer schnellen Entscheidung wirklich am besten fahren, ist jedoch ungewiss. Experten sehen noch immer viel Luft bei den Preisen.
Durch den Nachfrageboom im zweiten Halbjahr 2009 sanken die Preise für Solaranlagen weniger stark, als der Preisrutsch bei den Bauteilen, den Solarmodulen, hätte vermuten lassen. Viele wollten unbedingt noch die höhere Einspeisevergütung für 2009 mitnehmen und nahmen relativ hohe Preise in Kauf. Installateure konnten die Module weit über Großhandelspreisen verkaufen. Diese Spanne dürfte schmelzen, falls die Vergütung deutlich gekappt wird.
Bernd Schüßler von der Zeitschrift Photon erwartet für diesen Fall, dass die Komplettpreise für kleine Dachanlagen auf 2 200 bis 2 900 Euro pro kW fallen. Dann ließen sich selbst bei einer Einspeisevergütung von nur noch 30 Cent pro kWh Renditen von 5 bis 9 Prozent erzielen. Das wäre ungefähr so viel wie heute.
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