28.09.2005

Kneipptherapie

Plausibilität

Wasseranwendungen entsprechen den Grundsätzen der physikalischen Medizin. Sie wirken durch thermische Reize, Wasserdruck und Hautberührung. Diese Reize werden über die Haut auf darunter liegende Schichten übertragen und über das Nervensystem an innere Organe des entsprechenden Körperabschnitts weitergeleitet. Darüber hinaus wird durch Reize auf der Haut die Hormonproduktion angeregt und das Immunsystem stimuliert. Die Nebennieren schütten das Stresshormon Adrenalin aus und beleben das vegetative Nervensystem. Kreislauf und Herztätigkeit, Stoffwechsel und Schmerzempfindlichkeit werden reguliert; eine überhöhte Ausschüttung von Stresshormonen normalisiert sich, weil durch die wiederholte Anwendung Stress abgebaut wird.

Kalte Güsse können eine bessere periphere Durchblutung bewirken; sie provozieren die tiefe Atmung und regulieren den Wärmehaushalt durch Steigerung des Muskelstoffwechsels. Kalte Wickel entziehen Wärme, steigern den Stoffwechsel und wirken so schweißtreibend. Der Kältereiz kalter Kompressen wirkt schmerzstillend, abschwellend und durchblutungsfördernd. Die Verwendung von Eis intensiviert diese Wirkung. Wassertreten wirkt entstauend und fördert den Rückfluss des venösen Blutes zum Herzen.

Warme Güsse lindern rheumatische Beschwerden; Wärme führt zur Gefäßerweiterung, sodass sich in der Folge Muskelverspannungen lösen.

Temperaturansteigende Teilbäder führen zur Weitung der Gefäße im ganzen Körper, wodurch allgemeine Entspannung eintritt. Temperaturansteigende Vollbäder senken den Blutdruck. Die Wasseranwendungen werden in den Tagesrhythmus so eingebaut, dass sie einen optimalen Effekt erzielen.

Eine systematische Behandlung über mindestens drei Wochen mit wechselnden ansteigenden Reizen durch Wasserbehandlung kann den Organismus stärken.

Die Anwendung der Pflanzenmittel entspricht dem traditionellen Einsatz, doch für eine Reihe der empfohlenen pflanzlichen Mittel fehlt ein therapeutischer Wirksamkeitsnachweis, der den heutigen wissenschaftlich akzeptierten Grundsätzen entspricht. Die Anwendung von Haferstroh in Bad und Tee ist zweifelhaft, weil es Allergien auslösen kann. Darüber hinaus gelten einige pflanzliche Mittel inzwischen als kritisch oder sind als Bestandteil von Arzneien mittlerweile nicht mehr akzeptiert. Zum Beispiel wird bei Bärentraubenblättern geraten, sie nicht länger als eine Woche und nicht öfter als fünfmal im Jahr anzuwenden. Diese Begrenzung wurde als Schutz formuliert, weil das teilweise entstehende Hydrochinon im Verdacht steht, Krebs zu erregen und das Erbgut zu verändern.

Auch einige von Kneipp empfohlene Rezepte und Anwendungsempfehlungen sind überholt; so hat zum Beispiel Johannisbeere keine Wirkung auf Gicht, wie er vermutete.

Als Bewegungstherapie hat Kneipp zu Spaziergängen und Hausarbeit geraten; heute wird in Kneippanstalten Ausdauertraining und Heilgymnastik nach wissenschaftlichen Erkenntnissen und angepasst an individuelle Fähigkeiten durchgeführt. Ein positiver gesundheitlicher Effekt von angepasstem körperlichem Training ist anzunehmen.

Kneipp liebte die bayrische Hausmannskost, trat aber für mäßiges Essen ein. Genussmittel wie Kaffee oder Bier lehnte er ab. Heute entspricht die Ernährungstherapie weitgehend dem wissenschaftlichen Erkenntnisstand und fördert bekanntermaßen die Gesundheit und kann bei bestimmten Krankheiten vorbeugend wirken.

Die Ordnungstherapie des Pfarrers Kneipp war religiös motiviert und zielte auf eine umfassende Lebensordnung. Heute wird damit das Bestreben bezeichnet, die Beziehungen im körperlichen und psychischen Bereich sowie deren Wechselwirkungen wieder in eine natürliche Ordnung zu bringen und den vorgegebenen Lebensvorgängen Rechnung zu tragen beziehungsweise ihre Störungen auszugleichen. Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus ist die Ordnungstherapie plausibel.

Weitere Angebote

Bewertung des Verfahrens

  • Wenig geeignet bei/zur ...

    • Therapie von Erkrankungen