28.09.2005

Kneipptherapie

Geschichte und Entwicklung

Die Kneipptherapie hat sich aufgrund von Behandlungsversuchen entwickelt, die Sebastian Kneipp (1821-1897) an sich selbst ausprobierte. Kneipp hatte sich in seiner Studienzeit ein Lungenleiden zugezogen und stand schon fast vor dem Abbruch seines Theologiestudiums, als ihm zufällig das Buch der beiden "Wasserhähne", der schlesischen Ärzte Johann Sigmund Hahn, Vater und Sohn mit gleichem Vornamen, in die Hände fiel. Die beiden hatten die Wasserbehandlung schon etwa 100 Jahre zuvor bekannt gemacht, ihre Schrift wurde später neu aufgelegt. Kneipp experimentierte dann selbst mit Tauchbädern in der Donau und später - mangels Tauchgelegenheiten - mit Wassergüssen aus der Gießkanne. Dass seine Lungentuberkulose danach ausgeheilt war, gilt als gesichert.

Die Wurzeln dieser Form der Wasseranwendungen, auch als Hydrotherapie bezeichnet, reichen bis in die Antike zurück, in der sich eine differenzierte Wassertherapie entwickelt hatte . Im Mittelalter vergessen, wurden Wasseranwendungen im 17. Jahrhundert wieder in Europa bekannt. Zu Kneipps Lebzeiten hatten sich Kaltwasserbehandlungen sogar zu einer Mode entwickelt.

Kneipp erprobte Güsse und Bäder weiterhin an sich selbst, verfeinerte die ursprünglich recht derben Reize und entwickelte daraus sein Behandlungssystem. Neben seiner Tätigkeit als Seelsorger in Wörishofen behandelte er nach Bedarf Hilfesuchende. 1866 veröffentlichte er den therapeutischen Leitfaden "Meine Wasserkur". Das Buch wurde zum Bestseller und 1880 wurde in Wörishofen eine Badeanstalt errichtet, in der Kneipp im Beisein von Ärzten seine Sprechstunden abhielt. Dabei ging es nicht mehr um Wasseranwendungen allein, sondern auch um körperliche Bewegung und eine geistige Grundeinstellung, die von Moral und Glauben geprägt sein sollte. Er entwickelte Badezusätze und machte das Wassertreten und Barfußlaufen im taunassen Gras oder Schnee populär. Anhänger seiner Ideen vom naturgemäßen Leben gründeten 1890 die ersten Kneippvereine, 1894 wurde der Kneipp-Ärzte-Bund in Wörishofen ins Leben gerufen.

Beurteilt man die Kneipptherapie aus heutiger Sicht, umfasst sie die Grundlagen der Naturheilkunde, die einzelnen Verfahren sind Bestandteile der physikalischen Medizin und der Kurmedizin. Es gibt spezialisierte Kneippärzte und den medizinischen Assistenzberuf des Kneippbademeisters. Kneipptherapie wird in mehr als 50 Kneippheilbädern angeboten und auch ambulant durchgeführt. In Deutschland haben sich mehr als 100 000 Menschen in etwa 550 Kneippvereinen zusammengeschlossen.

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