28.09.2005

Kneipptherapie

Durchführung

Diagnose

Der Anwendung der Kneipptherapie gehen üblicherweise eine ärztliche Untersuchung und die Erhebung der Krankengeschichte voraus.

Behandlung

Kneipptherapie im klassischen Sinne ist eine komplexe Therapie, bei der einzelne Anwendungen nach Bedarf und Beschwerden ausgewählt werden. Die verschiedenen Mittel ermöglichen es, abhängig von Konstitution, Kreislaufleistung und Reaktionsfähigkeit des Körpers, ein individuell dosiertes Programm zusammenzustellen, das mit langsam ansteigenden Reizen die Funktionen des Organismus trainiert und stärkt. Als Dosierung für den Reiz gilt: So mild wie möglich, so stark wie nötig. Je akuter die Krankheit ist, desto vorsichtiger wird vorgegangen.

Je häufiger Kälte oder Wärme auf ein Areal einwirken, desto schwächer reagiert es. Damit Reize auch weiterhin eine Wirkung entfalten können, muss die Behandlungsfläche öfter gewechselt werden. Die Durchführung der Kneippkur erfolgt bei ärztlicher Kontrolle unter Aufsicht eines Kneippbademeisters.

Wasseranwendungen, Wickel, Auflagen und Packungen

Es gibt etwa hundert verschiedene Wasseranwendungen; die Skala reicht von geringen, kaum belastenden Reizen durch Waschungen mit lauwarmem oder kaltem Wasser über Teil- und Vollbäder, Dampfbäder und Inhalationen sowie Druckmassagen mit dem Wasserstrahl bis hin zu anstrengenden Maßnahmen wie Wechselduschen, Blitzguss oder Überwärmungsbad.

Wasseranwendungen werden bei erwärmter Haut immer von außen zum Herzen hin durchgeführt. Kalte Güsse sollten nicht bei vollem Magen angewendet werden. Nach temperaturansteigenden Wannenbädern, heißen Nacken- und Rückengüssen und Druckstrahlmassagen wird eine Stunde Bettruhe empfohlen. Nach Teilbädern und Güssen wird das Wasser von der Haut abgestreift, nur Gesicht und Hände werden abgetrocknet. Danach zieht man sich an und geht oder läuft sich trocken.

Es können bei Bedarf auch wärmeentziehende, wärmestauende und schweißtreibende feuchte Wickel um den ganzen Körper oder einzelne Gliedmaßen gelegt oder kalte Packungen aufgelegt werden. Kneipp empfahl außerdem Wickel mit Quark oder Lehm, den Heusack als wärmende Packung und zur Erwärmung des ganzen Körpers das Heubad, bei dem der Patient auf einer Liege ruht und mit Heu zugedeckt wird.

Phytotherapie

Pflanzliche Heilmittel werden als Zusätze zu Umschlägen, Bädern, Inhalationen und Dampfbädern, als Einreibungen in Salben und Ölen angewendet, als Tees getrunken und in Form von Säften oder Dragees eingenommen.

Bewegungstherapie

Kneipp ließ seine Kurgäste seinerzeit noch Holz hacken und riet zu einer Stunde Hausarbeit als Bewegungstraining. Heute gehören mehrstündige tägliche Spaziergänge an der frischen Luft - auch Terrain-Kur genannt - zum Kneippen, aber auch Rad fahren, Schwimmen, Waldlauf und Gymnastik. Wasseranwendungen lassen sich mit der Bewegungstherapie kombinieren: Nach kleinen Reizen sollte sofort Bewegung einsetzen, nach großen Reizen sollte vor der Bewegung eine Ruhepause eingelegt werden, zum Beispiel warm eingewickelt im Bett. Je nach Leistungsfähigkeit kann man laufen, schwimmen, Rad fahren, Gymnastik (auch im Wasser) oder leichten Sport betreiben. Zur Stärkung der Atmung wird Atemtherapie empfohlen.

Ernährungstherapie

Die Ernährungstherapie nach Kneipp beruht auf den Erkenntnissen zur gesunden Ernährung: Diese soll den Kalorienbedarf decken, alle wichtigen Nährstoffe in optimaler Menge und richtigem Verhältnis enthalten und möglichst frei von schädigenden Stoffen sein.

Ordnungstherapie

Die Ordnungstherapie leitet Patienten an, auf die innere Uhr Rücksicht zu nehmen und einen gesunden Lebensstil zu finden. Darüber hinaus wird im Sinne der Psychohygiene die Überprüfung und Neubestimmung des eigenen Standpunkts zu existenziellen Fragen angestrebt, um eine Zielvorstellung für ein sinnvolles Leben zu entwickeln.

Selbstbehandlung

Wasseranwendungen eignen sich - mit Ausnahme von Blitzguss und Überwärmungsbad - gut zur Selbstbehandlung. Sie sollten jedoch unter fachlicher Anleitung eingeübt werden.

Weitere Angebote

Bewertung des Verfahrens

  • Wenig geeignet bei/zur ...

    • Therapie von Erkrankungen