28.09.2005
Geschichte und Entwicklung
Bereits in den Keilschriften der Babylonier finden sich - 1 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung - Aufzeichnungen über den Einsatz von Blutegeln zur Behandlung von Krankheiten, und auch in den alten indischen Schriften ist davon die Rede. Vom 2. Jahrhundert an verbreitete sich diese Methode von Griechenland aus rasch über ganz Europa und wurde wie der Aderlass zum festen Bestandteil der Medizin: Damals herrschte die Vorstellung, dass die im Körper kreisenden "schlechten Säfte" Krankheiten auslösen, und dass durch Blutentzug Verunreinigungen und Gifte abgeleitet werden können. Mitte des 18. Jahrhunderts waren die blutrünstigen Tierchen so sehr in Mode gekommen, dass jährlich Millionen Blutegel verbraucht wurden. Diese damals als "Vampirismus" bezeichnete blutige Medizin war unter anderem ein Grund für die Verbreitung der im Gegensatz dazu als sanft empfundenen Homöopathie.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ging mit dem enormen Preisanstieg der Blutegel und den neuen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen über die Entstehung von Krankheiten der Einsatz deutlich zurück. Die Methode geriet fast vollends in Vergessenheit, nachdem es wirksame Medikamente für die Behandlung von Thrombosen gab, die als letzte Domäne der Blutegeltherapie galt.
Vor einem Vierteljahrhundert wurde ein neues Einsatzgebiet für die Blutegel entdeckt: In der plastischen Chirurgie und Mikrochirurgie helfen sie, die Wundheilung zu fördern und den Operationserfolg zu erhöhen. Auch in einigen Rheumakliniken, bei niedergelassenen Ärzten und in Kliniken der Naturheilkunde werden Blutegel bei einer Vielzahl von Krankheiten angewendet.
Blutegel geben pharmakologisch wirkende Substanzen ab, die sowohl an der Stelle des Bisses, als auch über den Blutkreislauf im ganzen Körper wirken und das Blut weniger leicht gerinnen lassen. Das im Blutegelspeichel vorhandene Hirudin wird heute auch gentechnisch hergestellt und in der modernen Medizin bei der Behandlung von Venenerkrankungen (Thrombosen) eingesetzt.
