28.09.2005
Konzept
Dem autogenen Training liegt die Annahme zugrunde, dass alle Entspannungs- und Meditationszustände die Funktionen des parasympathischen Nervensystems - ein Teil des vegetativen, nicht dem Willen untergeordneten Nervensystems - verstärken und willentlich steuern können. Durch passive Konzentration und Ausblenden äußerer Reize während des Trainings entsteht ein tiefer Entspannungszustand ähnlich wie unter Hypnose. Die Konzentration auf bestimmte Vorstellungen und Gedanken (Selbstsuggestion) vertieft diese Körperwahrnehmung. Wird eine körperliche Entspannung erreicht, werden auch Ängste und andere negative Gefühle gemildert und abgebaut.
Das autogene Training besteht aus einem zweistufigen System mit Unter- und Oberstufe. Ziel der Unterstufe ist es, sich selbst jederzeit bei Bedarf in den Zustand der Entspannung versetzen zu können. Die Oberstufe des autogenen Trainings beschäftigt sich damit, durch formelhafte Leitsätze psychische Einstellungen zu verändern und eine umfassende Psychotherapie zu unterstützen. In der Psychotherapie wird es als Mittel zur Selbsthilfe betrachtet.
Mit dem autogenen Training werden, so die Vorstellung von Psychologie und Psychotherapie, bereits vorhandene Fähigkeiten des Übenden nutzbar gemacht. Zur Erklärung bieten sie verschiedene Modelle an: Schultz erklärt das Geschehen während des autogenen Trainings durch Dämpfung der Affekte (Gefühle); die Psychoanalyse erklärt die Wirkung - entsprechend ihrer Krankheitstheorie - als Rückbildung (Regression). Die Verhaltenstherapie nimmt als Grundlage eine Konditionierung an: Änderungen festigen sich dadurch, dass sie als positiv erlebt werden.
