28.09.2005

Ordnungstherapie

Als Ordnungstherapie wird die Gesamtheit der therapeutischen Maßnahmen bezeichnet, die Menschen zu einer ausgeglichenen und gesunden Lebensweise führen sollen. Der Begriff wurde 1937 von dem Schweizer Oskar Bircher-Benner geprägt. Er bezieht sich auf die antike Idee der „Diaita“ (griechisch für Lebensführung), aus der sich das Wort „Diät“ entwickelt hat, und auf Gedanken von Sebastian Kneipp. Ordnung in diesem Sinne heißt: eine gesunde Lebensführung in allen Bereichen.

Auf innere Signale achten

Zu einer Ordnungstherapie gehören maßvolle Ernährung sowie der Aufenthalt an frischer Luft und Sonne und zwar bei wechselnden Temperaturen. Die Menschen sind gehalten, auf ihre „innere Uhr“ zu hören und Phasen von Arbeit und Freizeit, Anstrengung und Ruhe, Schlafen und Wachen in naturgemäßem Rhythmus zu halten. Der Körper soll durch Außenreize und Bewegung hinreichend gefordert werden. Die Empfehlungen von Kneipp umfassten außerdem Gesichtspunkte aus Religion, Ethik und Moral, wie sie der damaligen Zeit entsprachen.

Die grundsätzlichen Elemente der Ordnungstherapie finden ihre Entsprechung in den Erkenntnissen der modernen Wissenschaft. So bestätigt die Chronobiologie, wie schädlich es ist, gegen die Jahres- und Tagesrhythmen anzuleben. Die Stressforschung betont, dass der Ausgleich gegensätzlicher Anforderungen lebensnotwendig ist. Die wissenschaftliche Psychosomatik zeigt, wie Körper und Seele zusammenwirken, dass Beschwerden und Symptome Ausdruck seelischer, sozialer und zwischenmenschlicher Probleme sein können und in welchem Maß Krankheiten und körperliche Leiden auf die Seele zurückwirken.

Viele Menschen berücksichtigen die Zusammenhänge zwischen Krankheit, Lebensstil und seelischer Verfassung allerdings nicht ausreichend. Eine Behandlung im Sinn der Ordnungstherapie soll die Aufmerksamkeit für diese Wechselwirkungen schärfen und den Patienten ermuntern, auf den eigenen Körper und die Gefühle zu hören.

Den ganzen Menschen ansprechen

Ausgangspunkt der Ordnungstherapie ist das vertrauensvolle Gespräch des Behandlers mit dem Patienten. Durch gezielte Fragen hilft der Behandler dem Patienten, Raubbau und Überforderung zu erkennen. In motivierenden Gesprächen zeigt er auf, wie man gegensteuern kann. Erst wenn es dabei gelingt, tiefere Persönlichkeitsschichten anzusprechen, ist zu hoffen, dass das Verhalten bleibend geändert wird.

Zu Beginn der Behandlung sollen Grundfunktionen wie Atmung, Wärmehaushalt, Verdauung und Schlaf normalisiert werden. In der Folge soll der Lebensstil so umgestaltet werden, dass eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und der Verzicht auf Zigaretten selbstverständlich werden. Der Alkoholkonsum soll allenfalls mäßig sein.

Darüber hinaus werden im Rahmen der Ordnungstherapie Entspannungstechniken und Atemtherapie eingesetzt, in beschränktem Ausmaß Hypnose, zusätzlich mitunter Meditation, Kunst-, Tanz- und Musiktherapie. Körperliche Bewegungsprogramme und wenn notwendig eine Ernährungsumstellung gehören ebenfalls dazu.

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