28.09.2005

Wirksam und nützlich

Wie die konventionelle Medizin basiert auch die komplementäre Medizin zunächst einmal auf Erfahrung. Nicht wenige Verfahren gründen darüber hinaus auf Erlebnissen Einzelner, die daraus dann ein Behandlungskonzept entwickelten. Die Befürworter dieser Medizinrichtungen führen oft eigene Besserungen ins Feld oder verweisen als Beleg für die Effektivität auf Berichte von Heilungen, Dankesschreiben und Ähnliches.

So wichtig für den Einzelnen die Linderung seines Leidens ist – der Schluss, dass dieser Erfolg auch bei vielen anderen Patienten erwartet werden kann, ist nicht statthaft. Einen Beleg, welche kuriosen Blüten eine solche, von persönlichen Überzeugungen getragene Behandlungsweise treiben kann, fand der als Gutachter für beauftragte Wissenschaftler, als er sieben aktuelle und, wie er annahm, vertrauenswürdige Bücher hinsichtlich ihrer Behandlungsempfehlungen zu definierten Anwendungsgebieten auswertete. Darin wurden mehr als 100 verschiedene Therapien zur Behandlung von Asthma empfohlen. Systematische Übersichtsarbeiten konnten jedoch die Wirksamkeit für keine einzige dieser Therapien bestätigen. Auch die Bücher untereinander waren sich uneinig. Die gleiche Asthmabehandlung wurde selten von mehr als zwei Autoren erwähnt. Überraschend waren auch die Angaben zur Behandlung von Depressionen. Obwohl die therapeutische Wirksamkeit von Johanniskraut bei Depressionen nachgewiesen ist, empfahl nur die Hälfte der Autoren diese Pflanze bei Depressionen.

Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, die Erfahrungsmedizin zu überprüfen: ob ihre Aussagen in sich schlüssig sind, ob sie mit allgemein anerkanntem Wissen übereinstimmen und ob sie durch die Ergebnisse moderner, gewissenhaft durchgeführter und ausgewerteter wissenschaftlicher Studien bestätigt werden (siehe „Wirksamkeit“).

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