Zusatzversicherungen für Kassenpatienten: Extras wählen
Zähne, Brille, Heilpraktiker – die Versicherer schnüren ganze Pakete mit Ergänzungsversicherungen für Kassenpatienten. Unser Test zeigt, welche Angebote sinnvoll sind.
Zuerst die neue Krone, jetzt die stärkere Brille und dann rät der Arzt auch noch zu Akupunktur gegen die Migräne. Das können viele Kassenpatienten nicht mal schnell aus ihrem Monatsgehalt bezahlen. Denn immer stärker müssen sie sich an den Kosten beteiligen oder sie ganz übernehmen. Das Loch muss dann der Sparstrumpf oder eine private Versicherung füllen.
Für diese Lücken in der gesetzlichen Krankenversicherung bieten die privaten Versicherer Leistungspakete an. Am häufigsten geht es um Zähne, Brillen und Heilpraktiker. Aber auch Extras wie Auslandsreise-Krankenversicherungen, Krankenhaustagegeld, die Übernahme von Reiseimpfungen oder Praxisgebühren werden dazugepackt. Ideal sind solche Pakete nicht. Denn der Kunde kann sich nicht das zusammenstellen, was er wirklich braucht. Er muss das Paket so nehmen, wie es ist.
Einige Extras kann er günstiger einzeln abschließen. Eine Auslandsreise-Krankenversicherung zum Beispiel ist wichtig, weil sie anders als die Kasse Behandlungen außerhalb von Europa erstattet und einen notwendigen Rücktransport nachhause bezahlt. Diese Versicherung gibt es allerdings für ein paar Euro Jahresbeitrag als Einzelvertrag.
Versicherer zahlt nicht alles
Ergänzungsversicherungen zur gesetzlichen Krankenversicherung sind nicht so wichtig wie etwa eine private Haftpflichtversicherung. Trotzdem können sie sinnvoll sein, wenn ein Patient zum Beispiel Wert auf hochwertigen Zahnersatz wie Implantate legt oder auf den Besuch beim Heilpraktiker, den die Kasse gar nicht bezahlt. Allerdings sind die Leistungen der Versicherung meist auf Höchstbeträge begrenzt. Der Patient muss dann einen Teil der Kosten immer noch selbst tragen.
Wir haben 82 Pakettarife untersucht, die unsere Mindestanforderungen erfüllen (siehe Ausgewählt, geprüft, bewertet). Hinzu kamen noch zwölf spezielle Seniorentarife.
Die Angebote der Krankenkassen haben wir nicht untersucht, weil sie nur den Mitgliedern zugänglich sind. Wer ein Angebot von seiner Kasse erhält, sollte dieses auf jeden Fall mit den Tarifen, die allen zugänglich sind, vergleichen.
In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass die Rabatte für die Mitglieder einer Kasse nur gering sind. Eine teure Versicherung wird dadurch nicht attraktiv. Das gilt für die Versicherungspakete genauso wie für die reinen Zahnzusatzversicherungen. Es ist gut möglich, dass der Kunde die gewünschten Leistungen mit einem Tarif aus unserem Test günstiger bekommt.
Besonders genau haben wir uns die Zuschüsse zu Zähnen, Brillen und Kontaktlinsen sowie zu Heilpraktikerbehandlungen angeschaut. Dabei hat sich gezeigt, dass sich die Preise und Leistungen in allen drei Fällen stark unterscheiden.
Kunden, denen es vor allem um eine sehr hohe Kostenerstattung für Zahnersatz und Implantate geht, sind am besten mit einem reinen Zahnzusatztarif bedient (siehe Tabelle „Für alle gesetzlich Versicherten“). Wer mit etwas weniger zufrieden ist, findet auch bei den Ergänzungspaketen günstige Angebote.
Reine Heilpraktikertarife gibt es nicht. Der mit 8 Euro Monatsbeitrag für einen 43-jährigen Mann besonders günstige Tarif „Komfort“ der Bayerischen Beamten Versicherung (BBV) umfasst neben umfangreichen Heilpraktikerleistungen auch noch Kurtagegeld und Zuschüsse für Sehhilfen und Arzneimittel, die von der Kasse nicht bezahlt werden.
Geld für Brillen und Kontaktlinsen gibt es ebenfalls nur im Paket mit anderen Leistungen.
Heilpraktiker auf eigene Rechnung
versicherungen gedacht. Die Kassen zahlen für Akupunktur oder eine Brille nur selten und bei Zahnimplantaten bleiben hohe Kosten am Patienten hängen.
„Der beste Arzt ist die Natur. Sie heilt drei Viertel aller Krankheiten und spricht nie Böses über einen Kollegen“, sagte der griechische Arzt Galen zweihundert Jahre nach Christi Geburt. Auf diese Erkenntnis berufen sich die etwa 20 000 Heilpraktiker in Deutschland. Bei den Patienten finden Naturheilverfahren immer mehr Anklang.
Nach einer Emnid-Umfrage aus dem Jahr 2004 bevorzugten 51 Prozent der Befragten einen Arzt mit der Zusatzbezeichnung Naturheilverfahren gegenüber einem reinen Schulmediziner. Doch bislang bezahlen die Kassen weder die Behandlung beim Heilpraktiker noch alle Naturheilverfahren, die Ärzte anbieten.
Eine Ausnahme ist die Akupunktur. Seit dem Jahr 2006 zahlen die Kassen, wenn es um chronische Knie- und Rückenschmerzen geht. Bei vielen anderen Anwendungsmöglichkeiten der Nadeltechnik wie Migräne muss der Kranke aber noch immer selbst in die Tasche greifen.
Nicht jede Therapie versichert
Geht ein Patient bevorzugt zum Heilpraktiker, kann sich eine Ergänzungsversicherung lohnen. Allerdings bezahlen auch die privaten Versicherer nicht alles, was Heilpraktiker anbieten. Die meisten Tarife orientieren sich am Gebührenverzeichnis für Heilpraktiker oder am Hufeland-Verzeichnis. Sie listen gebräuchliche Therapien auf.
Zuschüsse gibt es zum Beispiel für Akupunktur und Akupressur, zum Teil auch für Chiropraktik und traditionelle chinesische Medizin. Legt jemand Wert auf bestimmte Naturheilverfahren, sollte er vor Abschluss einer Versicherung abklären, ob der Tarif wirklich diese spezielle Behandlung abdeckt.
Was für die meisten Tarife gilt, hat auch die BBV für ihren günstigen „Komfort“-Tarif geregelt: Sie bezahlt die Rechnung des Heilpraktikers nicht komplett. Sie übernimmt 80 Prozent der Kosten, jedoch maximal 500 Euro pro Jahr.
Das ist nicht allzu viel, denn allein eine Akupunkturbehandlung bei Migräne dauert oft mehrere Sitzungen und kostet um die 750 Euro. Der Patient bekäme also nur zwei Drittel der Kosten erstattet.
Besser sieht es mit dem Tarif AM8 der DKV aus, der unseren Modellkunden 10 Euro im Monat kostet, 2 Euro mehr als der BBV-Tarif. Hier gibt es keine jährliche Obergrenze. Der Kunde erhält immer 80 Prozent der Kosten.
Wenig Zuschuss zur Brille
An Sehhilfen wie Brillen oder Kontaktlinsen für Erwachsene beteiligen sich die Kassen fast gar nicht mehr. Ausnahmen gelten nur bei schwerer Sehbeeinträchtigung und nach Augenverletzungen.
Aber auch die Ergänzungsversicherungen bezahlen nicht die gesamte Optiker-rechnung. Manche Versicherer leisten nur nach einer Dioptrienveränderung, und der Höchstbetrag reicht oft nur für eine sehr preiswerte Brille.
Einen hohen Betrag bietet zum Beispiel die Barmenia mit 300 Euro im Pakettarif AN, allerdings nur alle zwei Jahre. Eine Frau, die mit 43 Jahren abschließt, bezahlt dafür 18 Euro pro Monat. Nach zwei Jahren hätte sie bereits 432 Euro investiert.
Sie hätte das Geld besser selbst angespart. Für Kunden, die nur an Zuschüssen für Sehhilfen interessiert ist, lohnt sich eine Ergänzungsversicherung meist nicht.
Schwache Seniorentarife
Viele der Zusatzpakete schließen Senioren von vornherein durch ein Höchsteintrittsalter zwischen 60 und 70 Jahren aus. Auf eine Altersbegrenzung verzichten nur die Barmenia, die Debeka, die HanseMerkur im Tarif ES und die Süddeutsche.
Einige Versicherer bieten hingegen spezielle Seniorentarife an. Im Unterschied zu den herkömmlichen Tarifen müssen Senioren, die beim Abschluss der Versicherung schon älter sind, hier nicht mehr bezahlen als jüngere.
Einen besonderen Vorteil bieten die zehn der zwölf Seniorenpakete, die eine Auslandsreise-Krankenversicherung enthalten. Die Versicherer können diese Pakete nach Ablauf von drei Jahren nicht mehr kündigen. Kunden mit einem Einzelvertrag über eine Reisekrankenversicherung kann das passieren.
Allerdings lassen die übrigen Leistungen der Seniorenpakete zu wünschen übrig. Nur die LVM schließt umfangreiche Heilpraktikerleistungen ein. Auch beim Zahnersatz oder der Brille sind die Angebote nur mäßig. Deshalb ist es ratsam, es zuerst bei den herkömmlichen Versicherungen ohne Altersbegrenzung zu versuchen.
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