19.03.2007

Zusatzversicherungen für Kassenpatienten: Gut für die Zähne

Zusatzversicherungen für Kassenpatienten Test

Patienten wollen Luxus für ihre Zähne. Doch die Krankenkassen zahlen nur begrenzte Zuschüsse. Eine private Zusatz­versicherung lohnt sich vor allem, wenn jemand sich auch teuren Zahnersatz wie Implantate leisten will. Finanztest zeigt, welche Angebote Biss haben.

Das makellose Gebiss ist zum Statussymbol geworden: Wo früher die Goldkrone reichte, muss es für viele jetzt auch beim Backenzahn die Keramik-Vollverblendung sein. Implantathersteller melden Wachstumsraten von 15 bis 40 Prozent.

Dabei ist Zahnersatz noch teurer geworden, seit gesetzlich Versicherte von ihrer Krankenkasse nur noch einen Festzuschuss erhalten. Laut einer Studie des AOK-Bundesverbands zahlten Patienten im Jahr 2005 für Brücken, ­Prothesen und Implantate 590 Euro pro Behandlungsfall aus eigener Tasche, 255 Euro mehr als 2004.

Der Hauptgrund für die höhere Belastung der Patienten ist der Trend zum teuren Zahnersatz. Laut der Studie haben sich die Gesamtkosten bei Brücken, Prothesen und Implantaten von 2004 auf 2005 im Schnitt von 796 Euro auf 1 030 Euro erhöht. Zugleich sank der durchschnittliche Kassenzuschuss von 460 auf 439 Euro.

Eine private Zusatzversicherung hilft, die Kosten für teure Extras zu reduzieren. Rund 8,7 Millionen gesetzlich Versicherte haben schon eine, meldet der Verband der privaten Krankenversicherung. Viele haben den Vertrag über ihre gesetzliche Krankenkasse bekommen. Denn diese vermitteln auch privaten Zusatzschutz. Jede Kasse arbeitet aber nur mit einem oder wenigen Versicherern zusammen. Deshalb sind Kunden schlecht beraten, wenn sie blind zum Angebot ihrer Kasse greifen.

Bei den Kassenangeboten handelt es sich oft um die gleichen Tarife, die auch frei verkauft werden. Das Kassenmitglied erhält den Tarif nur etwas günstiger. Arbeitet die Kasse mit einem Versicherer zusammen, dessen Angebote leistungsschwach oder überteuert sind, macht ein Beitragsrabatt von 5 bis 10 Prozent den Nachteil jedoch nicht wett.

Deshalb sollten Kunden umgekehrt vorgehen: Zuerst aus unserem Test möglichst günstige Tarife mit den gewünschten Leistungen auswählen, dann bei der Kasse nachfragen, ob sie eines dieser Angebote zu einem ermäßigten Beitrag vermittelt.

Höhere Leistung für weniger Geld

Zusatzversicherungen für Kassenpatienten Test

Finanztest hat 36 Zahnzusatzversicherungen untersucht, davon fünf spezielle Angebote für Senioren. Sowohl die Preise als auch die Leistungen klaffen weit auseinander: Die Beiträge für eine 43-jährige Neukundin reichten von 3 Euro Monatsbeitrag für den Tarif dent 50 des Deutschen Ring bis 33 Euro für das Angebot Dent-Max der Signal.

Ebenso unterschiedlich sind die Leistungen. Für ein Implantat, das 1 800 Euro kostet, würde die Kundin von der Signal 827 Euro erstattet bekommen, vom Deutschen Ring gar nichts.

Leistungsstärker und günstiger als das Angebot der Signal ist der Tarif ZG der Barmenia. Er kostet für die 43-jährige Modellkundin 24 Euro im Monat, ein gleich alter Mann zahlt 19 Euro. Für das Implantat aus unserem Beispiel bekommen die Versicherten 1 252 Euro erstattet. Zusammen mit dem Zuschuss von der Krankenkasse deckt das 85 Prozent der Kosten ab.

Verträge schwer durchschaubar

Zusatzversicherungen für Kassenpatienten Test

Auf einen Blick sieht der Kunde es einer privaten Zusatzversicherung nicht an, wie viel sie leistet. Die Versicherungsbedingungen sind selbst für Experten schwer zu durchschauen. Das liegt auch an dem komplizierten Abrechnungsverfahren für gesetzlich Krankenversicherte.

Seit 2005 beteiligt sich die Krankenkasse nämlich nicht mehr prozentual an den Kosten für eine Krone oder Brücke, sondern zahlt einen Festzuschuss, der vom medizinischen Befund abhängt. Für einen erhaltungswürdigen Seitenzahn geht die Kasse zum Beispiel von den Kosten für eine Metallgusskrone aus. Diese Regelversorgung wird mit 234,62 Euro angesetzt. Der Festzuschuss beträgt 50 Prozent davon, also 117,31 Euro.

War jemand in den vergangenen fünf Jahren jährlich zur Vorsorge beim Zahnarzt und hat seine Zähne gut gepflegt, erhöht sich der Kassenzuschuss auf 60 Prozent des Betrags für die Regelversorgung. Sind zehn Jahre Vorsorge im Bonusheft nachgewiesen, steigt er sogar auf 65 Prozent, in unserem Beispiel 152,50 Euro.

Lässt sich der Patient einen teureren Zahnersatz anfertigen als die Regelversorgung, beispielsweise ein Implantat anstelle einer Brücke oder ein Inlay anstelle einer Amalgamfüllung, erhöht sich die Kassenleistung nicht.

Zu den Kosten, an denen sich die Kasse beteiligt, kommen in solchen Fällen aber weitere, die der Zahnarzt nach der teureren privatzahnärztlichen Gebührenordnung in Rechnung stellt. Auch Material- und Laborkosten werden dann nach einem teureren Preisverzeichnis berechnet.

Zusatzpolice zahlt nicht alle Kosten

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Eine private Zusatzversicherung lohnt sich deshalb vor allem für Menschen, die ­höherwertigen Zahnersatz wünschen. Eine hundertprozentige Kostenübernahme für jeden noch so teuren Zahnersatz garantiert jedoch keines der Angebote. 10 bis 15 ­Prozent der Gesamtrechnung bleiben fast immer am Patienten hängen.

Anders sieht es aus, wenn jemand mit der Regelversorgung, zum Beispiel einer Metallkrone, zufrieden ist. Von der Rechnung hierfür trägt die gesetzliche Kasse 50 Prozent, mit Bonus bis zu 65 Prozent. Die verbleibenden Restkosten sind überschaubar, sodass man dafür nicht unbedingt eine Versicherung braucht. Auf den Patienten kommen auch für aufwendige Behandlungsfälle höchstens 300 bis 400 Euro zu.

Das kann zwar für Menschen mit sehr geringem Einkommen ein Problem sein – aber für sie gibt es eine Härtefallregelung, nach der sie bis zum doppelten Festzuschuss von ihrer Krankenkasse erhalten. Die anderen werden die Rechnung meist aus ihren Ersparnissen zahlen können.

Eine Zusatzversicherung hilft jedoch Menschen, die schlechte Erfahrungen mit dem Sparen in Eigenregie haben und sicher sein wollen, dass sie sich die neuen Zähne leisten können – auch wenn im ­selben Monat noch eine andere hohe Rechnung zu bezahlen ist.

Keine Top-Leistungen für Ältere

Zusatzversicherungen für Kassenpatienten Test
Kraftvoll zubeißen – mit gutem Zahnersatz geht das. Bei sorgfältiger Pflege hält eine Krone bis zu 25 Jahre. Senioren zahlen kaum höhere Beiträge als Neukunden mit 40. Doch Menschen über 70 Jahren haben viel weniger Auswahl.

Private Versicherer nehmen nicht jeden Kunden. Sie können Interessenten ablehnen, die zu schlechte Zähne haben. Manchmal bieten sie diesen Kunden auch Tarife mit erhöhtem Beitrag an oder schließen Leistungen für bereits schadhafte Zähne aus. Der Versicherungsschutz wird dann oft so teuer oder so lückenhaft, dass er sich nicht mehr lohnt.

Neukunden sind oft nur bis zu einem Höchsteintrittsalter willkommen. Die Signal und die R + V verweigern bereits 61-Jährigen den Vertrag, andere ziehen die Grenze bei 66, 71 oder 76 Jahren. Tarife ohne Höchsteintrittsalter bieten lediglich Barmenia, Deutscher Ring, HanseMerkur und LVM an. Ältere haben deshalb viel weniger Auswahl. Auch spezielle Seniorenangebote, die jetzt auf den Markt kommen, ändern daran nicht viel. Unter ihnen gibt es bislang keine Hochleistungstarife.

Es lohnt sich also, bereits in jüngeren Jahren eine Zusatzversicherung abzuschließen. Denn bestehende Verträge darf der Versicherer nach Ablauf von drei Jahren nicht mehr kündigen, egal wie alt der Kunde ist.

Schutz erst nach acht Monaten

Schnell noch versichern, wenn eine Zahnsanierung ansteht – das geht nicht. Ist ein Zahnproblem bei Vertragsschluss bekannt oder eine Behandlung geplant, übernimmt der Versicherer die Kosten nicht. Ohnehin erhält der Versicherte die erste Leistung aus seiner Zusatzpolice frühestens acht Monate nach Vertragsschluss. Und in den ersten drei bis fünf Vertragsjahren sind die Leistungen oft eingeschränkt.

So erhält der Kunde aus dem Tarif EZ der HanseMerkur im ersten Jahr höchstens 180 Euro, in den ersten zwei Jahren zusammen 360, in den ersten drei Jahren 540 und in den ersten vier Jahren insgesamt nur maximal 720 Euro. Einzelne Anbieter gewähren jedoch schon nach der achtmonatigen Wartezeit die volle Leistung, sofern der Kunde nicht schon bei Vertragsschluss Zahnlücken hatte, zum Beispiel die Barmenia im Tarif ZG.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Zahnersatz auf Kredit - die Alternative?

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