23.09.2010

Wildpilze: Das Geheimnis der Pilze

Pilz des Jahres 2010

Die Schleiereule ist der Pilz des Jahres 2010. Ein stattlicher Speisepilz, den Pilzkenner dennoch stehen lassen. Er ist selten und akut gefährdet. Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie erinnert mit seiner Wahl an die wichtige Rolle, die Pilze im Ökosystem spielen.

Von Eulen und Augen

Nicht unbedingt eine Schönheit und doch ein beeindruckender Pilz. Mit prächtigem Hut. Kastanienfarben bis schokoladenbraun. Oft mit Flöckchen besetzt: in weiß oder violett. Dazu ein blauer oder auch violetter Schimmer. Die Haut ist schmierig. Bei Regen sogar schleimig. Sie glänzt, erinnert an das Auge einer Eule. So kam der Pilz zu seinem Namen: Schleiereule oder auch Eulenauge. Manche nennen die Schleiereule auch Blaugestiefelten Schleimkopf. Aber das klingt weniger nett.

Junge Pilze verschleiert

Die Schleiereule gehört zur Gattung der Schleierlinge. Markenzeichen dieser Pilze: Ein zarter Schleier mit seidigem Glanz. Bei jungen Pilzen spannt sich der Schleier vom Hutrand über den Stiel. Wie Spinnenweben. Cortina ist der Fachbegriff für diesen Schleier. Die bläulich weiße Hülle wirkt wie ein Stiefel. Daher der zweite Name: Blaugestiefelter Schleimkopf. Lateinisch: Cortinarius praestans. Der Schleier verdeckt den Blick auf die jungen Lamellen. Die sind zunächst grau bis graublau. Der Hut ist noch kugelig und tief gewölbt. Später, wenn er sich öffnet, zerreißt der Schleier und der Pilz wächst empor.

Ein großer Pilz

Nun entpuppt sich die Schleiereule als größter Pilz ihrer Gattung. Sie wächst und wächst. Ihr Hut bringt es schon mal auf 20 Zentimeter Durchmesser. Der Stiel verliert seine bauchige Form. Auch der Hut wird flacher. Er breitet sich aus und bekommt einen schärferen Rand. Bei älteren Pilzen wird der Rand dann runzlig und riefig. Die Lamellen verfärben sich vom Graublauen ins Braune. Tonbraun ist ihre Farbe beim ausgewachsenen Pilz.

Speisepilz in Frankreich

Das Besondere an der Schleiereule: Der Pilz ist essbar und er schmeckt. Das gilt für andere Schleierlinge nicht. In Frankreich und in der Schweiz ist die Schleiereule sogar als Marktpilz beliebt. Pilzkenner raten trotzdem ab. Die Fruchtkörper der Pilze speichern viele Schwermetalle. Wer die Schleiereule als Speisepilz sammelt, sollte sich überdies gut auskennen: Es gibt 700 Schleierlingsarten. Viele dieser Pilze sind giftig.

Selten und akut gefährdet

Die Schleiereule ist selten und akut gefährdet. Vor allem in Deutschland. Im Süden und Westen gibt es den Pilz noch ab und an. Gelegentlich taucht er sogar in Mengen auf und bildet Hexenringe. In Norddeutschland fehlt die Schleiereule dagegen. Auch das spricht dafür, diesen Pilz nicht zu essen. Die Fruchtkörper dienen nämlich der Erhaltung der Gattung. Dass die Schleiereule in Deutschland heute selten ist, geht indes nicht auf übermäßiges Sammeln zurück. Der Grund: Ihr Lebensraum schwindet.

Lebensraum bedroht

Die Schleiereule liebt warme, naturbelassene Laubwälder auf kalkhaltigen Böden. Am liebsten feucht und krautreich. Solche Wälder sind heute rar. Die gewinnorientierte Forstwirtschaft lässt dafür kaum noch Raum. Selbst dort, wo es naturnahe Laubwälder gibt, ist der Pilz nicht sicher. Die Holzernte mit schweren Maschinen zerpflügt den Boden und trifft die Schleierlinge in ihrem Lebensraum. Die Pilze wachsen in symbiotischer Gemeinschaft mit ihrem Baumpartner. Wenn der verschwindet, verschwinden auch sie. Auf Dauer kann die Schleiereule nur überleben, wenn der Mensch ihr Lebensraum lässt.

zurück zum Special

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Pilz des Jahres 2009

Dieser Artikel ist hilfreich. Nutzer finden das hilfreich.

Kommentare (1)

weitere Kommentare anzeigen

Alle Kommentare anzeigen

Schreiben Sie bitte einen Kommentar

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Jetzt einloggen oder Neu registrieren.
Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice

Bücher + Spezialhefte

Unsere besten RezepteVegetarisch

9,90 €

Buch ansehen

Unsere besten RezepteDesserts

9,90 €

Buch ansehen