23.09.2010

Wildpilze: Das Geheimnis der Pilze

Pilz des Jahres 2006

Wildpilze Special

Bizarr geformt, unendlich verzweigt und strahlend weiß: Der Ästige Stachelbart ist der Pilz des Jahres 2006. Sieht aus wie Korallen, wächst aber in deutschen Buchenwäldern. Dort thront der Pilz auf dicken, halb vermoderten Stämmen. Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie will mit Ihrer Wahl an die bizarre Vielfalt im Pilzreich erinnern.

Korallen im Wald

Ein Pilz wie eine Koralle: Strahlend weiß und weit verzweigt. Der Ästige Stachelbart ist einfach schön. Er wächst in Buchenwäldern. Was wir sehen ist seine Frucht. Sie entspringt einem dicken Strunk und verzweigt sich in immer feinere Äste. Die Frucht erreicht einen Durchmesser von bis zu 20 Zentimetern und mehr. Der eigentliche Pilz – ein feines Geflecht – wächst im Holz und lässt den Stamm vermorschen. Erst in der letzten Phase der Holzzersetzung bilden sich die korallenförmigen Fruchtkörper. Jedes Ästchen bringt dann Hunderte Sporen hervor.

Pilz schafft Lebensraum

Der Ästige Stachelbart ernährt sich nur von totem Holz. Die lebende Buche schädigt er nicht. Im Gegenteil: Der Pilz schafft Lebensraum für andere Organismen. Er beseitigt den organischen Abfall des Waldes, macht das Holz morsch genug für Insekten und hilft sogar Spechten, die im weichen Holz ihre Höhlen zimmern.

Sein Lebensraum ist bedroht

Der Ästige Stachelbart wächst an Bäumen und bevorzugt – zumindest in Europa – alte Buchenwälder. Sein Lebensraum ist akut bedroht: Es gibt immer weniger Buchenwälder. Die Bäume sterben. Der Mensch holzt sie ab und mit den alten Bäumen verschwindet auch der Ästige Stachelbart. Die wenigen Pilze, die übrig bleiben, müssen sich auch gegen Konkurrenten wehren. Der Zunderschwamm und der Flachporling beanspruchen ähnliche Lebensräume: alte Buchen auf nicht zu trockenen Böden. In Deutschland wächst der Ästige Stachelbart vor allem noch in Mecklenburg-Vorpommern.

Hoffnung in 100 Jahren

Die heutigen Waldbaumaßnahmen könnten dem Ästigen Stachelbart eine neue Zukunft geben. In Deutschland pflanzen die Forstbehörden wieder Buchen zwischen Fichten und gestalten die Monokulturen so in Mischwälder um. Das braucht allerdings Zeit. Erst in über 100 Jahren sind die gepflanzten Buchen alt genug, um dem Pilz neuen Lebensraum zu geben. Bis dahin gilt: Absterbende Buchen müssen stehen bleiben, sonst haben der Ästige Stachelbart und andere Pilze keine Chance.

Wirkstoff gegen Tumoren

Vielleicht kann der Ästige Stachelbart in Zukunft medizinisch genutzt werden. Die traditionelle chinesische Medizin setzt ihn gegen verschiedene Leiden ein. Forscher experimentieren mit dem Pilz, um daraus Wirkstoffe gegen Tumoren zu entwickeln. Eines Tages könnte der Pilz angebaut werden und wertvolle Medikamente liefern. Dann wäre der Mensch ein direkter Nutznießer der uralten Symbiose zwischen Stachelbart und Wald.

zurück zum Special

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Pilz des Jahres 2005

Dieser Artikel ist hilfreich. Nutzer finden das hilfreich.

Kommentare (1)

weitere Kommentare anzeigen

Alle Kommentare anzeigen

Schreiben Sie bitte einen Kommentar

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Jetzt einloggen oder Neu registrieren.
Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice

Bücher + Spezialhefte

VeggieFranzösisch vegetarisch

19,90 €

Buch ansehen

VegetarischUnsere besten Rezepte

9,90 €

Buch ansehen