23.09.2010

Wildpilze: Das Geheimnis der Pilze

Pilz des Jahres 2005

Wildpilze Special

Ein Pilz wie aus dem Märchenbuch: mit Sternzacken und Leopardenmuster. Der Wetterstern ist der Pilz des Jahres 2005. Ausgewählt von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. Die will damit an die bizarre Vielfalt im Pilzreich erinnern. Der Wetterstern ist mit Röhrlingen und Steinpilz verwandt. Früher sagte seine sternförmige Frucht den Menschen tatsächlich das Wetter voraus.

Vor dem Regen „blüht“ der Pilz

Der Wetterstern wächst – wie die meisten Pilze – unter der Erde. Er besteht aus einem Geflecht feiner wurzelähnlicher Fäden, dem Myzel. Der Pilz lebt in Symbiose mit Baumwurzeln. Der Wetterstern bevorzugt dabei Kiefern. Erst im Spätsommer und Herbst brechen seine Fruchtkörper aus der Erde hervor. Zunächst als Kugel mit zwei Schichten. Die Luftfeuchtigkeit steuert das Aufreißen der Frucht. Bei feuchtem Wetter löst sich die äußere Schicht von der inneren und geht sternförmig auf. Dabei hebt sie den eigentlichen Sporenbehälter empor: eine Kugel mit dünner Haut und einer kleinen Öffnung in der Mitte.

Biologische Explosion

Der Wetterstern ist nun bereit für seine Reproduktion: Trifft ein großer Regentropfen oder ein herabfallender Zweig den Sporenbehälter, pustet der Pilz seine Sporen durch die Öffnung hervor. Die „biologische Explosion“ funktioniert wie ein Blasebalg und ist von Bovisten und Stäublingen bekannt. Aber nur der Wetterstern reagiert aufs Wetter. Trockene Luft kehrt den Vorgang um. Die „Arme“ des Wettersterns schließen sich wieder um den Sporenbehälter und verbergen ihn. An getrockneten und wieder angefeuchteten Fruchtkörpern lässt sich diese „hygroskopische“ Bewegung über Jahre hinweg nachvollziehen. So diente der Wetterstern früher als einfacher Feuchtigkeitsmesser.

Bizarre Schönheit

Im Zeitalter der Satellitenvorhersage hat der Wetterstern seine prophetische Kraft verloren. Zumindest sehen wir sie nicht mehr. Menschen lesen das Wetter heute von Maschinen ab. Geblieben ist ein Pilz von bizarrer Schönheit: mit Sternzacken und Leopardenmuster. Eben dieses Muster unterscheidet den Wetterstern von seinen Doppelgängern aus der Gattung der Erdsterne. Erdsterne haben zwar ebenfalls sternförmige „Blätter“, aber kein Leopardenmuster. Auch können sie das Wetter nicht „fühlen“.

Der Steinpilz lässt grüßen

Der Wetterstern – lateinisch Astraeus hygrometricus – gehört, ganz anders als seine vermeintlichen Doppelgänger, zur Großfamilie der Röhrlinge. Insbesondere zum Steinpilz. Diese Erkenntnis hat selbst Fachleute überrascht. Erst Untersuchungen der Pilzfarbstoffe und des Pilzmyzels haben die Verwandtschaft enthüllt. Heute ist sie auch durch genetische Analysen belegt. Erdsterne gehören dagegen zur Gattung der Echten Korallen.

Zu wenig Märchen

Der Wetterstern ist weltweit verbreitet. In Südeuropa kommt er vielerorts vor. Mitunter massenhaft. Auch im Süden Deutschlands ist er nicht selten. Im Norden Europas macht er sich dagegen rar. Der Pilz bevorzugt kalkarme, trockene und sandige Böden. Er wächst in sauren Kiefernwäldern, auf aufgeforsteten Abraumhalden, in Weinbergen und sogar an Bahndämmen. In den letzten 25 Jahren ging sein Bestand allerdings zurück. Vielleicht gibt es in unseren Zeiten zu wenig Platz für märchenhafte Gestalten.

zurück zum Special

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Pilz des Jahres 2004

Dieser Artikel ist hilfreich. Nutzer finden das hilfreich.

Kommentare (1)

weitere Kommentare anzeigen

Alle Kommentare anzeigen

Schreiben Sie bitte einen Kommentar

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Jetzt einloggen oder Neu registrieren.
Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice

Bücher + Spezialhefte

Unsere besten RezepteVegetarisch

9,90 €

Buch ansehen

Unsere besten RezepteDesserts

9,90 €

Buch ansehen