23.09.2010

Wildpilze: Das Geheimnis der Pilze

Pilze und Strahlung

Auch 24 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl gibt es in Deutschland radioaktiv belastete Pilze. Ursache: das radioaktive Caesium 137. Pilze bauen es anstelle von Kalium in ihre Zellen ein. Caesium 137 ist besonders langlebig: Erst nach 30 Jahren ist es zur Hälfte zerfallen.

Hohe Belastung in Bayern

In Südbayern und im Bayrischen Wald ist die radioaktive Belastung am höchsten. Ursache sind die ausgiebigen Regenfälle nach der Reaktorkatastrophe im April 1986. Die unterirdischen Pilzpflanzen nehmen das Caesium 137 seit Jahren auf und speichern es. Das radioaktive Material zerfällt nur langsam. Deshalb hat sich die Situation in Bayern bisher kaum verändert.

Gefahr umstritten

Ob die verstrahlten Pilze gefährlich sind, ist umstritten. Das Bundesamt für Strahlenschutz schließt akute Gefahren aus. Niemand müsse mit gesundheitlichen Folgen rechnen, wenn Speisepilze normal zubereitet und in üblichen Mengen verzehrt würden. Das unabhängige Umweltinstitut München rät dagegen zur Vorsicht. Die Caesiumwerte in Südbayern sind noch recht hoch. „Vor allem Kinder und Schwangere sollten Waldpilze und Waldfrüchte aus ihrem Speiseplan streichen“, sagt Christina Hacker, Leiterin der Arbeitsgruppe Radioaktivität beim Umweltinstitut München.

Spitzenreiter Maronen

In getrockneten Steinpilzen aus Kaufbeuren (Bayern) wurden bis zu 11 670 Becquerel (Bq) je Kilogramm gemessen. Proben aus Russland kamen nur auf 104 bis 335 Bq pro Kilo. Maronen, Birkenröhrlinge und Semmelstoppelpilze können im Münchner Umland durchaus noch mit über 1 000 Becquerel (Bq) je Kilogramm belastet sein. Wald- und Wiesenchampignons gelten mit Werten unter 10 Bq pro Kilo selbst in Bayern als unkritisch. Zum Vergleich: Der Handelsgrenzwert für Lebensmittel liegt laut Strahlenschutzverordnung bei 600 Becquerel pro Kilo.

Kostenlose Messung

Das Umweltinstitut München e.V. untersucht Wildpilze, Beeren und Wild auf radioaktive Belastung. Wer Klarheit sucht, kann seine Pilze prüfen lassen. Benötigt wird eine Mindestmenge von etwa 250 Gramm. Die Proben werden eingeschickt. Das Ergebnis kann per Telefon abgefragt werden. Die Untersuchung ist kostenlos. Infos und Aufträge für eine Messung unter Telefon 0 89 / 30 77 49 – 0. Das Angebot gilt von Anfang August bis Ende Oktober.

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