22.04.2003

Wahl der Steuerklasse: Teure Folgen

Wahl der Steuerklasse Meldung
Schwangere Ehefrauen erhalten mit Steuerklasse III das höchste Mutterschaftsgeld.

Ehepaare können ihre Steuerklassen so wählen, dass weder zu viel noch zu wenig Lohnsteuer vom Gehalt ­abgeht. Sie entscheiden damit aber auch, wie viel Arbeitslosen-, Mutterschafts-, Krankengeld oder Altersteilzeitlohn sie erhalten. Ist die Wahl ungünstig, verlieren sie Geld.

Mit der Kombination der Steuerklassen beeinflussen Ehepaare nicht nur ihr monatliches Nettogehalt. Sie bestimmen damit auch, wie viel Geld Partner erhalten, die arbeitslos werden, in Mutterschaft gehen, länger krank sind oder nach dem Altersteilzeitgesetz arbeiten. Denn die Höhe dieser Leistungen hängt vom monatlichen Netto ab.

Ungeachtet der Einschnitte, die Rot-Grün bei vielen Sozialleistungen plant, sollten Verheiratete die Steuerklassen so wählen, dass sie auch in diesen Lebenssituationen kein Geld verschenken. Solange Ehepaare normal arbeiten, kommt es vor allem darauf an, dass der Chef möglichst wenig Lohnsteuer vom Gehalt abzieht. Je nach Höhe des Bruttolohns, den jeder verdient, sind für Ehepaare dann entweder die Steuerklassen III und V oder für beide die Steuerklasse IV auf der Steuerkarte günstiger.

  • Verdient nur einer, nimmt er am besten die Steuerklasse III, die für den niedrigsten Steuerabzug sorgt.
  • Verdienen beide Partner in etwa gleich, lassen beide lieber die Steuerklasse IV in ihre Steuerkarten eintragen, damit sie nach Abgabe der Steuererklärung keine Steuern nachzahlen müssen.
  • Verdient ein Partner mehr als 60 Prozent des gemeinsamen Lohns, wählt er besser die günstige Steuerklasse III und der andere die Steuerklasse V, in der die Lohnsteuer am höchsten ist.

Das Finanzamt akzeptiert zwar auch steuerlich nicht so günstige Kombinationen. Dann zahlt das Ehepaar aber während des Jahres zu viel Steuern. Ist das der Fall, können Ehepaare die Steuerklassen noch bis zum 30. November wechseln.

Zwar ist die Lohnsteuer nur eine Vorauszahlung, die das Finanzamt nach Abgabe der Steuererklärung anrechnet. Zu viel abgezogene Steuern sind also nicht verloren. Das Finanzamt bekommt allerdings einen zinslosen Kredit – und das muss nicht sein.

Pausen im Berufsleben

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Mit Steuerklasse III gibts den meisten Lohn und das meiste Geld bei Arbeitslosigkeit , Krankheit und Altersteilzeit.

Auch wenn ein Ehepartner den Arbeitsplatz verliert, in Mutterschaft geht, längere Zeit krank wird oder Altersteilzeit macht, bekommt er mit Steuerklasse III auf der Steuerkarte das meiste Geld ausgezahlt. Am wenigsten erhält er mit Steuerklasse V. Auch die Steuerklasse IV ist nicht so günstig wie die III. Ein verheirateter Mann, der vorher im Schnitt 2 500 Euro brutto im Monat verdient hat, bekommt zum Beispiel mit Steuerklasse III 246,75 Euro Arbeitslosengeld in der Woche. Mit Steuerklasse IV sind es nur 203,62 Euro und mit der V nur 145,60 Euro.

Arbeitnehmer, die demnächst Arbeitslosen-, Mutterschafts-, Kranken- oder Altersteilzeitlohn beziehen, sollten deshalb auf jeden Fall ihre Steuerklassen prüfen. Haben sie durch eine ungünstige Wahl weniger Geld bekommen, können sie es nicht mehr zurückholen. Der Verlust lässt sich nur verhindern, wenn sie die Steuerklassen rechtzeitig ändern.

Mehr Arbeitslosengeld

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Nur verheiratete Arbeitnehmer können ihre Steuerklassen günstig kombinieren.

Die Höhe des Arbeitslosengeldes hängt grundsätzlich von der Steuerklasse ab, die am Anfang des Jahres auf der Steuerkarte steht, in dem die Arbeitslosigkeit beginnt. Ist eine Steuerklassenwahl nicht nur für die Höhe des Arbeitslosengeldes, sondern auch steuerlich günstiger, erkennt das Arbeitsamt auch einen späteren Wechsel noch an (Paragraph 137 Absatz 4 Nummer 1 Sozialgesetzbuch III).

Das nutzt unser Musterehepaar Petra und Paul Benz. Paul Benz hatte zum Jahresbeginn die Steuerklasse III auf der Steuerkarte, weil er Alleinverdiener war. Im Februar ist seine Frau wieder in den Beruf eingestiegen.

Da sie 2 000 Euro und ihr Mann 4 000 Euro brutto im Monat verdient, wäre es für das Ehepaar steuerlich am günstigsten gewesen, wenn Petra Benz die Steuerklasse V genommen hätte. Doch sie wollte mehr Gehalt ausgezahlt bekommen, deshalb haben beide Partner von der Gemeinde die Steuerklassen IV in ihre Steuerkarten eintragen lassen.

Im März hat Paul Benz dann erfahren, dass er ab Oktober arbeitslos sein wird. Das Paar will deshalb im September neue Steuerklassen beantragen. Sie will die Steuerklasse V nehmen und er die III. Mit Steuerklasse III bekommt Paul Benz rund 64 Euro mehr Arbeitslosengeld in der Woche als mit der IV.

Dann zieht der Arbeitgeber bei seiner Frau zwar mehr Lohnsteuer vom Gehalt ab. Doch die erhält das Paar ja nach Abgabe der Steuererklärung zurück. Das durch Steuerklasse IV entgangene Arbeitslosengeld wäre dagegen verloren.

Ist die Kombination der Steuerklassen steuerlich sinnvoll, macht das Arbeitsamt einen Wechsel auch während der Arbeitslosigkeit noch mit. Das beschert einem Ehepaar, das wir Eva und Heinz Meier nennen, mehr Geld. Heinz Meier hat, bevor Eva im November 2002 arbeitslos wurde, brutto 1 500 Euro und seine Frau brutto 4 000 Euro im Monat verdient. Bei ihr stand deshalb die Steuerklasse III und beim ihm die V auf der Steuerkarte. Das war die Kombination mit den insgesamt geringsten Lohnsteuerabzügen.

Bevor Evas Arbeitslosigkeit begann, haben Meiers die Steuerklassen getauscht, weil Heinz Meier mit Steuerklasse III netto mehr Lohn ausgezahlt bekommt. Jetzt entdeckt das Ehepaar, dass Eva mit Steuerklasse V gut 147 Euro weniger Arbeitslosengeld in der Woche erhalten hat als mit Steuerklasse III.

Es beantragt deshalb sofort wieder für Eva die Steuerklasse III und für Hans die Steuerklasse V. Da dies auch aus steuerlicher Sicht die beste Kombination ist, zahlt das Arbeitsamt daraufhin mehr Arbeitslosengeld. Die höheren Lohnsteuerabzüge, die Hans Meier mit Steuerklasse V hat, holt er sich über die Steuererklärung für 2003 zurück.

Hochzeitsgeschenk

Auch wenn Arbeitslose heiraten, können sie durch eine Änderung der Steuerklassen mehr Geld vom Arbeitsamt erhalten. Unser Musterkandidat Kevin Müller war im Februar beim Standesamt. Als frisch gebackener Ehemann konnten er und seine berufstätige Frau Susi die Steuerklassenkombination IV/IV oder III/V wählen.

Susi Müller verdient 2 000 Euro brutto und hat von der Gemeinde die V in ihre Steuerkarte eintragen lassen. Ihr Mann hat die III genommen, da sein Bruttolohn vor der Arbeitslosigkeit im Schnitt 3 500 Euro brutto im Monat betrug. Dadurch ist sein Arbeitslosengeld von 257,81 Euro (Steuerklasse I für Alleinstehende ohne Kinder) auf 312,27 Euro gestiegen und jede Woche 54,46 Euro höher.

Chance bei Trennung

Wenn Ehepartner sich trennen, können arbeitslose Partner ebenfalls mehr Arbeitslosengeld erhalten. Bei unserem Musterpaar bezieht Rita Schmidt Arbeitslosengeld nach der ungünstigen Steuerklasse V, wobei steuerrechtlich die Steuerklassenkombination IV/IV richtig wäre. Noch in diesem Jahr werden sie und ihr Mann sich trennen. Dann kann Rita Schmidt die Steuerklasse I für Alleinstehende beantragen. Dadurch erhält sie ab Januar jede Woche 58,02 Euro mehr Arbeitslosengeld, da sie vor der Arbeitslosigkeit 2 500 Euro brutto im Monat verdient hat.

Trost im Todesfall

Selbst so ein trauriges Ereignis wie der Tod des Partners kann mehr Arbeitslosengeld bringen. Witwen und Witwer erhalten nach dem Tod und im Jahr danach auf Antrag die Steuerklasse III. Die 50-jährige Gesine Scholl ist seit Januar arbeitslos und im März Witwe geworden. Ihr verstorbener Mann hatte die Steuerklasse III und sie selbst die Steuerklasse V.

Gesine Scholl erhält bis Ende 2004 die Steuerklasse III, wenn sie das bei der Gemeinde beantragt. So steigt ihr Arbeitslosengeld um 110,81 Euro pro Woche, wenn sie früher im Schnitt 2 800 Euro brutto im Monat verdient hat.

Mehr Krankengeld

Wenn Verheiratete länger krank sind und die gesetzliche Krankenkasse deshalb Krankengeld zahlt, ist die Steuerklasse III ebenfalls am günstigsten. Das Krankengeld macht 70 Prozent vom Bruttoentgelt vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit aus. Davon zählen jedoch maximal 3 450 Euro im Monat mit. Da mit 30 Tagen im Monat gerechnet wird, beträgt das höchste Krankengeld 80,50 Euro am Tag (70 Prozent von 3 450 Euro : 30). Es darf aber nicht höher als 90 Prozent des Nettoentgelts vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit sein und hängt deshalb auch von der Steuerklasse ab.

Da Krankheiten meist plötzlich kommen, kann allerdings kaum jemand sein Netto erhöhen, indem er vorher schnell die Steuerklasse ändert. Und sind Arbeitnehmer erst einmal krank, bringt ein Steuerklassenwechsel nichts mehr.

Unser Mustermann Daniel Kroll verdient zum Beispiel sehr viel weniger als seine Frau Diana. Für das Ehepaar wäre es deshalb steuerlich am günstigsten, wenn sie die Steuerklasse III und ihr Mann die Steuerklasse V hätte. Doch sie haben beide die Steuerklasse IV auf ihren Steuerkarten, damit Daniel vom 3 000 Euro hohen Bruttolohn jeden Monat mehr ausbezahlt bekommt. Da er seit längerem krank ist, erhält er dadurch auch mehr Krankengeld.

Brutto hat Kroll 3 000 Euro Lohn. Das sind 100 Euro am Tag. Netto verdient er mit Steuerklasse IV 1 666,64 Euro. Das sind 55,62 Euro am Tag.

70 Prozent von 100 Euro bringen jeden Tag 70 Euro Krankengeld. 90 Prozent von 55,62 Euro ergeben täglich 50,06 Euro. Weil dieser Betrag niedriger ist, erhält Daniel Kroll ihn als Krankengeld – insgesamt also 1 501,80 Euro brutto im Monat. Mit Steuerklasse V hätte er 1 168,57 Euro netto verdient und nur 1 051,80 Euro Krankengeld gehabt. In beiden Fällen gehen noch 13,85 Prozent Sozialabgaben vom Krankengeld ab.

Nicht so günstig wäre für das Ehepaar dagegen, wenn nicht Daniel, sondern Diana Kroll krank wäre. Auch sie würde Krankengeld nach Steuerklasse IV bekommen und könnte nicht mehr in die günstigere Steuerklasse III wechseln.

Mehr Mutterschaftsgeld

Auch Frauen, die bald in Mutterschutz gehen, bekommen mit Steuerklasse III oder IV meist mehr Mutterschaftsgeld. Wie viel sie in der rund 14 Wochen langen Mutterschutzfrist pro Tag erhalten, berechnet sich aus der Höhe des Nettolohns der letzten drei Monate vor Beginn der Frist.

Von der Krankenkasse werden maximal 13 Euro Mutterschaftsgeld pro Tag gezahlt. Die Differenz zum letzten Nettolohn muss der Arbeitgeber ausgleichen. Frauen mit Steuerklasse III muss er mehr zahlen als Frauen mit Steuerklasse IV oder V. Es wird immer mit 30 Tagen im Monat gerechnet.

Unsere werdende Mutter heißt Radina Garski. Sie ist gesetzlich versichert und verdient vor Beginn der Mutterschutzfrist 2 040 Euro brutto im Monat.

Mit Steuerklasse III hat sie nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben 1 534,74 Euro Nettolohn. Ihr Mutterschaftsgeld wird demnach 51,16 Euro (1 534,74 : 30 Tage) am Tag betragen.

Mit Steuerklasse V kommt sie auf 928,38 Euro netto. Damit erhält Radina Garski nur rund 30,95 Euro Mutterschaftsgeld am Tag (928,38 : 30 Tage).

Sie hat die Steuerklasse V, weil ihr Mann sehr viel mehr verdient. Will sie mehr Mutterschaftsgeld und deshalb in die III oder IV wechseln, sollte sie mit ihrem Chef reden. Er muss den Wechsel nur anerkennen, wenn die neue Kombination für das Ehepaar auch steuerlich günstiger ist.

Mehr Lohn bei Altersteilzeit

Ein Steuerklassenwechsel kann auch Verheirateten, die demnächst nach dem Altersteilzeitgesetz arbeiten, zu mehr Geld verhelfen. Sie sollten möglichst die Steuerklasse III in ihre Steuerkarte eintragen lassen. So bekommt zum Beispiel ein 58-Jähriger netto mehr Geld. Nennen wir den Mann Klaus Schnell.

Er und seine Frau haben bisher die Steuerklassen IV auf ihren Steuerkarten, obwohl die Kobination III/V steuerlich sinnvoller wäre. Klaus Schnell wechselt deshalb vor Beginn der Altersteilzeit in Steuerklasse III und seine Frau in V.

Schnell verdient vorher 4 000 Euro brutto im Monat. Das sind in Steuerklasse III nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben rund 2 514 ,00 Euro netto. In Steuerklasse IV bleiben nur 2 047,00 Euro übrig.

Klaus Schnell will nur noch halbtags beruflich tätig sein. Der Chef hat sich tariflich verpflichtet, den Teilzeitlohn auf 80 Prozent des Nettoentgelts bei voller Beschäftigung aufzustocken. In Steuerklasse IV bekäme Schnell künftig rund 1 650 Euro heraus. In Steuerklasse III sind es rund 360 Euro mehr. Neue Steuerklassen können also in ganz verschiedenen Situationen mehr Geld bringen.

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