24.02.2005

Versandapotheken: Jede zweite mangelhaft

Versandapotheken Test

Versandapotheken beraten schlecht. Ähnlich schlecht wie niedergelassene Apotheken. Nach dem großem Apotheken-Test im Frühjahr 2004 hat die Stiftung Warentest jetzt Versandapotheken untersucht. Ergebnis: Falsche Auskünfte und fehlende Beratung sind die traurige Regel. 10 von 20 Versandapotheken sind mangelhaft. Darunter auch Branchenprimus Doc Morris. test.de sagt warum.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuelleren Test: Versandapotheken

Schnell und komfortabel

Schnell können sie sein, billig und komfortabel: Versandapotheken liefern in jeden Winkel der Republik. Schnelle Anbieter bringen die Pillen schon am nächsten Tag. Standard sind zwei bis fünf Tage. Rezeptfreie Medikamente sind bis zu 30 Prozent billiger als in klassischen Apotheken. Manchmal sogar noch billiger. Versandapotheken im Ausland geben auch auf Rezepte Rabatt. Beratung gibts meist per E-Mail und am Telefon. Bei einigen Anbietern auch außerhalb der normalen Geschäftszeiten. Das spricht für Versandapotheken. Doch ihr Service ist nicht top.

Zwischenblutungen riskiert

Die Stiftung Warentest hat zur Probe bestellt und Testpatienten ins Rennen geschickt. Zunächst waren die Hotlines dran. Viele Versandapotheken sind perfekt erreichbar. Doch sie beraten schlecht. Das kann im Erstfall gefährlich werden. Beispiel: Eine Testpatientin leidet unter Depressionen. Sie möchte ihre Stimmung mit Johanniskraut aufhellen. Gleichzeitig nimmt sie die Pille. Auskunft vieler Versandapotheken: „Johanniskraut, kein Problem.“ Falsch. Johanniskraut kann die Wirkung der Pille schwächen. Zwischenblutungen sind möglich. Die Frau könnte ungewollt schwanger werden. Die falsche Auskunft ist peinlich – aber kein Einzelfall.

Falsch beraten

Sieben mal riefen Testpatienten bei jeder Versandapotheke an. Mit Standardfragen zu Risiken und Nebenwirkungen wie: „Vertragen sich Grippemittel und Betablocker?“ oder „Soll Talcid gegen Sodbrennen vor oder nach dem Essen eingenommen werden?“. Richtige Antworten: Talcid nach dem Essen einnehmen. Grippemittel und Betablocker nicht kombinieren: Blutdruck kann steigen. Sieben Anbieter antworteten oft falsch oder gar nicht: Darunter auch Doc Morris - laut Eigenwerbung - Europas größte Versandapotheke. Ebenfalls mangelhaft sind Apondo, Aponet, Apotal, berni24, Mc Pille und Pharma Kontor. Die besten Auskünfte gaben Berg-Apotheke und Mycare. Vollständig und fehlerfrei informierten aber auch sie nicht.

Wichtige Infos fehlen

Besonders wichtig sind Informationen bei der Bestellung rezeptfreier Medikamente. Viele Menschen behandeln sich selbst, oft ohne ärztlichen Rat. Versandapotheken wie Doc Morris werben damit, dass sie bestellte Medikamente auf ihre Kombinierbarkeit und Risiken prüfen. Fehlanzeige bei rezeptfreien Medikamenten: Die Stiftung Warentest orderte etwa Eisen- und Kalziumtabletten. Sie sollten im Abstand von mindestens zwei Stunden eingenommen werden. Eisen und Kalzium behindern sich sonst bei der Aufnahme im Darm. Keine Versandapotheke wies darauf hin.

Lieferung in 24 Stunden

Überzeugen konnten die meisten Versandapotheken in ihrer Kerndisziplin. Sie liefern schnell. Apo-Rot, Mc Pille, Pharma24, Sanicare und Versandapo sind besonders fix. Hier kommen die Medikamente schon mal am nächsten Tag. Noch schneller gehts mitunter beim Apothekenportal aponet.de. Das beauftragt eine Apotheke am Wohnort des Kunden. Ein Bote liefert – manchmal noch am selben Tag. Die längste Leitung im Test hat Pharma Kontor: Hier kamen die Pillen erst nach Wochen. Lieferzeit bis zu 13 Tage. Langsam agierten auch Apotheke.com, Berg-Apotheke und Gefion.

Lieferung vergessen

Es sind vor allem klassische Apotheken, die fürs Versandgeschäft dazulernen müssen. Im Test gingen einige Bestellungen unter oder kamen zu spät. Beispiel: Altstadt-Apotheke Schleswig. Sie betreibt die Domain gefion.de. Eine Testkundin wartete hier drei Wochen auf ihre Pille. Die Engel-Apotheke in Münster (apondo.de) ließ das Rezept einer älteren Testkundin zehn Tage liegen. Erst auf Nachfrage tauchte es wieder auf. Auch beim Apothekenportal Apotheke.com läuft noch nicht alles rund. Die beauftragte Apotheke in Berlin vergaß die Bestellung. Die Berg-Apotheke in Tecklenburg buchte die Zuzahlung auf ein Rezept gleich mehrfach ab, ließ aber ebenfalls auf die Pillen warten. Erst auf Nachfrage kamen die Medikamente an.

Rezept braucht länger

Rezeptpflichtige Medikamente brauchen ohnehin mehr Zeit. Das gilt für alle Versandapotheken. Der Patient muss sein Rezept zunächst einschicken. Fax oder E-Mail gilt nicht – so ist es Gesetz. Medikamente wie Antibiotika, Cholesterin- oder Blutdrucksenker dürfen die Anbieter erst verschicken, wenn das Originalrezept vorliegt. Daran hielten sich auch alle Versandapotheken im Test.

Komplett + Interaktiv:  Test Versandapotheken aus der Zeitschrift test

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