19.04.2005

Vermögenswirksame Leistungen: Der Siebensparer

Vermögenswirksame Leistungen Meldung
Viele tariflich Beschäftigte bekommen vermögenswirksame Leistungen. Geringverdiener erhalten nach sieben Jahren noch zusätzlich Zulagen vom Staat dazu.

Wo sind vermögenswirksame Leistungen (VL) gut angelegt? Können Sparer den Vertrag vor Ablauf der siebenjährigen Sperrfrist wechseln? 20 Fragen, 20 Antworten zum VL-Sparen.

Stell Dir vor, der Chef verschenkt Geld und keiner nimmt es! Viele Arbeitnehmer haben Anspruch auf vermögenswirksame Leistungen (VL) vom Arbeitgeber. Doch nicht alle nutzen das Angebot auch.

Vermögenswirksame Leistungen zahlt der Arbeitgeber aus eigener Tasche oder überweist sie auf Wunsch des Mitarbeiters aus dessen Lohn auf einen Sparvertrag. Nach Ablauf einer meist siebenjährigen Sperrfrist bekommt der Arbeitnehmer den Wert seiner VL-Anlage ausgezahlt. Wer in den sieben Jahren gewisse Einkommensgrenzen nicht überschritten hat, bekommt zusätzlich Geld vom Staat.

1. Wer bekommt vermögenswirksame Leistungen?

Arbeitnehmer, Beamte, Richter, Soldaten und auch Auszubildende haben Anspruch auf VL. Teilzeitbeschäftigte erhalten sie meist nur anteilig. Neu Angestellte haben oft erst nach ihrer Probezeit Anspruch auf VL. Freie Mitarbeiter, Selbstständige oder Rentner bekommen sie nicht.

2. Wie hoch sind die vermögenswirksamen Leistungen?

Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes erhalten derzeit 6,65 Euro, die Beschäftigten der Banken 40 Euro monatlich. Wie viel VL der Arbeitnehmer bekommt, steht meist im Tarifvertrag. Auskünfte erteilt die Personalstelle oder der Betriebsrat.

3. Wo kann ich vermögenswirksame Leistungen anlegen?

Es gibt mehrere mögliche Anlageformen. Die gängigsten sind der Bausparvertrag, der Banksparplan, die Kapitallebensversicherung und Fonds. Staatliche Zuschüsse erhalten Sparer aber nur, wenn sie die VL in einen Aktienfonds oder einen Bausparvertrag einzahlen (Frage 7 und 13).

4. Ich habe ein Haus gebaut. Darf ich die VL auch verwenden, um Bauschulden abzuzahlen?

Ja. Sie müssen bei Ihrem Arbeitgeber schriftlich beantragen, dass er die vermögenswirksamen Leistungen auf das Darlehenskonto der Bank oder Bausparkasse überweist.

5. Was muss ich tun, um vermögenswirksame Leistungen zu erhalten?

Arbeitnehmer müssen sich zunächst selbst um einen Sparvertrag für ihre VL ­kümmern. Wenn Sie einen Sparvertrag ­abgeschlossen haben, bekommen Sie eine Bescheinigung, die Sie dem Arbeitgeber vorlegen. Dann weiß der Arbeitgeber, wohin er das Geld überweisen soll.

6. Muss ich einen Teil von meinem Lohn zuzahlen?

Nein, grundsätzlich nicht. Aber wenn Sie einen Sparvertrag mit Mindestanlagesumme abschließen, bleibt vielleicht eine ­Lücke: Sie schließen zum Beispiel einen Fondssparplan bei einem Anbieter ab, der eine monatliche Mindestanlage von 34 Euro verlangt. Wenn der Arbeitgeber nur 26 Euro vermögenswirksame Leistungen spendiert, müssen Sie den Rest aus eigenem Lohn zuzahlen.

7. Wann bekomme ich zusätzlich die Arbeitnehmersparzulage?

Entscheidend für die staatliche Förderung mit der Arbeitnehmersparzulage ist die Höhe des zu versteuernden Jahreseinkommens. Beträgt es bei Alleinstehenden höchstens 17 900 Euro und bei Ehepaaren nicht mehr als 35 800 Euro, erhalten ­VL-Sparer die Sparzulage (zur Höhe der Förderung siehe Frage 8).

Wer hohe Werbungskosten hat oder Freibeträge für Kinder angerechnet bekommt, kann auch mit einem hohen Bruttogehalt noch die Arbeitnehmersparzulage einstreichen. So darf etwa ein Ehepaar (ein Verdiener) mit drei Kindern noch einen Jahresbruttolohn bis zu 58 218 Euro haben, ohne den Anspruch auf Arbeitnehmersparzulage zu verlieren.

8. Wie hoch ist die ­Arbeitnehmersparzulage?

Seit dem 1. Januar 2005 gelten für Arbeitnehmer in West- und Ostdeutschland ­folgende einheitlichen Regeln: Wer die Einkommensgrenzen (siehe Frage 7) unterschreitet und seine VL in Aktienfonds investiert, bekommt eine Zulage in Höhe von 18 Prozent. Wenn 400 Euro eingezahlt sind, endet die staatliche Förderung. Mehr als 72 Euro Sparzulage jährlich gibt es für Aktienfonds nicht. Bausparer bekommen 9 Prozent Sparzulage. Sie erhalten 43 Euro für maximal geförderte Einzahlungen von 470 Euro pro Jahr.

Arbeitnehmer können auch einen Aktienfonds und zudem noch einen Bausparvertrag abschließen und so die Zulagen aus den beiden Förderkörben erhalten.

Weil der Arbeitgeber aber selten vermögenswirksame Leistungen in Höhe von 870 Euro spendiert, muss der Mitarbeiter die VL des Arbeitgebers dann aus eigenem Lohn aufstocken.

9. Darf ich mehr Geld einzahlen, als der Staat fördert?

Das ist bei den meisten Verträgen nicht möglich und es ist auch nicht sinnvoll. Wer mehr als nötig in einen VL-Sparplan einzahlt, bindet dieses Geld meist für sieben Jahre. Eine vorzeitige Auflösung ist – wenn überhaupt möglich – oft mit Nachteilen (zum Beispiel Auflösegebühr) verbunden.

10. Wie beantrage ich die ­Arbeitnehmersparzulage?

Mit der Steuererklärung. Sie bekommen von Ihrem Anlageinstitut eine Bescheinigung, die Sie der Anlage N Ihrer Steuererklärung beilegen müssen. In Zeile 23 der Anlage N müssen Sie die Zahl der Bescheinigungen eintragen.

Der Antrag muss bis zum Ende des zweiten Kalenderjahres, das auf das jeweilige Sparjahr folgt, gestellt werden. Die Antragsfrist für die Arbeitnehmersparzulage 2004 endet also am 31. Dezember 2006.

11. Wann komme ich an VL und Arbeitnehmersparzulage ran?

Das Sparen mit vermögenswirksamen Leistungen läuft bei Bausparvertrag, Investmentfonds und Banksparplan grundsätzlich über sieben Jahre. Erst nachdem diese Sperrfrist abgelaufen ist, zahlt der Staat die Sparzulage in den Sparvertrag ein.

12. Wo kann ich VL ohne Risiko anlegen?

Sicher ist etwa das Bausparen. VL erwirtschaften zum Beispiel bei einer Bausparkasse derzeit bis zu 3,88 Prozent Rendite pro Jahr bei sieben Jahren Laufzeit (siehe Tabelle). Auch das Ratensparen bei einer Bank ist absolut sicher.

Das Sparen mit Fonds ist riskanter, weil der Wert der gekauften Fondsanteile schwankt. Allerdings verspricht das Fondssparen auch mehr Rendite. Beim internationalen Aktienfonds Lingohr-Systematik-BB-Invest etwa waren es 6 Prozent jährlich in den vergangenen fünf Jahren. Der ­Rentenfonds Adig Adirenta hat im selben Zeitraum 5,4 Prozent erwirtschaftet.

13. Erhalten VL-Bausparer auch die Wohnungsbauprämie?

Die Prämie bekommt, wer höchstens 25 600 Euro Jahreseinkommen zu versteuern hat (Ehepaare 51 200 Euro). Das ­Bruttoeinkommen darf höher liegen. Ein Ehepaar (ein Verdiener) mit drei Kindern würde sie noch bis zum Jahresbruttoeinkommen von 73  618 Euro erhalten.

Seit 2004 bekommen prämienberechtigte Bausparer 8,8 Prozent pro Jahr auf den­ ­geförderten Jahreshöchstbetrag von 512 Euro (Ehepaare 1 024 Euro). Alleinstehende bekommen also maximal 45,06 Euro jährlich (Ehepaare 90,11 Euro). Die Wohnungsbauprämie beantragen Sparer über die Bausparkasse.

Wer sowohl die Arbeitnehmersparzulage als auch die Wohnungsbauprämie einstreichen will, muss beachten: Für eingezahlte VL, die schon mit der Sparzulage gefördert werden, gibt es keine Prämie.

Beispiel: Zahlt der Chef 470 Euro im Jahr (Förderhöchstbetrag für Sparzulage) in den Bausparvertrag seines förderungsberechtigten Mitarbeiters, wird diese Summe nur mit der Sparzulage gefördert. Der Arbeitnehmer bekäme nur dann auch die Wohnungsbauprämie, wenn er über die 470 Euro hinaus von seinem Lohn zuzahlt.

14. Muss ich beim Bausparen das Geld später für den Hausbau oder den Wohnungskauf ausgeben?

Nein. Nach Ablauf der siebenjährigen Sperrfrist können Sie über das angesammelte Kapital völlig frei entscheiden.

15. Ich investiere meine VL in ­einen schlecht laufenden Fonds. Kann ich ihn innerhalb meines aktuellen VL-Vertrags wechseln?

Nein. Nach Paragraph 4 des Vermögensbildungsgesetzes ist ein Fondswechsel während der sechsjährigen Einzahlungsphase zwar möglich, aber die Anlageinstitute schließen den Fondswechsel in den Vertragsbedingungen meistens aus.

16. Kann ich aus einem schlechten Fonds nie vorzeitig aussteigen?

Doch. Oft können Anleger den Fondssparplan vorzeitig kündigen und sich den Wert der Anteile auszahlen lassen. Die Arbeitnehmersparzulage verlieren sie so aber.

Ob Anleger vorzeitig kündigen können, steht im Sparvertrag. Nach der Kündigung können sich VL-Sparer einen besseren Fonds suchen. Die Sperrfrist von sieben Jahren beginnt erneut.

Müssen Sparer für die vorzeitige Kündigung Geld zahlen, ist es oft besser, nicht zu kündigen, sondern den Vertrag bis zum Ende der Sperrfrist ruhen zu lassen.

17. Macht eine Kapitallebensversicherung für meine VL Sinn?

Meistens nicht. Aktienfonds sind renditeträchtiger als Kapitallebensversicherungen. Und für sicherheitsorientierte Anleger ist der Bausparvertrag besser geeignet.

Außerdem ist für eine VL-Lebensversicherung eine Mindestvertragsdauer von zwölf Jahren vorgeschrieben. Wenn ein ­Arbeitnehmer vorher aus dem Vertrag ­aussteigt, kann er bis zu 50 Prozent der Einzahlungen verlieren.

18. Ich löse meinen Fondssparplan auf, weil ich arbeitslos bin. Ist die Arbeitnehmersparzulage gefährdet?

Nein. Ein Sparer, der seit einem Jahr ununterbrochen arbeitslos ist, darf sich das Geld ohne negative Konsequenzen auszahlen lassen. Auch wenn der Arbeitnehmer nach dem VL-Sparvertrag geheiratet hat und seit Vertragsschluss zwei Jahre vergangen sind, kann er aussteigen. Ferner wenn der Ehegatte stirbt oder aber, wenn sich der Sparer nach Abschluss eines Sparvertrags selbstständig macht.

19. Lohnt sich ein VL-Banksparplan? Die Beamtenkasse bietet zum Beispiel 3,5 Prozent Zinsen, die Direktbank ING-Diba 2,5 Prozent?

Diese Banksparpläne haben den Nachteil, dass die Bank den Zinssatz nach Vertragsabschluss ändern darf. Außerdem wird ein Banksparplan nicht staatlich bezuschusst.

20. Wo kann ich VL-Fonds günstig kaufen?

Die Fondsvermittler sind derzeit die ­günstigste Bezugsquelle für Fonds. Die Top-Fonds wie Lingohr-Systematik-­BB-­Invest, Meag EuroInvest, MPC Europa Methodik aus der Tabelle auf Seite 38 bietet zum Beispiel der Vermittler ­dima24.de ohne Ausgabeaufschlag an. Dort bekommen Sparer außerdem die jährliche Gebühr für das Depot in Höhe von 36 Euro erstattet.

Wer seine VL ethisch anlegen will, kann zum Beispiel in den internationalen Top-Aktienfonds Sarasin Valuesar Equity (Isin LU 009 742 778 4) einzahlen. Der Fonds verzichtet unter anderem auf Investitionen in Rüstung und Kernenergie. Es gibt ihn als VL-Sparplan etwa über Fondsvermittlung24.de zu einem ermäßigten ­Aus­gabeaufschlag von 2,5 Prozent (statt 5 Prozent). Das Depot kostet nach sieben Jahren einmalig 40 Euro.

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