11.09.2010

Vergleich Heizsysteme: Pellets klimafreundlicher

Vergleich Heizsysteme Test

Energie sparen ist in – auch beim Heizen. Doch für welches System entscheiden: Öl, Gas oder Holz­pellets? test.de hat die drei Kandidaten unter die Lupe genommen. Ergebnis: Niedrige Investitions­kosten, hohe Effizienz und geringer Platz­bedarf sprechen für Gas­heiz­kessel. Holz­pellet­kessel punkten dagegen bei Brenn­stoff­kosten und Klima­schutz.

Die Kandidaten

Häuslebauer und Heizungsmodernisierer stehen früher oder später vor der gleichen Frage: Welches Heizsystem ist das richtige? Immerhin geht es um hohe Investitionen und Folgekosten, die noch Jahrzehnte später be- oder entlasten. test.de hat deshalb in einer Modellrechnung drei Heizsyteme miteinander verglichen. Als Basis für den Vergleich dienten die letzten Tests. Die Kandidaten: 9 Gasbrennwertkessel (test 07/2010), 10 Holzpelletkessel (test 07/2009) und 10 Ölbrennwertkessel (test 05/2008).

Gaskessel sind preiswerter

Die aktuell getesteten Gasbrennwertkessel inklusive Warmwasserspeicher schlagen mit 4 500 bis 5 800 Euro zu Buche. Nur geringfügig teurer waren die in 2008 untersuchten Ölbrennwertkessel. Ihr damaliger Listenpreis: 5 590 bis 7 000 Euro. In der Anschaffung etwa doppelt so teuer sind dagegen die Holzpelletkessel. 2009 betrug der Listenpreis der getesteten Geräte zwischen 10 800 und 12 600 Euro. Doch damit nicht genug. Je nach System entstehen weitere Kosten für Brennstofflager und Warmwasserspeicher (Öl und Pellets) sowie Förderschnecke (Pellets). Zu guter Letzt ist und bleibt der Preis Verhandlungssache. Installateure geben oft saftige Rabatte. Es lohnt sich daher immer gleich mehrere Angebote von verschiedenen Händlern einzuholen.

Pellets brauchen öfters Schornsteinfeger

In der Kategorie Effizienz punkten die Gas- und Ölbrennwertkessel – dank moderner Brennwerttechnik. Allen Systemen gemein ist die jährliche Wartung und der Besuch des Schornsteinfegers. Dabei schneiden Pelletanlagen am schlechtesten ab. Grund: größter jährlicher Wartungsaufwand und häufigste Besuche des Schornsteinfegers, wie die Tabelle Platz, Wartung, Schornsteinfeger zeigt.

Unterstützung für die Pellets

Doch die zylindrischen Presslinge geben sich noch nicht geschlagen. Denn für Pelletheizungen gibt es staatliche Zuschüsse. Seit dem 12. Juli nimmt das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) wieder Anträge entgegen. Das lohnt sich. Beispiel: In ein bestehendes Gebäude baut eine Familie eine Pelletheizung mit einem großen Warmwasserspeicher (Pufferspeicher mit mindestens 30 l/kW). Dafür bekommt sie 2 500 Euro Zuschuss. Ist das Haus sehr gut gedämmt und kommt ein zusätzlicher Filter in den Schornstein, dann erhöht sich die Förderung sogar auf bis zu 4 750 Euro.

Gas braucht weniger Platz

Ist der Platz gering, dann sind Gassysteme die bessere Wahl. Ihr Vorteil: Das Gas wird direkt per Leitung ins Haus geliefert. Ein Vorratslager ist nicht notwendig. Anders die Kandidaten Öl und Pellets. Beide brauchen Platz für das Brennstofflager. Bei den Pellets empfiehlt sich zusätzlich ein besonders großer Warmwasserspeicher. Hintergrund: Pellets verursachen relativ viel Feinstaub. Je häufiger die Anlage startet, um so höher ist die Feinstaubbelastung. Der Pufferspeicher wirkt dem entgegen.

Rohstoffe sind teuer

So richtig in Schwung kommen die Pelletsysteme erst in der Betriebsphase. Denn ob sich die neue Heizung auch langfristig rechnet, hängt entscheidend vom Energieträger ab. In der Vergangenheit waren die Holzpellets meist preiswerter als Öl und Gas. Ihr Vorteil: Sie bestehen aus Holz – einem heimischen Rohstoff. In den letzten drei Jahren kosteten die Presslinge im Schnitt etwa 4 Cent pro Kilowattstunde. Öl und Gas waren mit 5 bis 8 Cent deutlich teurer.

20 Jahre Dauerbetrieb

Bleiben die Pellets auch langfristig billiger, zahlt sich das aus: Je länger die Pelletanlage läuft und je höher der Wärmebedarf ist, desto mehr rechnet sich die Anfangsinvestition. In der Tabelle Heizsysteme basieren die langfristigen Energiekosten auf den mittleren Rohstoffpreisen der Jahre 2007 bis 2009. Ergebnis: Holzpelletkessel sparen gegenüber ihren Öl- und Gaskollegen im Schnitt 393 beziehungsweise 477 Euro pro Jahr. Nach einer Betriebszeit von 20 Jahren summiert sich die Einsparung auf durchschnittlich 7 860 oder 9 550 Euro.

Pellets sind fast CO2-neutral

Pellets haben noch einen weiteren Trumpf: Sie belasten das Klima weniger. Im Gegensatz zu Öl und Gas verbrennen sie nahezu klimaneutral. Deutlichstes Zeichen ist der niedrigere Primärenergieverbrauch. Zwar entweicht auch bei der Verbrennung der Pellets reichlich CO2 aus dem Schornstein, aber eben nur die Menge, welche die Bäume der Atmosphäre zuvor entnommen haben. Wachsen die Bäume wieder nach, schließt sich der Kreis. Einziges Manko: Die CO2-Freisetzung durch Herstellung und Transport der Pellets. Diese Emissionen fallen aber auch bei Öl und Gas an – plus das durch die Verbrennung freigesetzte CO2. Am Ende belasten Öl- und Gaskessel das Klima jährlich mit etwa 6 bis 7 Tonnen CO2, emittieren dafür aber weniger oder keinen Feinstaub.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Testergebnisse: Gas-, Öl- und Pellet-Heizsysteme

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