24.12.2007

Umtausch und Rückgabe: Spielregeln für Käufer und Verkäufer

Umtausch und Rückgabe Test

Schon wieder eine hässliche Krawatte, noch ein schwülstiges Eau de Toilette und - endlich, die neue Lieblings-CD. Die aber gleich doppelt. Nach den Feiertagen beginnt das muntere Umtauschen. Doch nicht alle Händler spielen mit. test.de sagt, was geht und was nicht.

Viele Händler tauschen um

Alle Jahre wieder dasselbe Ritual: Nach den Feiertagen strömen mehr oder weniger reich beschenkte Kunden in die Geschäfte, um unliebsame Geschenke loszuwerden. Die frohe Botschaft: Viele Händler nehmen die Ware zurück und tauschen sie um. Aus dem hässlichen 70er-Jahre-Schlips von Schwiegermutter wird so eine modische Seidenkrawatte, mit der sich der Beschenkte ins Büro trauen kann. Auch der Familienfrieden bleibt gewahrt.

Kein Recht auf Umtausch

Was viele Kunden nicht wissen: Ein gesetzlich verbrieftes Recht auf Umtausch gibt es nicht. Umtausch ist Kulanzsache und funktioniert nur, wenn der Händler mitspielt. Von Rechts wegen gilt beim Einkauf im Laden der Grundsatz: Gekauft ist gekauft. Die meisten Händler gehen aber wohlwollend mit ihren Kunden um. Auch zum eigenen Gewinn: Zufriedene Kunden kommen wieder und lassen die Kasse klingen. Um das Geschäft anzukurbeln, bieten Einzelhändler oft weit reichende Umtauschgarantien. Vor allem zur Weihnachtszeit.

Versprechen ist Gesetz

Was der Händler in der Werbung verspricht, wird dann quasi zum Gesetz. Beispiel: Wenn im Laden Schilder hängen mit dem Hinweis „2-Wochen-Geld-zurück“, muss der Händler das auch einlösen, wenn der Kunde den Umtausch wünscht. Hat der Händler dagegen nur einen Gutschein versprochen, muss er beim Umtausch kein Bargeld erstatten. Die Bedingungen für den Umtausch sind Verhandlungssache. Was der Händler dabei anbietet, muss er später auch halten. Ist nichts vereinbart, kann der Kunde nur auf den guten Willen des Händlers hoffen.

14 Tage Rückgaberecht

Anders ist die Sache bei Onlinekäufen. Wer im Internet oder beim Versandhändler bestellt, hat ein gesetzlich verbrieftes Widerrufsrecht. 14 Tage lang. Ohne Angabe von Gründen. Die Frist beginnt mit dem Erhalt der Ware und der Widerrufsbelehrung. Fehlt die Widerrufsbelehrung oder ist sie falsch formuliert, beginnt die Frist nicht. Folge: Der Kunde kann den Kaufvertrag nun auch später noch widerrufen. Widerruf bedeutet: Der Kauf wird storniert. Der Kunde schickt die Ware zurück und bekommt im Austausch den Kaufpreis erstattet.

Nicht richtig benutzen

Das Widerrufsrecht soll Onlinekäufer vor Enttäuschungen bewahren. Schließlich lässt sich die Ware im Internet oder im Katalog weder anfassen noch ausprobieren. Das kann der Onlinekäufer nun zuhause nachholen. Ausprobieren heißt aber nicht alltäglich benutzen. Als Faustregel gilt: Machen Sie mit der Ware nicht mehr, als Sie damit vor dem Kauf im Laden machen würden. Sonst kann der Onlinehändler einen Nutzungsersatz verlangen. Software und DVDs sind für gewöhnlich versiegelt. Hier gilt: Wer das Siegel öffnet, besiegelt den Kauf.

Nicht für Sonderanfertigungen

Vom Rückgaberecht ausgenommen sind leicht verderbliche Waren wie Lebensmittel und individuell angefertigte Produkte. Die kann der Händler nicht anderweitig verkaufen, deshalb muss er sie nicht zurücknehmen. Findige Onlinehändler nutzen diese Einschränkung neuerdings, um das Rückgaberecht auszuhebeln. Sie behaupten dann etwa, ein Notebook, das im Baukastenprinzip zusammengestellt wurde, sei individuell produziert. Solche Einschränkungen sind nicht zulässig, urteilen Gerichte. Das Widerrufsrecht gilt auch für Notebooks, die im Baukastenprinzip komponiert wurden. Grund: Die einzelnen Komponenten lassen sich problemlos trennen und neu vermarkten.

30 Tage Rückgabe

Positiv sind dagegen die erweiterten Rücknahmegarantien einiger Onlinehändler. Shops wie Amazon oder Bol.de nehmen ihre Ware 30 Tage lang zurück. Für Weihnachtsgeschenke läuft die Frist bei Amazon sogar bis zum 31. Januar. Vorausgesetzt, die Geschenke sind unbeschädigt und nicht benutzt. Für Ebay-Geschäfte gilt die 30-Tage-Widerrufsfrist sogar von Rechts wegen. Bei Powersellern und professionellen Händlern. Egal ob Sofortkauf oder Auktion. Nur private Verkäufer müssen kein Widerrufsrecht gewähren.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Tabelle: Umtausch: Was geht und was nicht

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