28.04.2004

Trekkingräder: Sieben gingen zu Bruch

Trekkingräder Test
Protokoll am We­gesrand: Unser Testteam notiert frische Eindrücke, wie sich die Räder auf Straßen und Wegen bewähren.

Lenker-, Gabel-, Sattelbruch: Jedes dritte Trekkingrad outete sich als fabrikneuer Sperrmüll. Ein Modell musste vom Hersteller zurückgerufen werden. Nur ein Rad war „gut“.

Das Risiko fährt mit: 7 von 19 getesteten Trekkingrädern sind ein potenzielles Sicherheitsrisiko. Im Dauerversuch gingen sie mit diversen Brüchen vorzeitig in die Knie. Acht weitere Räder waren ebenfalls nicht sonderlich stabil. Ganz offensichtlich werden in erheblichem Umfang schlechte Teile verbaut. Die Hersteller müssten zumindest die bruchgefährdeten Komponenten einer rigorosen Qualitätskontrolle unterziehen und das nicht ihren Kunden als unfreiwilligen Testpiloten überlassen.

Wir haben die sicherheitsrelevanten Teile der Räder im Labor von Prüfmaschinen in die Mangel nehmen lassen. Die Maschinen sind so eingestellt, dass sie die typischen Belastungen, denen ein Trekkingrad an besonders beanspruchten Teilen ausgesetzt ist, simulieren. Die sieben Modelle mit frühzeitigen Brüchen im Lenker-, Gabel- und vor allem im Sattelstützenbereich können guten Gewissens nicht auf den Rad fahrenden Kunden losgelassen werden. Am verheerendsten ist ein Bruch am Lenker. Aber auch wenn Sattelstütze, Gabel oder Rahmen brechen, können die Folgen dramatisch sein.

Brüche schon in der ersten Halbzeit

Trekkingräder Test
Brüche pflastern ihren Weg.
... der frühzeitig geborstene Lenkervorbau des zurückgerufenen Centurion Siena,

Wir simulierten auf dem Prüfstand eine Benutzung von 24 000 Kilometern. Traten schon vor Ablauf der Halbzeit (12 000 Kilometer) Brüche auf, hieß das Urteil in der Bruchsicherheit „mangelhaft“. Hielten die Teile länger durch und brachen erst jenseits der 12 000-Kilometer-Marke, nan­n­ten wir das „ausreichend“. Den bruch­­ge­fährdeten Modellen, die mit „ausreichend“ davonkamen, lässt sich lediglich zugute halten, dass das Material erst nach längerer Zeit ermüdete. Immerhin muss der Radler eine solche Strecke erst einmal hinter sich bringen. Die meisten werden dafür wohl eine ganze Reihe von Jahren brauchen.

Trotzdem: Selbst über eine lange Laufzeit dürfen Trekkingräder ihre Stabilität nicht verlieren. Auch die erst relativ spät bruchgefährdeten Modelle sind unsicher und im Vergleich schlechter als andere. Schließlich gibt es auch Modelle, die 24 000 Kilometer unbeschadet überstanden. Und die waren keineswegs teurer als die brüchige Konkurrenz.

Außerdem: Wir waren bei den Belastungsversuchen zwar hart, aber auch fair und beanspruchten die Räder nicht über Gebühr – schließlich sind sie keine Mountainbikes. Die Realität sieht da oft brutaler aus. Jüngere Leute jagen Trekkingräder gern mal über Stock und Stein, bergab und über Bordsteinkanten. Dafür sind die zwar eigentlich nicht gebaut, aber solche gelegentlichen Eskapaden sollten nicht mit einem Bruch bestraft werden.

Lebensgefahr beim Centurion Siena

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...eine von vielen gebrochenen Sattelstützen

Als besonders unsicherer Kantonist entpuppte sich schon zu Beginn des Tests Centurion Siena mit einem lebensgefährlichen Komplettbruch des Lenkervorbaus nach nur 1 350 Kilometern. Wir veröffentlichten den bedrohlichen Mangel sofort (Gefahr durch Lenkerbruch) und benachrichtigten den Hersteller Centurion. Der stoppte daraufhin den Verkauf der drei Modelle Siena, Milano und Toscana des Modelljahres 2004 und rief die schon ausgelieferten Räder zu den Händlern zurück, um sie dort kostenlos mit sicheren Teilen umrüsten zu lassen. Alle drei haben den gleichen Lenkervorbau mit der Typenbezeichnung „HL MTS-C397–2“ und „HL MTS-C397–5“ vom taiwanesischen Produzenten Hsin Lung. Inzwischen sind zwei weitere Räder des Modelljahres 2004 hinzugekommen: Cross Over und Cross LRS (siehe auch www.centurion.de).

Für den Test haben wir vor allem Trekkingräder der Einstiegsklasse im Fachhandel ausgewählt. Die meisten Modelle kosten um die 500 Euro: Unter diesen Preis will der Fachhandel nur ungern gehen – mehr wollen aber die meisten Kunden für ein Fahrrad auch nicht ausgeben. Und wenn doch, dann soll es etwas Besonderes sein. Aus diesem Grund haben wir zwei teurere Räder in den Vergleich einbezogen: Das 700 Euro teure Corratec B-Drive 8 mit seiner als „Weltneuheit“ gepriesenen Kombi­na­­tion aus Acht-Gang-Nabenschaltung und Zahnriemenan­trieb (anstelle der Kette) sowie das Modell Maxcycles Roadster 2 x 8 für 900 Euro. Als Schaltung hat der Roadster eine Acht-Gang-Nabe, die mit den beiden Kettenblättern am Pedal kombiniert insgesamt 16 Gänge bereitstellt.

Berauschend waren die beiden teuren Räder nicht. Maxcycles war zwar das zweitbeste Rad in den Fahreigenschaften, fiel dann aber mit einem Gabelbruch aus dem Rennen. Corratec erreichte wenigstens in der Endabrechnung ein „Befriedigend“. Überhaupt sind beide von ihrer ganzen Auslegung her mehr etwas für den reinen Straßenbetrieb in eher ebenem Gelände, weshalb wir sie in der Tabelle auch gesondert darstellen.

Im Test fallen neben den vielen Brüchen noch einige schlechte Bremsergebnisse auf: Die V-Brakes von Baur, Giant, KTM, Puch und Raleigh versagten bei Nässe. In anderen Fällen hielten die Brem­­sen unserer Dauerbelastung von 3 000 Bremsungen auf dem Prüfstand nicht optimal stand. Am Corratec B-Drive 8 sowie dem (bei Nässe schlechten) Giant Tourer 21 war das Bremsverhalten zwischen Nass und Trocken gewöhnungsbedürftig unterschiedlich.

Gebremster Fahrspaß

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...und ein veritabler Gabelbruch (Prophete AluRex).

Von den Sicherheitsdefiziten einmal abgesehen, war Mittelmaß Trumpf im Test. Unser Team aus zwei Frauen und sechs Männern vergab in den acht Disziplinen der Fahrpraxis vom Bergauffahren bis zur Wendigkeit sehr oft „befriedigend“ oder „ausreichend“. Auffallend viele Modelle hatten durch Flatterhaftigkeit mehr oder minder starke Probleme beim Bergabfahren und beim Transport von fünf Kilogramm Gepäck auf dem Träger hinten. Am besten ließ sich Stevens Jazz fahren.

Die meisten Modelle des Tests gibt es auch in der Frauen- oder Unisex-Version mit tieferem Durchstieg. Wir ließen ein Damenrad zum Vergleich mitfahren. Wer den bequemeren Durchstieg bevorzugt, muss vor allem bergab mit Gepäck eine gewisse Wackeligkeit in Kauf nehmen. Die Stabilität ist nicht so gut wie beim Herrenrad mit dem durchgezogenen Oberrohr. Sportliche Frauen fahren deshalb auch mehr auf das Männer-Trekkingrad ab.

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