22.01.2009

Steuern für Rentner: Wer jetzt handeln muss

Steuern für Rentner Special

Früher kamen Rentner meist ungeschoren davon, doch nun müssen Jahr für Jahr immer mehr von ihnen Steuern zahlen. Ein kurzer Check gibt Orientierung, wen es betrifft.

Millionen Rentner werden zu Steuerhinterziehern, vielen drohen üble Nachzahlungen ans Finanzamt – von solchen Schlagzeilen wurden Senioren in den letzten Monaten stark verunsichert. Die Wahrheit ist: Drei Viertel der knapp 15 Millionen Rentnerhaushalte müssen überhaupt keine Steuererklärung abgeben und auch keine Einkommensteuer zahlen.

Fragt sich nur: Für wen gilt Entwarnung und für wen nicht? Da kommt es auf viele individuelle Faktoren an.

Die halbe Rente steuerfrei

Die kritische Grenze für die Steuerpflicht ist der sogenannte Grundfreibetrag: zurzeit 7 664 Euro jährlich für Ledige, 15 329 Euro für Ehepaare. Erst wenn das zu versteuernde Einkommen über dieser Summe liegt, wird Einkommensteuer fällig. Und da haben Ruheständler den Vorteil, dass nur ein Teil ihrer Rente steuerpflichtig ist. Je nachdem, in welchem Jahr der Betreffende aus dem Berufs­leben ausschied, muss er nur 50 bis 56 Prozent seiner Rente versteuern:

  • Wer 2005 oder früher Rentner wurde, muss 50 Prozent der Rente versteuern.
  • Bei Renteneintritt im Jahr 2006 sind es 52 Prozent der Rente.
  • Bei Rentenbeginn 2007 sind es 54 Prozent.
  • Für Neurentner 2008 gelten 56 Prozent.

Dieser steuerpflichtige Rentenanteil steigt bis zum Jahr 2020 um jährlich zwei Prozent, danach um ein Prozent pro Jahr. Für Rentner, die ab 2040 in den Ruhestand gehen, wird dann die gesamte Rente steuerpflichtig sein. Doch wer bereits im Ruhestand ist, braucht sich um die künftigen Steigerungen keine Gedanken zu machen. Sie betreffen nur diejenigen, die in Zukunft in Rente gehen. Für alle, die bereits aus dem Arbeitsleben ausgeschieden sind, bleibt es bei dem einmal festgelegten steuerfreien Anteil. Dieser bei Rentenbeginn festgelegte Betrag bleibt dann bestehen. Wer 2008 in den Ruhestand ging, erhält also lebenslang den Steuerfreibetrag, der zu diesem Zeitpunkt für ihn ausgerechnet wurde.

Achtung: Der persönliche Freibetrag wird in Euro festgelegt, nicht in Prozent. Und es ist der Eurobetrag, der lebenslang bestehen bleibt, nicht der Prozentanteil. Weil spätere Rentenanhebungen nicht auf den Eurobe­trag umgelegt werden, sondern voll der Steuer unterliegen, müssen Rentner in späteren Jahren doch einen höheren prozentualen Anteil versteuern als die – zum Beispiel für 2008 – festgelegten 56 Prozent.

Beispiel: Ein lediger 69-jähriger Angestellter ist seit 2005 im Ruhestand (siehe Tabelle Beispielrechnungen, Beispiel 1). Seine Bruttorente beträgt 1 400 Euro monatlich, also 16 800 Euro jährlich, der steuerfreie Rentenanteil beträgt 50 Prozent, also 8 400 Euro. Die Rentenerhöhungen 2007 und 2008 erhöhen seine jährliche Bruttorente deutlich, doch der steuerfreie Rentenanteil bleibt bei 8 400 Euro. Im konkreten Fall bleibt der Rentner aber schon durch den Abzug der Krankenkassenbeiträge unter dem steuerfreien Grundfreibetrag von 7 664 Euro. Der Mann muss daher keine Einkommensteuer zahlen – trotz seiner guten Rente.

Als Faustregel lässt sich sagen, dass Rentner, die 2005 oder früher in Ruhestand gingen, bis etwa 19 000 Euro Rente jährlich steuerfrei kassieren können, wenn sie keine weiteren steuerpflichtigen Einkünfte haben. Bei Rentnerehepaaren sind es rund 38 000 Euro. Wer 2008 aus dem Arbeitsleben ausschied, kann steuerfrei immerhin noch etwa knapp 17 000 Euro Rente beziehen, Rentnerehepaare etwa 34 000 Euro.

Das liegt auch daran, dass neben den Pauschalen für Werbungskosten und Sonderausgaben auch die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung von der Bruttorente abgezogen werden.

Knackpunkt Nebeneinkünfte

Die Rechnung fällt jedoch anders aus, wenn weitere Einnahmen hinzukommen. Das können zum Beispiel Zinsen oder andere Kapitalerträge sein, ebenso Miete, Arbeitslohn oder Honorare. Dann kann der Grundfreibetrag auch bei einer relativ geringen Rente schnell ausgeschöpft sein.

Beispiel: Eine 64-Jährige erhält seit 2004 700 Euro Witwenrente. Eine eigene Rente hat sie nicht. Ihr verstorbener Ehemann hinterließ eine vermietete Wohnung, aus der ihr nach Abzug aller Werbungskosten steuerpflichtige Mieteinkünfte von 700 Euro zufließen (siehe Tabelle Beispielrechnungen, Beispiel 2). Insgesamt hat die Witwe monatlich etwa so viel Geld wie im Beispiel oben der frühere Angestellte. Ihre Steuerrechnung sieht aber anders aus. Sie muss wegen der Mieteinnahmen Steuern zahlen: jährlich 732 Euro.

Freibeträge

Doch viele Nebeneinkünfte zählen gar nicht voll mit, vielmehr können Freibeträge genutzt werden. Zum Beispiel der Sparerfreibetrag von 750 Euro jährlich und die Werbungskostenpauschale von 51 Euro. Für Ehe­paare gelten 1 602 Euro Zinsen und Dividenden, die für sie steuerfrei sind.

Rentnern, die nebenher als Arbeitnehmer Geld verdienen, steht außerdem der Arbeitnehmerpauschbetrag von 920 Euro im Jahr zu. Das gilt aber nicht für Minijobs, die sind steuerfrei und bleiben außen vor.

Bei Mieteinnahmen gibt es keine pauschalen Abzugsbeträge. Deshalb muss die Witwe im Beispiel oben ihre Mieteinkünfte, die nach Abzug der Kosten zum Beispiel für Instandhaltung oder Abschreibung übrig bleiben, voll versteuern. Gleiches trifft in der Regel auf gewerbliche und freiberufliche Einkünfte zu.

Die Tabelle auf Seite 14 zeigt, wie viel Rentner steuerfrei an Nebeneinkünften haben dürfen, und zwar immer nach Abzug der Werbungskosten und Betriebsausgaben und nach Abzug von Freibeträgen.

Beispiel: Ein Sparer, der 2005 in Rente ging und 15 000 Euro Jahresbruttorente erhält, hat zusätzlich Zinseinnahmen von 3 500 Euro. Er darf laut Tabelle aber nur 3003 Euro Nebeneinkünfte steuerfrei kassieren (Spalte 3). Dennoch muss er keine Steuern zahlen, denn ihm stehen 750 Euro Sparerfreibetrag zu sowie 51 Euro Werbungskostenpauschale. Diese Abzugsbeträge bringen seine Zinseinkünfte auf 2 699 Euro (3 500 minus 801) und damit unter den Tabellenwert. Die Zinsen bleiben also steuerfrei. Hätte der Rentner statt der Zinseinnahmen einen Nebenjob, der ihm 3 500 Euro Lohn im Jahr brächte, bliebe das ebenfalls steuerfrei. Denn ihm stünde der Arbeitnehmerpauschbetrag von 920 Euro im Jahr zu, und das würde seine Lohneinkünfte auf 2 580 Euro drücken (3 500 minus 920).

Eine besondere Rolle spielt für Senioren der sogenannte Altersentlastungsbetrag. Er beläuft sich auf maximal 40 Prozent der betreffenden Einkünfte, höchstens aber auf 1 900 Euro im Jahr. Er ist auf alle Einkünfte anwendbar, außer auf Renten und Pensionen. Wer beispielsweise Arbeitslohn, Zinsen, Gewinne oder Mieten zu versteuern hat, kann ihn nutzen. Der Altersentlastungsbetrag steht allen Rentnern zu, die 65 Jahre oder älter sind. Um ihn für das Jahr 2008 nutzen zu können, müssen Senioren also vor dem 1. Januar 1944 geboren sein.

Für die Tabellenwerte haben wir die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung mit 10 Prozent der Bruttorente berücksichtigt: 7,15 Prozent für die Krankenversicherung, dazu 0,9 Prozent Sonderbeitrag sowie 1,95 Prozent für die Pflegeversicherung. Im Einzelfall können diese Werte etwas höher oder auch niedriger liegen. Wie viel Sie genau für die Sozialversicherung zahlen, steht in Ihrem jüngsten Rentenbescheid.

Bei Ehepaaren haben wir nur den Altersentlastungsbetrag für einen Partner berücksichtigt. Wenn beide Ehepartner das erforderliche Alter und die entsprechenden Nebeneinkünfte haben, erhöht sich das Volumen ihrer steuerfreien Einkünfte.

Insgesamt stellen die Tabellenwerte eher die Untergrenze dessen dar, was steuerfrei an Zusatzeinkünften vereinnahmt werden darf. So haben wir bei den Werbungskosten nur die Pauschale von 102 Euro angesetzt. Wer höhere Werbungskosten nachweist (zum Beispiel für eine Rentenberatung), kann diese höheren Beträge geltend machen. Auch bei den Sonderausgaben haben wir nur die Pauschale von 36 Euro eingerechnet. Wer höhere Sonderausgaben hat, zum Beispiel Kirchensteuer oder Spenden, kann sie absetzen. Das gilt auch für weitere Versicherungen, zum Beispiel die Kfz-Haftpflichtversicherung, ebenso für außer­gewöhnliche Belastungen, zum Beispiel abzugsfähige Krankheits- oder Unterhaltskosten, Pflegeaufwendungen oder für einen Behindertenpauschbetrag.

Für weitere Entlastung können Aufwendungen sorgen, die die Steuerschuld unmittelbar reduzieren, beispielsweise Parteispenden, Handwerkeraufträge im Rahmen haushaltsnaher Dienstleistungen oder die Beschäftigung einer Haushaltshilfe.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Tabelle: Beispielrechnungen

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