21.01.2003

Steuererklärung 2002: Die Mühe lohnt

PC-Steuerprogramme: Eins schaffte ein „Sehr gut“

Steuererklärung 2002 Meldung
Testsieger wurde das Programm Steuer-Spar-Erklärung. Das von Aldi ab Anfang Januar angebotene Programm Steuer 2002 ist ­eine abgespeckte Version von Taxman, das im Test ein „Gut“ schaffte.

Acht PC-Steuerprogramme mussten durch unsere technische und vor allem steuerliche ­Prüfung. Jedes sollte drei unterschiedliche Steuererklärungen tadellos bewältigen.

Die elektronischen Helfer haben längst ihre Stammkunden: Rund drei Millionen Menschen erledigen mit einem PC-Steuerprogramm ihre Steuer­erklärung. Welche Software sich am besten für die Jahresabrechnung 2002 eignet, hat Finanztest untersucht.

Von den acht getesteten Programmen behielt der Testsieger aus dem vergan­genen Jahr wieder die Nase vorn. Die Steuer-Spar-Erklärung von der Akade­mischen Arbeitsgemeinschaft verbesserte sich sogar von „gut“ auf „sehr gut“. Tax schaffte wieder ein „Gut“. Die Programme Wiso Sparbuch, Taxman und Quicksteuer kletterten von „befriedigend“ auf „gut“.

Für rund 5 bis maximal 40 Euro gibt es die Software längst nicht mehr nur im Buchladen. Die Programme gehen im Supermarkt oder an Tankstellen weg wie warme Semmeln.

Testsieger rechnete am besten

Clevere Schnäppchenjäger haben neben dem Preis die Leistung des Programms im Blick. Denn sie wollen die maxi­male Steuererstattung rausholen. Das war Dreh- und Angelpunkt unseres Tests. Die Programme mussten jeweils drei Musterfälle knacken.

Wir haben verglichen, welche Software den kundigen Steuerzahler zur perfekten Steuererklärung führt. Das gelang mit der Steuer-Spar-Erklärung fast tadellos. Der Testsieger löste Fall A und Fall B fehlerlos. Und beim Fall C hat er sich nur um 3 Euro verrechnet.

Die anderen Hersteller konnten nicht mithalten. Die größten Abweichungen gab es bei Capital Einkommen-Steuer. In Fall B fehlten 293 Euro Steuererstattung. Grund für die Abweichungen ­waren aber nicht reine Rechenfehler des Programms, sondern steuerrechtliche Fehler. Solche inhaltlichen Mängel waren beim Test mit entscheidend für das Finanztest-Urteil.

Die Programme mussten keine exo­tischen Musterfälle lösen. Schwerpunkte waren alltägliche steuerliche Situationen wie die Berechnung der Entfernungspauschale in einem Park&Ride-Fall, die Zuordnung der Kinder bei der Riester-Förderung oder die Übertragung von Freibeträgen für Kinder getrennt lebender Eltern.

Bedienung noch nicht ausgereift

Steuerlaien haben es mit allen Programmen – selbst mit dem Testsieger – schwer, zum richtigen Ergebnis zu kommen. Deshalb erreichte die Steuer-Spar-Erklärung nur knapp ein „Sehr gut“.

Ursache dafür ist das komplizierte Steuerrecht. Aber nicht nur das. An manchen Stellen haben die Programmierer eins draufgesetzt. Bei vielen Programmen ist die Bedienungsoberfläche immer noch viel zu unübersichtlich.

Zudem wird der Nutzer oft mit einer Fülle von Informationen überfordert. Das verlangt von ihm doppelte Konzentration. Zu den wichtigen Fragen „Was habe ich bereits abgearbeitet?“, „Was muss ich im Auge behalten?“ gibt es meist wenig Hilfestellung. Unsere Tester brauchten mit dem Testsieger ein bis eineinhalb Stunden pro Musterfall.

Dass das auch flotter gehen kann, führten Data Becker Steuer Sparpaket und Capital Einkommen-Steuer vor. Die Bedienungsoberflächen sind einfach und klar. Eine Steuererklärung war in einer halben Stunde fertig.

Doch so flott wie die Steuererklärung mit Data Becker Steuer Sparpaket erledigt war, schlichen sich auch Fehler ein: Für Sohn Max (Fall B) forderte das Programm auf, die Anlage Kind zu löschen, weil die Einkünfte des erwachsenen Kindes über dem Grenzbetrag lagen. Dabei hatte das Programm die Einkünfte fehlerhaft berechnet, obwohl den Eltern der Kinderfreibetrag zustand.

Ähnlich bei Capital Einkommen-Steuer. Hier haperte es außerdem bei der Vergleichsberechnung zwischen Kindergeld und Kinderfreibeträgen.

Gutes Hilfsmittel

Durch das komplizierte Steuerrecht ergeben sich beim Ausfüllen der Steuer­erklärung automatisch Fragen. Als praktisch erweist sich dann die feldbezogene Hilfe zum Beispiel bei Taxman und Quicksteuer von Lexware.

Gut gelöst ist bei beiden auch die ­Datenabfrage. Hat der Anwender etwa vergessen, die Daten für den Vater des Kindes einzutragen, weist ihn der Navigator durch ein rotes Kreuz darauf hin. Zeitaufwendig sind dagegen die vielen Eingabemasken, die der Nutzer – ob er will oder nicht – abarbeiten muss.

Das klappt bei tax einfacher. Die Abfragen beispielsweise bei Riester-Ver­trägen sind übersichtlich auf einer Eingabemaske zusammengefasst. Außerdem bietet das Programm nützliche Vorlagen für Musterbriefe, um im Konfliktfall dem Finanzamt Kontra geben zu können. Interessierte werden zudem schnell fündig, wenn sie fachliche Erläuterungen, Gesetze, Urteile oder anhängige Verfahren beim Bundesfinanzhof suchen. Solche Rechtsverweise bietet auch das Wiso Sparbuch.

Plausibilitätskontrolle täuscht

Bis zum Schluss muss der Nutzer konzentriert sämtliche Abfragen der Programme durcharbeiten. Bereits eine kleine Unaufmerksamkeit kann sich als großer Nachteil erweisen.

Plausibilitätskontrollen sind mit Vorsicht zu genießen. Sie täuschen manchmal vor, alle Unklarheiten zu beseitigen. Oft bezieht sich die Kontrolle aber nur auf die Vollständigkeit der Eingaben. Deshalb müssen Nutzer ihre ausgedruckte Steuererklärung und -berechnung noch einmal gründlich prüfen. Ist alles vollständig und plausibel?

Fortschritte bei der Sicherheit

Wichtig ist auch, immer mit der aktuellen Programmversion zu arbeiten. Die Hersteller aktualisieren häufig ihre Programme und stellen Updates im Internet bereit. Ein Update muss sowieso jeder machen, der eine El(elektronische) St(euer)er(klärung) über die Datenbahn zum Finanzamt schicken will. Mit Ausnahme des Steuerlotsen ist Elster bei allen getesteten Programmen möglich.

Nach unserer Kritik im vergangenen Test an der Datensicherheit beim Update der Programme über das Internet haben mehrere Hersteller nachgebessert. Attacken aus dem Internet müssen beim Update aber Käufer von Capital Einkommen-Steuer, Data Becker Steuer Sparpaket und Steuerlotse fürchten. Sie gelten nach dem Stand der Technik als nicht sicher. Wünschenswert wäre, dass alle Hersteller das Sicherheitsbedürfnis ihrer Kunden ernst nehmen.

Auf der sicheren Seite sind Nutzer von Steuer-Spar-Erklärung, tax, Taxman, Wiso Sparbuch oder Quicksteuer in vielerlei Hinsicht. Sie müssen sich beim Update keine Sorgen machen. Und sie haben ein praktisches Arbeitsmittel, das ihnen auf jeden Fall bei der Steuererklärung hilft.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Unsere knifflige Steuerprüfung

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